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SportDeutsche Meisterschaften im Degenfechten: Nachwuchs kämpft um Titel in Leverkusen

4 min
Olivia Kolditz und Christian Purat gehören zu 280 Fechterinnen und Fechtern die am Wochenende auf der Kurt-Rieß-Anlage gegeneinander antreten.

Olivia Kolditz und Christian Purat gehören zu 280 Fechterinnen und Fechtern die am Wochenende auf der Kurt-Rieß-Anlage gegeneinander antreten.

Christian Purat und Olivia Kolditz vom TSV Bayer 04 stehen bei den Deutschen Meisterschaften im Degenfechten der Jugend und Junioren in Leverkusen am Wochenende vor ihrem Heimauftritt.

Zweimal Training am Tag, kaum freie Wochenenden und jetzt ein Saisonhöhepunkt direkt vor der eigenen Haustür: Für Christian Purat und Olivia Kolditz vom TSV Bayer 04 gehört Fechten längst zum Alltag.

Am Wochenende finden in Leverkusen die Deutschen Meisterschaften im Degenfechten der Jugend und Junioren statt. Rund 280 Fechterinnen und Fechter treten auf der Kurt-Rieß-Anlage gegeneinander an – mittendrin die beiden Nachwuchssportler aus dem Gastgeberverein.  Christian Purat kam auf ungewöhnliche Art mit dem Sport in Kontakt: Der Auslöser war ein Theaterbesuch. „Ich war damals mit meinen Eltern in, Peter Pan‘“, erzählt der 18-Jährige. „Die Kampfszenen fand ich total cool. Das habe ich zu Hause einfach nachgespielt.“ Daraus wurde schnell mehr. „Meine Eltern sind dann mit mir zum Tag der offenen Tür der Fechtabteilung gegangen“, sagt er. „Und dann hat sich das irgendwie entwickelt.“

Alltag zwischen Training und Turnieren

Zweimal Training am Tag, dazu Wettkämpfe in ganz Deutschland, der Kalender ist voll. „Mittlerweile fühlt sich das alles normal an“, sagt Christian Purat. „Man gewöhnt sich daran, dass man nicht ständig freie Wochenenden hat.“

Besonders wichtig ist Struktur. „Ich habe meine Abläufe“, erklärt er. „Ich versuche, vor dem Wettkampf nicht zu viel nachzudenken und einfach in mein Aufwärmen hineinzugehen.“ Gleichzeitig weiß er, wie stark der Sport auch mental ist. „Fechten ist nicht nur schnell, sondern auch Kopfsache“, sagt er. „Man muss den Gegner lesen und reagieren, bevor er überhaupt richtig angreift.“ 

Fechten ist nicht nur schnell, sondern auch Kopfsache.
Christian Purat, Fechter TSV-Bayer 04 Leverkusen

Die Saison war für ihn nicht einfach. „Ich war am Anfang  krank, danach noch ein bisschen angeschlagen“, sagt er. Umso wichtiger ist die Heimmeisterschaft „Jetzt ist der Moment, in dem man noch mal alles rausholen will“, sagt er. „Aber ich versuche, mir trotzdem keinen unnötigen Druck zu machen.“

Fechten liegt in der Familie

Auch für Olivia Kolditz ist das Wochenende besonders. Die 16-Jährige ist Teil einer ganzen Fechtfamilie. „Meine Brüder haben alle schon gefochten.“ „Ich war dabei und habe zugeschaut.“ Irgendwann wollte sie selbst auf die Fechtbahn. „Ich wollte auch fechten und Pokale gewinnen“, sagt sie selbstbewusst. Seit ihrem achten Lebensjahr trainiert sie im Verein. „Man wächst da rein“, sagt sie. „Irgendwann ist es nichts mehr Besonderes, sondern einfach normal.“ Auch sie arbeitet intensiv, zusätzlich geht sie ins Fitnessstudio. „Das gehört dazu“, sagt sie. „Es ist aber ein gutes Gefühl, etwas zu haben, auf das man hinarbeiten kann.“

Vor Wettkämpfen ist sie inzwischen  gelassen. „Früher hatte ich schon so ein komisches Gefühl. Aber irgendwann wird das einfach Routine. Etwa eine Stunde vorher fange ich an, mich aufzuwärmen“, sagt die 16-Jährige. „Dann bin ich drin im Fokus, aber denke nicht mehr zu viel nach.“ „Natürlich ist es manchmal stressig“, sagt sie. „Aber es macht auch Spaß.“ Besonders schön findet sie diesmal die heimische Atmosphäre. „Meine Mutter ist eigentlich immer dabei. Und dieses Mal kommen auch Freunde dazu. Das ist schon etwas Besonderes.“

Beide beschreiben ihren Sport ähnlich, als Mischung aus Tempo und Taktik. „Manche sagen, Fechten ist wie schnelles Schach“, erklärt Christian Purat. „Man muss Muster erkennen und verstehen, wie der Gegner reagiert.“ Kraft allein reiche nicht aus. „Es kommt auf Timing an“, ergänzt er. „Und darauf, den richtigen Moment zu erwischen.“ Auch Olivia sieht das so.  „Es geht es viel mehr um Kopf und Reaktion.“ Dass der Sport von außen oft missverstanden wird, kennt sie gut. „Viele denken sofort, das sei gefährlich“, sagt sie. „Aber so ist es nicht.“

Trotz Heimvorteil und besonderer Kulisse bleibt die Erwartungshaltung bei beiden zurückhaltend. „Ich wünsche mir einfach, dass es gut wird“, sagt Christian Purat. „Ich möchte gut fechten, aber ohne Druck.“ Seine Vereinskollegin formuliert es ähnlich schlicht: „Ich freue mich besonders darauf, dass meine Freunde zuschauen.“ 


Der Zeitplan

Rund 300 Fechterinnen und Fechter treten bei den Deutschen Meisterschaften im Degenfechten der Jugend U15 und Junioren U20 auf der Kurt-Rieß-Anlage des TSV Bayer 04 Leverkusen (Marienburger Straße 4) an. Der Eintritt ist frei. Am Samstag beginnen die Einzelwettkämpfe ab 8.30 Uhr, die Finalentscheidungen folgen ab etwa 14 Uhr für die U15 und um 17.50 Uhr für die U20. Am Sonntag stehen ab 9 Uhr die Teamwettbewerbe auf dem Programm. Zuschauer können viele Gefechte in vier Hallen verfolgen und sich beim Schnupperfechten selbst ausprobieren. (vl)