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Gespräch im HafenDie Hitdorfer CDU soll offener und diverser werden

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CDU-Hitdorf mit Bürgerkasten, von links: Frank Melzer, Joshua Kraski-Pauls, Christopher Bender und Aylina Hallmann.

CDU-Hitdorf mit Bürgerkasten, von links: Frank Melzer, Joshua Kraski-Pauls, Christopher Bender und Aylina Hallmann.

Der Hitdorfer CDU-Ortsverband plant bürgernähere Ansätze und Diversifizierung, um sich von der AfD abzusetzen und Neumitglieder zu gewinnen.

In der Leverkusener CDU nimmt der Hitdorfer Ortsverband jetzt schon eine Sonderrolle ein. Seit der 24-jährige Joshua Kraski-Pauls den Vorsitz innehat, kann man etwa beobachten, dass aus Hitdorf nicht immer nur Forderungen kommen, wie man sie aus der CDU erwartet: etwa, wenn es ums Zurückdrängen des Autoverkehrs in der Siedlung geht oder die Ablehnung der Paeschke-Kita an der Weinhäuserstraße.

„Die Parteien sind unter Druck“, sagt Kraski und meint besonders den Druck, den seine Partei von rechts, von der AfD, spürt. Dagegen wollen er und der Ortsverband vorgehen, indem sie die Probleme der Hitdorfer bürgernah anhören und vor allem neue Mitglieder für ihre Partei gewinnen wollen. Wer mit irgendetwas im Viertel oder in der Politik unzufrieden sei, dem wolle man zuhören. „Wir wollen uns der Kritik stellen“, sagt Kraski, „und wir wollen die Leute zurück zu den demokratischen Parteien holen“. Also zur CDU.

Die demokratischen Parteien sind unter Druck.
Joshua Kraski-Pauls

Die Zusammensetzung im Hitdorfer Ortsverband ist wahrscheinlich ein Spiegelbild der ganzen CDU, man sei wenig divers, sagt der 24-jährige Kraski. 70 Prozent seien Männer, im Durchschnitt seien die Mitglieder über 60 Jahre alt. „Wir wollen diverser werden“, sagt Kraski und erklärt seine Neumitgliederstrategie, bei der unterschiedliche Schichten und Personen angesprochen werden sollen.

Als Erstes hat sich der Ortsverband einen Briefkasten zugelegt, der „Bürgerkasten“ heißt, aber nichts anderes ist als der gute alte Kummerkasten. Der soll an verschiedenen Stellen hingestellt und aufgehängt werden, quasi als analoges Pendant zur Kommentarfunktion in den sozialen Medien, die man natürlich auch bedienen will. Schließlich habe die Hitdorfer CDU laut Kraski 14.000 Follower bei Facebook und Instagram. Kraski, Sohn einer Hitdorfer Pfarrerin, wird im kommenden Jahr Prinz Karneval in Hitdorf, das will er aber streng von seiner Politik trennen.

CDU-Hitdorf: Seit einiger Zeit öffentliche Parteivorstandssitzungen

Gemeinsam mit dem Vorsitzenden stellten sich Aylina Hallmann, Frank Melzer, Mitglied in der Bezirksvertretung I, und Christopher Bender auf die neue Fläche am Hitdorfer Hafen, um ihre Strategie zu erklären.

Zur neuen Hitdorfer CDU-Linie gehört auch, dass man die vierteljährliche Vorstandssitzung seit einiger Zeit öffentlich abhält und das vorher bekannt gibt. „Wir hatten erst Bedenken, aber dann gemerkt, dass die Öffentlichkeit bei den Sitzungen nicht stört, im Gegenteil.“ Zu den Treffen kämen Bürger mit neuen Themen. Dass diese Idee bei anderen Parteien seit Jahrzehnten gelebte Praxis ist, gibt Kraski dann auch zu: Die Bürgerliste und die Grünen haben immer öffentlich getagt, auch in der SPD gibt es das inzwischen.

Die Hitdorfer Fähre Sankt Michael setzt mit einem Traktor nach Köln über.

Die Hitdorfer Fähre Sankt Michael setzt mit einem Traktor nach Köln über.

Damit unterscheiden sich die demokratischen Parteien von der AfD. Die Rechtspartei verhindert es, dass unabhängige Beobachter Einblicke erhalten: Während demokratische Parteien freie Berichterstattung zunehmend fördern, laufen bei der Leverkusener AfD nicht einmal Kreisparteitage öffentlich.

Was sind nach Ansicht der CDU die heißen Themen in Hitdorf? Das sei immer noch der viele Autoverkehr, die Zukunft der Fähre und die Möglichkeiten zu nachbarschaftlichen Treffen. An überregionalen Themen interessierten sich besonders junge Leute für Rente, für die geplante Neuregelung der Bundesregierung bei der Krankschreibung; ein starkes Thema sei die Wehrpflicht, mit der viele nicht einverstanden seien.

So seltsam es sich aus der Perspektive anderer Stadtteile anhört: Es gibt Hitdorfer, die fühlen sich abgehängt, besonders bezogen auf die Einkaufsmöglichkeiten, hat man bei der CDU festgestellt.

Am 22. Juli will die CDU einen größeren Treff veranstalten, wahrscheinlich in der Villa Zündfunke.