Das Gebäude ist architektonisch anspruchsvoll umgebaut, am Mittwoch ziehen erste Bewohner ein.
Thomas MorusLeverkusener Kirche wird zum Zuhause für Menschen, die keines haben

Von außen ist die ehemalige Kirche Thomas Morus kaum verändert.
Copyright: Stefanie Schmidt
Leverkusen hat einen zweiten ehemaligen Kirchenbau, der ein architektonisch und sozial höchst wertvolles zweites Leben bekommen hat. Nach der Kita, die 2024 in der ehemaligen evangelischen Johanneskirche in Manfort eröffnet wurde, hat jetzt die katholische Kirche nachgezogen. Im Schlebuscher Kirchengebäude St. Thomas Morus ziehen nach aufwändigem Umbau am Mittwoch ehemals obdachlose Menschen ein.

Eines der WG-Zimmer.
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„Das hier ist ein Zeichen, wie Denkmalschutz, soziale Verantwortung und moderne Architektur zusammenfinden“, sagt Stadt-Caritasdirektor Carsten Wellbrock beim Empfang im ehemaligen Pfarrsaal, der jetzt ein für die Nachbarschaft offener Quartierstreff ist. „Ich habe den Prozess lange begleitet, aber erst vor Kurzem wurde mir wirklich bewusst, was hier entstanden ist: Die Möglichkeit eines Zuhauses“, ergänzt Laurent Teubl, Einrichtungsleiter der Caritas. Ein Zuhause stehe immer auch für Vertrauen und Sicherheit.

Mischung aus moderner, behindertengerechter Architektur und historischen Kirchenmauern.
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Insgesamt gibt es innerhalb der rundlichen Kirchenmauern drei separate Wohngemeinschaften, zwei mit jeweils sechs Zimmern und gemeinsamem Wohn-Ess-Bereich und eine für drei Bewohner. Im ersten Schritt ziehen in jede der Wohneinheiten am kommenden Mittwoch je drei Bewohner ein. Sie kommen aus dem Schlebuscher Haus Gezelinus, wo auch Jonas Freimuth als dualer Student arbeitet und nun in das neue Haus wechselt: „Das ist natürlich eine tolle Möglichkeit, in so einer schönen Einrichtung etwas Neues aufzubauen.“
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Stadtdechant Heinz-Peter Teller segnet die Räume ein, rechts Einrichtungsleiter Laurent Teubl.
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Grundsätzlich sind die WGs auf Selbstversorgung ausgelegt, die Bewohner sollten grundsätzlich dazu in der Lage sein. Tagsüber ist aber auch ein Betreuungsdienst unterstützend vor Ort. Erster Anlaufpunkt für wohnungslose Menschen, die Unterstützung suchen, sei der Tagestreff in Wiesdorf, sagt Freimuth.

Der Beichtstuhl inklusive Gitter ist erhalten geblieben, die Türen wurden entfernt.
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Bevor die ersten Bewohner einziehen, segnet Heinz-Peter Teller die neuen Räume, die durch eine spannende Mischung aus Historie und Moderne überzeugen. An vielen Stellen sind die roten Backsteine der alten Kirchenmauern und Buntglasfenster auch im Inneren zu sehen. Der ehemalige Altarraum ist die zentrale Lichtquelle. Altar und Glocken wurden an andere Kirchen abgegeben, aber der Beichtstuhl steht noch: „Für Mitarbeitergespräche“, scherzt Thorsten Woelki von der Caritas-Zentralverwaltung bei der Führung. Ein Innenhof ist durch hohe Kirchenmauern vor Blicken von außen geschützt. „Es soll ein Ort der Ruhe und Sicherheit sein“, sagt Wellbrock.

Der Innenhof ist von Kirchenmauern umgeben.
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Außerdem sind im angeschlossenen Nebengebäude, in dem ehemals Gruppenräume der Kirchengemeinde waren, zwei Ein-Zimmer-Mietwohnungen entstanden. Diese sind unabhängig von den betreuten WGs und können von Inhabern eines Wohnberechtigungsscheins angemietet werden.
Genau zehn Jahre, nachdem im Januar 2016 während eines Sternsingergottesdienstes ein tragender Dachbalken brach und die Kirche sofort geschlossen werden musste, wird Thomas Morus nun wieder mit Leben gefüllt. Und gibt ein weiteres gutes Beispiel dafür, wie historische Gebäude auf schöne und sinnvolle Weise eine neue Zukunft bekommen können.
Die Gemeinde St. Thomas Morus wurde 1958 gegründet, der Kirchenbau 1959 begonnen und 1962 eingeweiht. Seit 1996 stand das Gebäude von Architekt Erwin Schiffer unter Denkmalschutz. Anfang 2016 veränderte ein dramatischer Moment alles: Während eines Gottesdienstes brach ein tragender Dachbalken. Die Kirche wurde sofort geschlossen, der Bau galt als einsturzgefährdet.
Das Erzbistum Köln stellte klar, dass keine Kirchensteuermittel für eine Sanierung zur Verfügung stehen würden. Die Gemeinde St. Thomas Morus wurde aufgelöst - inklusive der Glocken - nach St. Andreas umzogen. Für Thomas Morus wurde ein Erbbaurechtsvertrag geschlossen: Die Caritas übernahm das Gotteshaus, um es zu einer sozialen Wohneinrichtung umzubauen. Umgesetzt wurde das ambitionierte Projekt vom Büro Kollbach Bansi. Nach Abstimmung mit der Denkmalbehörde und dem Landesbauministerium begannen die Umbauarbeiten 2024.
Die Gesamtkosten von rund 5,2 Millionen Euro tragen unter anderem die Wohnungsbauförderung, die Stiftung Wohlfahrtspflege, Aktion Mensch, der Caritas-Fonds, der Stiftungsfonds Köln, die Hofmann-Stiftung, eine Erbschaft sowie Eigenmittel. (stes)

