Die Stellenkürzungen sollen längerfristig auch die Musik- und Kunstschule treffen.
„Wer hier spart, spart an der Zukunft“Elternvertreter der Musikschule Leverkusen schlagen Alarm

An der Musikschule soll gespart werden.
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Die vorgeschlagenen Stellenkürzungen bei der Stadt Leverkusen schlagen weiter hohe Wellen. Jetzt meldet sich die Elternvertretung der Musik- und Kunstschule und schlägt angesichts geplanter Stellenkürzungen Alarm.
Zum Hintergrund: Die Berater von „PD“ hatten der Verwaltung ein Konzept vorgelegt, wie die Stadt in den kommenden Jahren Hunderte Stellen einsparen kann. 766 sollen es bis 2040 sein, hatte der Stadtrat im vergangenen Jahr beschlossen. Hintergrund ist die beispiellose Finanzmisere, die die Stadt Leverkusen infolge eines Gewerbesteuereinbruchs getroffen hat.
Entlassungen wird es bei der Stadt nicht geben, es geht darum, zum Beispiel Stellen nicht wiederzubesetzen. Manche Bereiche der Verwaltung sind davon nicht betroffen, weil die Stadt gesetzlich dazu verpflichtet ist, bestimmte Aufgaben zu erfüllen. So treffen die Stelleneinsparungen vornehmlich sogenannte „freiwillige Leistungen“ – und damit erheblich die Kultur in der Stadt.
Leverkusen: Stellen an Musikschule sollen wegfallen
Unter anderem sollen langfristig zehn Stellen in Musik- und Kunstschule wegfallen. Zuletzt waren die Musikschule und die Jugendkunstgruppen zu einer Einheit zusammengelegt worden. Die Elternvertreter um Antonio Celiberti, Lino Dias, Jessica Hölzer, Simone Ripp, Lena Oymanns und Simone Fridman wenden sich in einem offenen Brief an Oberbürgermeister Stefan Hebbel, um ihre „große Sorge und tiefe Betroffenheit“ angesichts des Sparvorschlags auszudrücken.
Man stelle nicht die Haushaltskonsolidierung infrage, heißt es in dem Schreiben. Allerdings sorgt man sich angesichts der „massiven Auswirkungen auf die musikalische Bildung von Kindern und Jugendlichen“, die diese Stellenstreichungen zur Folge hätten. „In der Realität bedeutet sie einen gravierenden Einschnitt in das kulturelle, soziale und pädagogische Leben unserer Stadt“, so die Eltern. Und schon heute sei die Warteliste für Instrumentalunterricht lang, und mit weniger Stellen müssten mehr Kinder abgewiesen werden. „Für viele Familien ist die Musikschule der einzige Zugang zu qualifiziertem Musikunterricht – unabhängig vom Einkommen.“
Die Eltern verweisen darauf, wie wichtig musikalische Bildung für die Jugendlichen ist: „Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen, dass musikalische Bildung weit über das Erlernen eines Instruments hinaus wirkt. Sie stärkt Konzentration, Disziplin und Ausdauer, fördert exekutive Funktionen wie Planung, Arbeitsgedächtnis und Selbstkontrolle und unterstützt die Fähigkeit zum Belohnungsaufschub – Kompetenzen, die eng mit schulischem und beruflichem Erfolg verknüpft sind.“ Dazu kämen soziale Kompetenzen wie Teamgeist, Verantwortungsbewusstsein und Selbstreflexion, wenn man in Ensembles, Orchestern und Chören gemeinsam musiziere.
Deshalb wäre es besonders gravierend, wenn diese Arbeit wegfiele, schreiben sie in ihrem Brief. Die Eltern sehen zudem die „erfolgreiche Kooperation mit zahlreichen Schulen und Kindergärten auf dem Spiel“. Dort, im Alltag der Kinder, sei die Musik besonders wichtig. Leverkusen sei mehr als ihre Haushaltszahlen, sondern auch das, was die Stadt ihren Bürgerinnen und Bürgern ermögliche: „Die Musikschule ist kein Luxus, sondern ein unverzichtbarer Bestandteil der Bildungs- und Kulturlandschaft. Wer hier spart, spart an der Zukunft.“
