Abo

Kunststoffabfall fliegt in die DhünnaueLeverkusener Umweltamt will Autobahnabbruch prüfen

3 min

Wird die Hochstraße in der Dhünnaue schmutzig abgerissen? Das Umweltamt interessiert sich für den Fall.

Der Anblick in der Dhünnaue erschreckte nicht nur den Wiesdorfer Pfarrer, der mit seinem Fahrrad am Donnerstag die Busstraße, die Verlängerung der Nobelstraße, entlangfuhr: Dort flögen jede Menge Farbe und Metallschrott aufs Erdreich. Er meldete sich deshalb in der Redaktion des „Leverkusener Anzeiger“.

Tatsächlich ist der Anblick der Abbrucharbeiten der alten Autobahnbrücke über der Dhünn und der Aue interessant und imposant: Die alte Hochstraße A wird seit Dezember 2025 nicht mehr genutzt, die Autobahn 1 führt inzwischen in Wiesdorf über die neu gebaute Autobahnbrücke über die Dhünn. Dass man dort über eine Brücke fährt, merkt man als Autofahrer kaum wegen der Lärmschutzwände.

Seit kurzer Zeit wird die alte stählerne Hochstraße abgebrochen. Nach nur wenigen Tagen Arbeit zeigen sich große Löcher, überall liegen Stahlteile herum, auch kleine. Ein Bagger mit einer Art überdimensionaler Blechschere schneidet die Brücke in kleine Stücke. Das wäre wohl alles kein Problem – Stahl ist ungefährlich –, aber die Beschichtung der alten Hochstraße blättert ab und der Wind verteilt die Stücke auch in der Dhünnaue. Es sind klein gebrochene Farbabplatzungen, aber auch handtellergroße Plättchen, einen halben Millimeter dick.

Im Baufeld liegen die Splitter des Schutzanstrichs der alten Hochstraße A.

Im Baufeld liegen die Splitter des Schutzanstrichs der alten Hochstraße A.

Die meisten sind grün, wie die Brücke, teilweise sind sie rot. Die Farbstücke sind schwerer als Wasser. Über der Dhünn hat die Abbruchfirma ein Schutzgerüst mit einem Dach gebaut, damit keine Brocken in den Fluss fallen können. Allerdings liegen im gesamten Baufeld dicht an dicht die abgeblätterten Kunststoff-Plättchen auf dem Boden herum. Es erscheint unwahrscheinlich, dass die Kunststoffteile nicht auch vom Wind in die Dhünn verweht wurden.

Autobahn1 Abbruch der  Hochstraße A über der Dhünn. Dabei blättert der Schutzanstrich ab. Die Blätter liegen überall herum.  Bild: Ralf Krieger

Die Dhünn hat ein Schutzdach bekommen.

Große Mengen Mikroplastik wurden bis Freitag zweifelsfrei in der Dhünnaue verteilt. Ob der grüne Anstrich der alten Hochstraße A giftig ist, ist ohne weiteres nicht zu sagen. Das Umweltamt, das durch die Anfrage der Redaktion von der möglichen Verschmutzung erfahren hat, will der Sache nachgehen. Man habe Kontakt zur Autobahn GmbH aufgenommen und Unterlagen und eine Stellungnahme angefordert, teilte eine Stadtsprecherin mit. Ein Vor-Ort-Termin sei für die kommende Woche angesetzt.

Die Autobahn GmbH lieferte auf Anfrage keine Informationen. Die Analyseergebnisse bezüglich des Schutzanstrichs dürften aber schon in den Ausschreibungsunterlagen für den Abbruch festgehalten worden sein; die Ausschreibung des längst vergebenen Auftrags ist aber nicht mehr abrufbar.

Zwei Arbeiter klauben die Kunststoffteilchen auf

Auf ihrer Webseite schreibt die Abbruchfirma, die von Hochtief beauftragt wurde, dass in der „sensiblen Umgebung, einschließlich der Flusslandschaft der Dhünn, mit geschützten Arten, der benachbarten Hauptversorgungstrasse für Ferngas sowie der Nähe zum Chempark Leverkusen, höchste Sicherheits- und Umweltschutzmaßnahmen“ erforderlich seien. Sicherer Ausbau, Verpackung und fachgerechte Entsorgung aller Materialien werden versprochen, Schutzmaßnahmen wie Fallbetten, Trag- und Schutzgerüste, Staubschutz- und Prallmatten seien im Einsatz.

Autobahn1 Abbruch der Hochstraße A über der Dhünn. Dabei blättert der Schutzanstrich ab. Die Blätter liegen überall herum.

Autobahn1 Abbruch der Hochstraße A über der Dhünn. Dabei blättert der Schutzanstrich ab. Die Blätter liegen überall herum.

Der durch die schnelle Abbruchtechnik verteilte Kunststoffabfall scheint auch in der Firma als Problem gesehen zu werden: Am Donnerstag und Freitag waren zwei Arbeiter abkommandiert, um Kunststoffteilchen einzusammeln: Die Teilchen restlos wieder aufzuheben, dürfte ein Ding der Unmöglichkeit sein.

Autobahn1 Abbruch der  Hochstraße A über der Dhünn. Dabei blättert der Schutzanstrich ab. Die Blätter liegen überall herum.  Bild: Ralf Krieger

Arbeiter müssen Kunststoffteilchen einsammeln.

Beim Abbruch der etwa zur gleichen Zeit gebauten Leverkusener Rheinbrücke waren erheblich strengere Umweltschutzmaßnahmen angelegt worden: Den stählernen Hohlkasten zerschnitt man in Teile und entfernte mit einem Sandstrahler den Schutzanstrich in einem Schutzzelt. In der Ausschreibung für diesen Abbruch hieß es: „Bei der Entsorgung der Stahlbauteile der Bestandsbrücke ist zu beachten, dass alle Korrosionsschutzanstriche mit Bleimennigen ausgeführt sind.“ Mit anderen Worten: gefährlich giftig. Wie das bei der Hochstraße A ist, ist unklar.


Infoveranstaltung ohne Presse

Für Samstag, 21. Februar, 13 bis 15 Uhr, hat die Autobahn GmbH einige Anwohner eingeladen, sich im Erholungshaus bei einem Imbiss über den Baufortschritt im Kreuz Leverkusen-West zu informieren. Es scheint ein kleiner Kreis zu sein, weder Bezirksbürgermeisterin Michaela di Padova, noch Politiker aus dem Bezirk und Presse wurden eingeladen. (rar)