Noch bis Ende Mai können gut 76.000 Beschäftigte ihre Interessenvertreter wählen.
ArbeitnehmerIn mehr als 2000 Leverkusener Betrieben wird gewählt

Noch bis zum 31. Mai laufen in Leverkusens Unternehmen die Betriebsratswahlen.
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Am Montag haben in den ersten Leverkusener Unternehmen die Betriebsratswahlen begonnen. Noch bis zum 31. Mai können Beschäftigte ihre Interessenvertreter neu wählen. Deren Mandat geht über vier Jahre. In Leverkusen sind nach Angaben der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) rund 76.200 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in knapp 2080 Betrieben wahlberechtigt.
Überall dort, wo es mehr als fünf Beschäftigte gibt, kann die Belegschaft einen Betriebsrat wählen. Dabei zählen Vollzeit- und Teilzeitkräfte ebenso wie Auszubildende. „Der Betriebsrat bündelt die Stimmen der Beschäftigten und verleiht ihnen mehr Gewicht gegenüber der Leitungsebene. Auf dieses Sprachrohr muss die Unternehmensführung hören“, sagte am Donnerstag Marc Kissinger von der NGG. Allerdings gebe es in einem Großteil der Unternehmen in Leverkusen noch keinen Betriebsrat: „Beschäftigte verschenken damit ihre Chance, wichtige Entscheidungen im Unternehmen mitzugestalten“, so der Gewerkschafter.
Gewerkschaft und Betriebsrat ziehen an einem Strang
Besonders wichtig sei das Zusammenspiel von Gewerkschaft und Betriebsrat, sagt Kissinger. Denn dort herrsche Arbeitsteilung: Während sich die Gewerkschaft für einen guten Tarifvertrag und damit für faire Löhne einsetze, sorge der Betriebsrat im Unternehmen dafür, dass die Beschäftigten tatsächlich davon profitierten. „Betriebe mit Tarifvertrag bieten deutlich bessere Arbeitsbedingungen als vergleichbare Betriebe ohne Tarifbindung. Ohne Tarifvertrag fehlt Beschäftigten rechnerisch ein volles Monatsgehalt – zudem fällt pro Jahr eine Woche Mehrarbeit an“, so Kissinger unter Verweis auf Studien des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.
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Betriebsräte gestalteten zudem die Ausbildung aktiv mit, so der NGG-Mann: „Mehr Auszubildende fürs Unternehmen und weniger Probleme bei der Ausbildung – so lässt sich das Engagement von Betriebsräten zusammenfassen, wenn es um den Nachwuchs geht.“ Außerdem helfe ein Betriebsrat, Arbeitsplätze zu sichern, wenn es im Unternehmen kriselt.
Die Lebensmittelindustrie in der Region biete zwar „in der Regel krisenfeste Jobs“. Dennoch bringe ein Betriebsrat in der Nahrungsmittelherstellung viele Vorteile: „Das fängt bei den Regeln für die Urlaubsplanung an. Auch bei der betrieblichen Weiterbildung und dem Gesundheitsschutz redet der Betriebsrat mit. Und schließlich sorgt er dafür, dass es bei Schichtplänen keine Unstimmigkeiten gibt“, erklärt Kissinger.
Betriebsräte machen Unternehmen frauenfreundlicher
Unterdessen ruft der Deutsche Gewerkschaftsbund aus Anlass des Internationalen Frauentags am Sonntag, 8. März, dazu auf, sich an den Betriebsratswahlen zu beteiligen. Janine Pollex von den DGB-Frauen in Köln wies am Donnerstag auf die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern hin. Frauen verdienten immer noch 16 Prozent weniger als Männer. Sie steckten öfter in der Teilzeitfalle fest und stießen an gläserne Decken, wenn es um Aufstiegschancen geht. Dagegen könnten Betriebsräte systematisch vorgehen, so Pollex.
Ihre Stellvertreterin Kerstin Packert, Betriebsrätin bei den Kölner Ford-Werken, hat festgestellt: „Auch in unseren Betrieben ist der Ton rauer geworden. Beschäftigte werden gegeneinander ausgespielt. Die Angriffe auf unsere Errungenschaften nehmen zu.“ Mitbestimmung mache Betriebe auch frauenfreundlicher.

