In Leverkusen führt der Verlust von Bäumen zu Besorgnis. Anwohner bemängeln das Fehlen einer Baumschutzsatzung und zunehmende Rodungen.
BaumverlustKlage über Kahlschlag auf privaten und auf öffentlichen Grundstücken in Leverkusen

Simone Anders steht vor dem gerodeten Grundstück im Oberfeld. Sie sagt: „Schlimm, dass wir keine Baumschutzsatzung haben.“
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Für Simone Anders war das Maß dieses Mal dann doch voll, als sie mit ihrem Hund durch die Straße Im Oberfeld spazieren ging: Dort hatte offenbar jemand ein Haus gekauft, mit einem Garten mit großen alten Bäumen. Das ehemalige Architektenhaus mit Pultdach steht noch, aber der kleine Wald wurde gerodet.
„Für die Nachbarn ist es ein Drama“, sagt Frau Anders, die mit Anwohnern gesprochen hat. „In dem Garten soll sogar ein Käuzchen gelebt haben.“ Zum Glück seien in der Umgebung nicht alle so rigoros, sagt sie. Gleich gegenüber stehen in Vorgärten noch große Bäume, ein Ahorn und sogar ein Mammutbaum.
Sie nennt mehrere Beispiele aus ihrer Umgebung, wo es in der letzten Zeit zu Verlusten an alten Bäumen gekommen sei: Am Falkenberg seien fünf mächtige Buchen für ein Fußballfeld im Garten gefällt worden; an der Burscheider Straße habe es auf zwei Grundstücken Rodungen gegeben, auf einem stand eine Rotbuche, deren Stamm seit 2024 immer noch auf dem Grundstück liege. An anderer Stelle sei ein großer Walnussbaum gefallen. Am Wasserturm in Bergisch Neukirchen seien Birken gefällt worden: Einen winzigen Strauch habe es als Ersatz gegeben.
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Schlimm ist, dass wir in Leverkusen keine Baumschutzsatzung haben, wie in anderen Städten.
Ganz aktuell seien in Opladen am Lidl an der Bonner Straße alle Bäume auf und um Gebäude und Parkplatz abgesägt worden – der Discounter baut um und macht vorher tabula rasa. Das alles müsse ja nicht immer so laufen, sagt sie, denn es gebe auch bessere Beispiele, wo alte Bestände geschont würden. „Schlimm ist, dass wir in Leverkusen keine Baumschutzsatzung haben, wie in anderen Städten“, sagt Simone Anders. Sie hat sich an den Oberbürgermeister gewandt.
Den fortschreitenden Verlust an Bäumen und Grünflächen in der Stadt spüren viele Einwohner: Straßenbäume werden oft nicht mehr ersetzt, selbst in Parks wird nicht immer nachgepflanzt. Tatsächlich scheint es auch heute – Klimawandel zum Trotz – nur eine Richtung zu geben: immer weniger.
Die Verluste sind aber auch nachweisbar: Das vom Bundesverkehrsministerium geförderte Projekt „Urban Green Eye“ macht mithilfe von Satellitendaten in interaktiven Karten sichtbar, wo Bäume weggefallen sind. Gemessen und dargestellt wird die sogenannte „Beschirmungsgrad-Änderung“ zwischen 2018 und 2024. Das ist der Verlust oder die Zunahme an großen Pflanzen, die für Schatten sorgen – und damit dem Hitzeproblem etwas entgegensetzen. Flächen, die besonders hohe Verluste an Großpflanzen hatten, werden in der Karte violett abgebildet, wo die Bäume gewachsen sind, zeigt sie grün.
Viele violette Stellen in Leverkusen
Für Leverkusen sind besonders große violettfarbene Flecken an Stellen zu finden, wo das vielleicht auch die Einwohner in ihrer Umgebung registriert haben: Entlang der Verkehrswege, zum Beispiel in Wiesdorf entlang der Dhünn an der Autobahn 1 oder am Autobahnkreuz und an den Böschungen, wo es vormals einen üppigen Bewuchs gegeben hat, den die Autobahnverwaltung aber gerodet hat. Das geschieht seit einigen Jahren aus Sicherheitsgründen, wie die Autobahn bei einer früheren Anfrage mitteilte. Allerdings wird das geschlagene Holz als Wertstoff in der Auftragssumme verrechnet, was vielleicht erklärt, weshalb der Kahlschlag oft besonders gründlich gemacht wird.

Der Lidl in Opladen
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Gerade in Leverkusen mit drei Autobahnen sind diese grünen Böschungen keine vernachlässigbare Kleinigkeit, wie die Satellitendaten zeigen. Einen Einfluss darauf hätte aber nur die Autobahn GmbH.
Auch der Bau des RRX-Gleises hat zwischen 2018 und 2024 farblich in der Verluste-Karte eine deutliche Spur abgegeben. Entlang der Eisenbahn sind in den sechs Jahren Betrachtungszeit reihenweise Bäume gefallen. Besonders gut ist auch die Trasse der Hochdruckgasleitung zu sehen. Etwa, wo sie durch Wälder gelegt wurde, neben der Waldsiedlung, aber auch in Hüscheid.
In der sogenannten grünen Lunge Bürgerbusch sind die Folgen der Hitzesommer 2018 und 2019 und der großen Borkenkäferplage in der Karte sichtbar. Der Plage sind besonders Fichtenbestände zum Opfer gefallen. Zusätzlich dazu fielen in dem privaten Forst zusätzlich besonders die großen, alten Eichen und Buchen, auch zuletzt wieder.
Eine besonders heftige Fällung in Rheindorf hat ihre Spur in der Karte der Satellitenauswertung hinterlassen: Im Februar 2019 ließ die WGL eine Vielzahl alter Bäume an der Unstrutstraße fällen – für Parkplätze.
Einige Kartenabschnitte sind auch grün gefärbt, was bedeutet, dass dort zwischen 2018 und 2024 größere Pflanzen wachsen konnten: In Wiesdorf etwa entlang der Dhünn und an einigen Stellen im Bürgerbusch.

