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Anmeldungen sogar aus New YorkAnsturm auf den Kölner Zentral-Dombau-Verein

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05.03.2026, Nordrhein-Westfalen, Köln: Touristen fotografieren den Kölner Dom. Der Kölner Dom wird Touristen in Zukunft Eintritt kosten. Damit sollen die gestiegenen Kosten für Pflege, Schutz und den laufenden Betrieb des Doms gedeckt werden, wie das Domkapitel auf einer Pressekonferenz mitteilte Foto: Henning Kaiser/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Eintritt für den Kölner Dom? Seit der Ankündigung haben sich mehr als 500 Menschen beim Zentral-Dombau-Verein angemeldet.

Mehr als 500 Eintritte hat es in der Woche nach Ankündigung einer „touristischen Besichtigungsgebühr“ für den Dom gegeben.

„I was in the queue“ – Ich war in der Schlange. Mit einem eigenen T-Shirt konnten Fans der britischen Organistin Anna Lapwood im vorigen Sommer bekunden, dass sie – zum großen Teil vergeblich – versucht hatten, einen Platz für eines der beiden Konzerte Lapwoods am 15. Juli im Kölner Dom zu ergattern.

Der Zentral-Dombau-Verein (ZDV) ist vielleicht nicht ganz so kultig wie die 30 Jahre alte Musikerin. Aber seitdem das Domkapitel vor einer Woche bekanntgab, künftig ein Eintrittsgeld für die Kathedrale zu verlangen, hat ein durchaus vergleichbarer Ansturm auf die Mitgliedschaft in der altehrwürdigen Institution eingesetzt. Katja Bergerhoff, die Rendantin (Verwalterin) des ZDV, berichtet von unentwegtem Klingeln ihres Telefons. Inzwischen hätten sich mehr als 500 Menschen neu angemeldet.

Erwiesene Förderer des Doms

Der Verein, 1842 als Unterstützer für den Weiterbau der unvollendeten gotischen Kathedrale gegründet und bis heute wichtigster Geldgeber für den Bauerhalt, nähert sich damit in Windeseile der magischen Marke von 20.000 Mitgliedern, die Präsidentin Barbara Schock-Werner im Laufe dieses Jahres erreichen wollte.

Die Ex-Dombaumeisterin, die sich in Sachen Marketing für den Dom hinter Anna Lapwood und ihrem Sinn für öffentlichkeitswirksames Auftreten kaum zu verstecken braucht, münzt die – wie sie selbst sagt – „sehr, sehr bedauerliche Entscheidung“ gegen den kostenlosen Eintritt in den Dom in eine Werbeaktion für den ZDV und seine Belange um: Mitglieder des Vereins sollen als erwiesene Förderer des Doms auch künftig freien Zugang zu allen Bereichen der Kathedrale haben, einschließlich Turmbesteigung und Schatzkammer. Die Jahresgebühr von mindestens 20 Euro bezeichnet Schock-Werner deshalb als „Flatrate für den Dom“, den geplanten neuen Mitgliederausweis als „Jahreskarte“.

Viele Förderer aus Köln und der Region

Wie Katja Bergerhoff berichtet, kommen ungefähr zwei Drittel der Neumitglieder aus dem Postleitzahlbereich 5, der über Köln hinaus auch das Umland umfasst und im Süden bis Trier und Mainz, im Nordosten bis nach Soest reicht. Der Schwerpunkt liege aber tatsächlich bei Menschen aus Köln und der Region. Immerhin ein weiteres Drittel der Neumitglieder stammt aus dem gesamten Bundesgebiet, aus Bayern ebenso wie aus Berlin, und einen Eintritt hat der ZDV sogar aus New York zu verzeichnen. „Das sind, soweit wir es erkennen können, versprengte Kölnerinnen und Kölner, die gelegentlich ihre Familien im Rheinland besuchen und dann ganz selbstverständlich auch in den Dom gehen wollen.“

Bei einem kleinen Teil der jetzt neu Eingetretenen, Bergerhoff spricht von drei Prozent, handelt es sich um die Partnerinnen oder Partner langjähriger Mitglieder, die das Engagement für den ZDV schon immer gemeinsam getragen hätten, aber bisher nicht als eigene Förderin oder Förderer aufgetreten seien. „Jetzt geben sie sich aufgrund des avisierten Eintritts in den Dom zu erkennen.“

Im Gegensatz zu früheren Eintrittswellen, wie es sie zur 175-Jahr-Feier der ZDV-Gründung 2017 oder auch ein Jahr später nach einer Sonderveröffentlichung im „Kölner Stadt-Anzeiger“ über die Arbeit des ZDV und der Dombauhütte gab, beließen es im Moment zwei Drittel der Neumitglieder beim Mindestbeitrag von 20 Euro. Ausreißer nach oben seien derzeit eher selten. Die höchste freiwillige Aufstockung beläuft sich nach ZDV-Angaben auf 500 Euro pro Jahr. Natürlich, sagt Barbara Schock-Werner, könnte der ZDV dem Vereinszweck, der Mitfinanzierung der Dombauhütte, mit einer Zahlung von jährlich mehr als vier Millionen Euro nicht nachkommen, wenn alle knapp 20.000 Mitglieder nur 20 Euro gäben.

Trotzdem sei diese Summe an sich in Ordnung: „Es war immer ZDV-Politik, eine sehr niedrige Mindestgebühr zu nehmen. Die kann sich jeder und jede leisten.“ Größere Summen erhält der ZDV dann von finanzkräftigen Mitgliedern, durch Spenden, Patenschaften und auch durch Nachlässe. Manch ein Anrufer, erzählt Bergerhoff, habe in den vergangenen Tagen gefragt: „Wie viel Geld braucht ihr denn? Wie viel soll ich geben?“ Darauf hat die ZDV-Rendantin eine fast orakelhafte Auskunft von Schock-Werners Vorgänger Michael Hoffmann parat: Ein jeder zu seiner Zeit und nach seinen Möglichkeiten.