Der „Synodale Weg“ der Bischöfe und Laien in Deutschland hat sich beim Zieleinlauf verheddert. Lockerungen bei Sexualmoral und Zölibatspflicht oder die Frauenweihe sind weiter nicht in Sicht. Das hat mehrere Gründe.
Katholische KirchePapst Leo XIV. macht keine Anstalten für Bewegung in Fragen der Lehre


Papst Leo XIV. spricht zu den Gläubigen auf dem Petersplatz im Vatikan
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Bestimmt ist es eine höhere Form der Schwarmintelligenz oder – auf Katholisch – das Wirken des Heiligen Geistes, dass der „Synodale Weg“ nicht mit einem furiosen Zieleinlauf zu Ende gegangen ist. Nach sechs Jahren gemeinsamen Bemühens um Reformen der katholischen Kirche in Deutschland haben sich Bischöfe und Laien in ihrer sechsten und letzten Synodalversammlung in Stuttgart streckenweise noch einmal – typisch deutsch – in Verfahrensfragen verheddert. Quotierungen für ein künftiges, noch nicht einmal eingerichtetes Beratungsgremium auf nationaler Ebene schienen dringlicher als eine kraftvolle Schlussbotschaft mit „Zeichen der Hoffnung“, an denen vor allem den Bischöfen sehr gelegen war.
Doch an ihrer Zustimmung wäre um ein Haar die im Grunde banale Vereinbarung gescheitert, Reformvorhaben auf Ebene der Bistümer weiterzuverfolgen und an den Beschlüssen des Synodalen Wegs zu messen. Eine „Oberinstanz, die mich als Bischof dauernd kontrolliert – nein, das will ich nicht“, polterte ausgerechnet der Münchner Kardinal Reinhard Marx, der den Synodalen Weg 2019 als Vorsitzender der Bischofskonferenz selbst angestoßen hatte. Nicht nur solche Momente zeigen: Für den viel beschworenen „Kulturwandel“ hin zu mehr Teilhabe, Transparenz, Begrenzung und Kontrolle klerikaler Macht muss die Kirche noch eine lange Strecke zurücklegen. Zielmarken und Tempo werden allerdings weniger in Deutschland bestimmt. Auf der langen Liste mit unerledigten Aufträgen des Synodalen Wegs müsste hinter fast jedem Posten der Vermerk stehen „an Rom gescheitert“, „von Rom verhindert“, „in Rom nicht gewollt“.
Ob Veränderungen der Sexualmoral, eine Lockerung der Zölibatspflicht für Priester oder gar die Öffnung der Weiheämter für Frauen – nichts davon hat eine Chance. In seinen wenigen programmatischen Aussagen hat der neue Papst Leo XIV. keinerlei Anstalten für Bewegung gemacht. Bezeichnend auch, dass der Vatikan nicht einmal dem Ruf nach einer Verwaltungsgerichtsbarkeit stattgab, die das Handeln der kirchlichen Obrigkeiten vor Ort kontrollierbar und rechtlich überprüfbar gemacht hätte. Und kein deutscher Bischof ist bereit, in seinem Bistum kraft eigener Autorität Fakten zu schaffen.
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Am Ende sitzt Rom am längeren Hebel
Am Ende, das wissen sie alle, sitzt Rom am längeren Hebel. Deshalb haben diejenigen Oberwasser, die der „Opulenz der Macht“ (so die Co-Präsidentin des Synodalen Wegs, Irme Stetter-Karp) und ihrem aus der Zeit gefallenen Byzantinismus mit größtmöglicher Geschmeidigkeit zu begegnen wissen. Entsprechend groß fallen nach sechs Jahren Frust und Enttäuschung vieler Synodaler aus, besonders der weiblichen. An der Kirchenbasis ist der Synodale Weg ohnehin weitgehend versandet, als ein Projekt von Kirchenfunktionären oder – mit einem Wort des verstorbenen Papstes Franziskus – theologischen Eliten.
Dabei kann der Synodale Weg durchaus Erfolge verbuchen. Segensfeiern für homosexuelle Paare mögen symbolischen Charakter haben – sie stehen damit aber für die wachsende Einsicht, dass die Kirche sich ändern muss, wenn sie für das Leben der Menschen von Bedeutung bleiben will. Das ist auch bei vielen Bischöfen angekommen. Wer – wie der Kölner Kardinal Rainer Woelki – in absolutistischer Manier auf göttliche Vollmachten pocht, manövriert sich persönlich immer weiter ins Abseits und setzt sich auch institutionell ins Unrecht.
Dass der Kampf gegen die strukturellen Ursachen sexuellen Missbrauchs und die Aufarbeitung dieses himmelschreienden Skandals – 2019 der auslösende Impuls für den Synodalen Weg – in der Kirche weitergehen müssen, ist ebenfalls fest in den Köpfen. Dafür haben nicht zuletzt die Betroffenenvertreter gesorgt. Beharrliches Mahnen und schmerzhafte Kritik müssen Stolpersteine und Schlaglöcher auf einem Weg der Reform bleiben, der mit dem Synodalen Weg nicht zu Ende ist.


