Leverkusen/Köln – Die weiße Sporttasche ist ihm zum Verhängnis geworden. „Gut gefüllt“ war sie laut Polizei – nur nicht mit Sportkleidung, sondern mit Cannabis. Mehr als 500 Gramm.Dabei war der Fund im Haus der Eltern des Leverkuseners Markus W. eher zufällig zustande gekommen: Die Polizisten waren eigentlich auf der Suche nach Hehlerware gewesen, als sie im Haus auf die Drogen stießen. Im Keller, in dem ihr arbeitsloser Sohn, ein gelernter Koch, wohnte. „Es sah aus, als ob es zum Handeln da war“, beschreibt ein Polizist vor dem Kölner Landgericht den Cannabisfund. Druckverschlusstütchen lagen bereit.
W. ist da bereits polizeibekannt: mehrfach hatte er Drogen bei sich gehabt, mal Cannabis, mal Amphetamine. Auch mit einem Einbruch in ein Haus in der Heinrich-Lübke-Straße wird der 26-Jährige in Verbindung gebracht: Er soll gemeinsam mit einem Komplizen eingebrochen sein und Stromkabel im Wert von mehr als 6000 Euro gestohlen haben. Auch das Amtsgericht Bergisch Gladbach kennt ihn bereits: 2017 stand er dort wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und unerlaubten Waffenbesitzes vor Gericht.Das Amtsgericht Leverkusen hatte Markus W. im Februar zu zehn Monaten Haft verurteilt. Er wehrte sich und legte Berufung ein, der Fall landete vor dem Kölner Landgericht.
Sein Drogenproblem fing mit 15, 16 Jahren an, erinnert sich der 26-Jährige. Als Kind war er wegen ADHS in Behandlung, bekam Ritalin. Später setzte er die Tabletten ab, fing stattdessen mit Kiffen an. Ein bis vier Gramm Cannabis konsumiert Markus W. mittlerweile pro Tag, erklärte er am Donnerstag vor Gericht.
Wenig Eigenverantwortung
„Eine erhebliche Menge“, betont der Bewährungshelfer vom Allgemeinen Sozialen Dienst Leverkusen, der dem 26-Jährigen vor zwei Jahren zugeordnet worden ist. Sein Eindruck? W. sei ein Mensch mit „wenig Eigenverantwortung“. Dessen Mutter suche für ihn Stellen raus und schreibe seine Bewerbungen, eine stationäre Therapie hatte er bislang abgelehnt. Das Bringen und Abholen der fünfjährigen Tochter von seiner Ex-Freundin zur Kita und zurück sei im Grunde die einzige Struktur, die W. am Tag habe.Einen ähnlichen Eindruck hat auch die Staatsanwältin: „Sie regeln wenig selbst“, sagte sie zum Angeklagten.
Der muss nun aber in die Puschen kommen: Das erstinstanzliche Urteil von zehn Monaten Gefängnis wurde vom Landgericht Köln bestätigt. Wenn Markus W. nicht in Haft möchte, muss er sich einer stationären Therapie unterziehen. Zu der ist er mittlerweile bereit. Tritt W. die Therapie nicht an oder bricht er ab, droht Gefängnis. Immerhin hat der 26-Jährige eine Klinik im Auge. Herausgesucht hat sie sein Vater.
