„Les Lumières“ und Frank Wingold spielten zusammen im Spiegelsaal Morsbroich.
NeujahrskonzertEngelsstimmen und Gitarrenklänge treffen in Leverkusen aufeinandertreffen

„Les Lumières“ nutzte die besondere Akustik im Spiegelsaal.
Copyright: Timon Brombach
Der erste Ton fällt weich in den Raum, als hätte er dort bereits gewartet. Im Spiegelsaal von Schloss Morsbroich beginnt das Jahr mit Musik, die Kontraste zulässt und am Ende zusammenführt. Der Spiegelsaal von Schloss Morsbroich zeigt sich als idealer Resonanzraum für das traditionelle Neujahrskonzert: Das „Les Lumières“-Vokalensemble nutzt diese Akustik mit sicherem Gespür. Die Stimmen steigen leicht auf, klar geführt, fast engelsgleich.
Französische Chansons prägen den Abend, von der Renaissance bis ins 20. Jahrhundert, klanglich präzise und zugleich warm. Auch ohne perfekte Französischkenntnisse erschließt sich der musikalische Sinn unmittelbar. Die Sängerinnen und Sänger stehen hörbar miteinander in Verbindung, ihre Einsätze wirken selbstverständlich.

Frank Wingolds Spiel ist voller Details.
Copyright: Timon Brombach
Der Wechsel zur Gitarre setzt einen markanten Kontrast. Frank Wingold sitzt allein mit seiner siebensaitigen Gitarre und öffnet eine andere Klangwelt. Sein Spiel ist speziell, suchend, voller Details. Mit Röhren und metallischen Hilfsmitteln am Gitarrenhals formt er Töne, die gleiten, knistern, schweben. Die Improvisationen wirken wie tastende Gedanken, die sich im Raum entfalten. Währenddessen reagiert der Chor sichtbar: Blicke, Lächeln, ein kurzes Zunicken. Man spürt ein stilles Mitgehen, ein gemeinsames Hören. Wenn Wingold später augenzwinkernd „Excuse My French“ anstimmt, liegt ein feiner Humor über dem Saal. Am Ende kommt der Wechsel zu Englisch mit „My Shining Hour“ und vor allem wird zum Schluss gemeinsam musiziert – nicht mehr im Wechsel.
Über weite Strecken stehen Gesang und Gitarre nebeneinander, bewusst getrennt, spannungsvoll. Umso stärker wirkt der Moment, in dem sie zusammenfinden. Chor und Gitarre verschränken sich, Harmonien entstehen, die den Abend bündeln. Kontraste aufheben. Hier zeigt sich ein Thema dieses Konzerts: Vielfalt und Einigkeit als klingende Erfahrung. Der ausverkaufte Saal bestätigt diese Idee, auch wenn einzelne Plätze leer bleiben. Georg Thomanek, ehemaliges Grünen-Ratsmitglied, hat an diesem Tag erstmals als Konzertdramaturg der Stadt Leverkusen begrüßt. Ein Anfang, der zeigt, wie Unterschiede tragen können, wenn sie sich zuhören.

