Der Bau offener Parkplätze hätte den Umzug des Fußballvereins SC Leverkusen in den Stadtpark zur Folge.
Bayer-04-ParkplatzpläneLeverkusener BUND und Nabu bemängeln Gutachten

Regine Kossler, Hans-Martin Kochanek, Wolfgang Heep und Christian Wolf vom Nabu und BUND sehen sich auf dem Platz des BV Wiesdorf in der Innenstadt im Stadtpark um.
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Sollte es darauf hinauslaufen, dass Bayer 04 seine Parkplätze, die jetzt noch unter der Stelze liegen, auf seine Trainingsplätze neben dem Stadion verlegen darf, dann müsste der Fußballverein SC Leverkusen auf den ehemaligen Fußballplatz im Stadtpark umziehen. Dagegen wenden sich Fachleute vom Nabu und BUND Leverkusen. Sie haben die Leverkusener Medien zu einem Informationstermin auf dem alten Platz des Ballspielverein (BV) Wiesdorf eingeladen.
„Das Artenschutzgutachten, das mit Voruntersuchungen zur möglichen Bebauung im Stadtpark als Entscheidungsgrundlage vorgelegt wurde, bescheinigt dem Platz, dass er ökologisch wertlos sein soll“, sagt der Nabu-Vorsitzende Hans-Martin Kochanek. Die Naturschützer halten das für falsch. Kochaneks Kollege, der promovierte Biologe Christian Wolf, der beruflich selbst Gutachten für Planfeststellungsverfahren schreibt, sagt: „Dieses Gutachten hat einfach zu viele Mängel.“ Kochanek: „Wir wollen, dass die Politiker solide Grundlagen bekommen, bevor sie entscheiden, ob auf dem Platz hier ein Kunstrasenplatz und Gebäude gebaut werden.“
Zum Beispiel sei das Gutachten geschrieben worden, ohne dass Arten ordentlich kartiert worden seien. Laut dem eigenen Text hätten die Sachverständigen sich die Fläche im Stadtpark nur im Winter angesehen und dann nichts Relevantes gefunden, so die Biologen. Das Gutachten sei auf den 7. April 2025 datiert, die Kartierung fand offenbar in den Monaten zuvor statt.
„Uns nervt, dass wir bei Bauvorhaben immer wieder solche schlechten Gutachten vorgelegt bekommen“, sagt Kochanek, der der Stadt Leverkusen bescheinigt: „Wir sind hier in der Stadt in einem steilen Sinkflug, was Natur und Landschaft angeht.“ Und: „Die Planung hier steht gegen alle Erkenntnisse, die wir heute haben.“
Uns nervt, dass wir bei Bauvorhaben immer wieder solche schlechten Gutachten vorgelegt bekommen.
Mit diesem Gutachten sei die Planung auch anfechtbar, vermuten die Naturschützer. Der Stadtpark an der Dhünn ist laut Klimaatlas NRW ein Stück Land mit hoher bis sehr hoher Bedeutung für die Innenstadt. Der alte Fußballplatz wurde noch bis Ende 2017 bespielt.

Christian Wolf steht auf dem Platz des BV Wiesdorf im Stadtpark.
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Die Stadt kündigte dem „Ballspielverein Wiesdorf von 1920“ (BVW) den Platz aus Kostengründen, wie es hieß, um ihn nicht weiter pflegen zu müssen. Seither liegt er brach und wird von Hundehaltern als Freilauffläche genutzt. Auf dem Ascheplatz haben sich inzwischen mehrere Meter hohe Bäume, Sträucher und ein spärlicher Bewuchs eingestellt. Nebenanlagen, etwa eine Weitsprunganlage, sind weitgehend zugewachsen.
7000 Quadratmeter großer Kunstrasenplatz im Stadtpark
Falls Bayer 04 offene Parkplätze auf seinen Trainingsplätzen und auf dem Platz des SC Leverkusen an der Tannenbergstraße anlegen darf, würden nicht nur die Trainingsplätze versiegelt. Das lehnen die Fachleute von Nabu und BUND ab, auch wenn der Belag vielleicht teildurchlässig gebaut werden könne. Dass im Stadtpark in der Innenstadt ein 7000 Quadratmeter großer Kunstrasenplatz angelegt, Wege und Gebäude gebaut würden, macht ihnen zudem Sorgen. Bisher ist unklar, wer den Bau und den Umzug des Vereins bezahlen müsste. „Das Vermeidungsprinzip steht bei solchen Maßnahmen an erster Stelle“, sagt Wolf, „das fehlt uns hier. Unser Ziel ist, dass hier nicht gebaut wird“, sagt Kochanek.
Wie Bayer 04 den Parkplätze-Bau auf ihren Trainingsplätzen grundsätzlich vermeiden könnte, dazu hat Nabu-Sprecher Wolfgang Heep folgenden Vorschlag: „Bayer 04 hat ein hervorragendes System bei der An- und Abfahrt der Leute an Spieltagen.“ Der Transport funktioniere gut, das System könne man auch für die ausbauen, die zurzeit bei den Heimspieltagen mit dem eigenen Auto unter der Stelze parken können, so Heep.
Parken unter der Stelze
Unter der Stelze parken bei Heimspielen ausschließlich VIP-Stadionbesucher und anderweitig mit dem Spiel Beschäftigte kostenlos. An den anderen Tagen stehen die Gratis-Parkplätze allen offen (TSV, SC, Pendlern, Anwohnern). Entlang der Marienburger Straße hat die Stadt Leverkusen sogenannte Baulasten festgeschrieben, also Autostellplätze fürs Kinopolis, die Stadtbibliothek, Verwaltungsmitarbeiter und die Dreifachsporthalle, insgesamt für 260 Autos. In Stadionnähe bietet Bayer 04 laut eigenen Angaben an Spieltagen 1963 Stellplätze an, von denen während des Autobahnumbaus 1713 unter und an der Stelze entfallen. (rar)
