Rachmaninow und Tschaikowski lagen am späten Silvesternachmittag auf den Notenpulten der Bayer Philharmoniker.
Silvesterkonzert der Bayer PhilharmonikerPublikum in Leverkusen steht schon nach dem ersten Stück

Solist Raphael Gisbertz spielte die Carlo-Giuseppe-Testore-Violine aus dem Jahr 1700.
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Wenn ein klassisches Orchester ein Werk auflegt, das mehr als eine Stunde dauert, dann ist das nicht nur für die Musikerinnen und Musiker eine Herausforderung. Das weiß natürlich auch Jesús Ortega Martinez, der Dirigent der Bayer Philharmoniker. Mit Sergei Rachmaninows zweiter Sinfonie hatte er es trotzdem gewagt, und die Reaktion der Zuschauerinnen und Zuschauer des Silvesterkonzerts des Orchesters im Forum gab ihm recht: Sie waren begeistert.
Dabei, so berichtete der Dirigent in seiner Ansage für das Stück, das den zweiten Teil des Konzerts bildete, sei es zu dieser Sinfonie fast gar nicht gekommen. Beziehungsweise zu keinem einzigen weiteren Werk von Rachmaninow nach seiner ersten Sinfonie. Die habe der damalige Dirigent, 1906 im Moskauer Bolschoi-Theater, weil er betrunken war, nämlich so vermasselt, dass der junge Rachmaninow fast aufgegeben hätte. Hat er dann aber doch nicht, was für ein Glücksfall.
Rachmaninows Zweite ist ein gewaltiges Werk. „Komplex“ nennt der Dirigent das Stück selbst, wie eine große Reise. Jesús Ortega Martinez verbindet auch persönlich etwas mit der Musik. Denn in dieses Stück, so sagt er im Gespräch mit dem „Leverkusener Anzeiger“, habe er sich als Teenager verliebt. Er selbst habe die Sinfonie im vergangenen März selbst zum ersten Mal dirigiert, und nun an Silvester zum zweiten Mal mit den Bayer Philharmonikern. Und auf die sei er „megastolz“.
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Dem Dirigenten Jesús Ortega Martínez lagen die beiden Stücken besonders am Herzen.
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Erst recht, weil die Probenzeit für so ein Silvesterkonzert am Jahresende immer recht knapp sein, berichtet er. Besonders in diesem Jahr, das für die Bayer Philharmoniker ein recht konzertreiches gewesen sei. Es hat trotzdem geklappt und das honorieren die Zuschauerinnen und Zuschauer im Saal – so, wie es sich gehört: mit tosendem Beifall und indem sie für die Musikerinnen und Musiker von ihren Plätzen aufstehen.
Das geschieht auch schon nach dem ersten Stück des Abends vor der Pause, dem Violinkonzert in D-Dur (op. 35) von Pjotr Iljitsch Tschaikowski. Und das hängt ganz sicher auch mit dem Solisten zusammen: dem erst 17-jährigen Raphael Gisbertz an der Violine. Übrigens nicht an irgendeiner Violine, sondern an der Carlo Giuseppe Testore aus dem Jahr 1700, zur Verfügung gestellt von der Deutschen Stiftung Musikleben.
Tschaikowski und Martinez – das passt
„Exzellent, wirklich wundervoll“ habe der junge Ausnahmegeiger gespielt, lobt ihn der Dirigent der Bayer Philharmoniker überschwänglich. Und dass dieses Stück auf den Notenpulten seines Orchesters gelandet ist, hat laut Jesús Ortega Martinez wie auch bei Rachmaninow eine persönliche Note. Denn der Dirigent ist selbst studierter klassischer Gitarrist, also ein Musiker, der im Orchester nicht zwangsläufig zu Hause ist.
Aber schon im Studium habe er eine Routine gehabt: Nachdem er sich den Tag über mit der Gitarre beschäftigt hätte, habe er sich jeden Abend eine Stunde der Orchestermusik gewidmet. Nur für sich, an jedem Abend einem anderen Werk. Und dabei habe sich Tschaikowskis Violinkonzert als eines seiner Lieblingsstücke herausgestellt. „Ich konnte das quasi auswendig, besonders den ersten Satz“, erinnert sich der Musiker.

Volles Haus und ein begeistertes Publikum schon nach dem ersten Stück: Die Bayer Philharmoniker freuen sich über ein gelungenes Silvesterkonzert.
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Dass er und die Bayer Philharmoniker am Silvestervorabend vor ausverkauftem Haus ein solches Programm bestreiten können, sieht er als „Signal“ dafür, dass das Leverkusener Publikum Vertrauen in sein Orchester habe. Dass es nicht gefällige Märsche oder Polkas sein müssen, sondern eben auch zwei solche große, komplexen Werke.
Die Bayer Philharmoniker spielen das nächste Mal am 21. Februar, 19.30 Uhr, im Forum. Auf dem Programm steht eine Europapremiere von Martin Palmeris Requiem. Palmeri ist Argentinier und verbindet laut Jesús Ortega Martinez südamerikanischen Tango mit westlicher Requiem-Tradition. Dabei spielt er selbst Klavier. Eigentlich sollte die Aufführung der Bayer Philharmoniker die erste des Stücks weltweit sein. Nach dem Tod von Papst Franziskus zog der Komponist die Weltpremiere aber vor und spielte sein Requiem zum ersten Mal in Buenos Aires. Jetzt kommt das Stück aber zum ersten Mal nach Europa.

