ZDV-Präsidentin Barbara Schock-Werner ist mit der Deutung des Mitgliedsbeitrags als Flatrate nicht vollends glücklich.
Neue EintrittsregelungSchnäppchen-Tage und Ausnahmeregelungen für den Kölner Dom

Der Dom ist am Morgen durch ein Geländer gesehen angestrahlt.
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Es gibt diesen Moment, an dem bei den Verantwortlichen für den Kölner Dom ein grimmiger Stolz durchbricht und das Selbstbewusstsein, für die Besichtigung eines Bauwerks von diesem Rang – Weltkulturerbe immerhin – ruhig etwas Geld nehmen zu dürfen. „Im Ernst“, sagt Domrendant Clemens van de Ven, „was bekommen Sie für 12 Euro an Gegenwert?“ Ganz klar: ein „architektonisches Juwel“ (Dombaumeister Peter Füssenich), das seinesgleichen sucht. Van de Ven, Chef der Finanzverwaltung des Doms, rattert vergleichend die Eintrittspreise für andere Kölner Touristen-Magnete herunter – offenbar bewusst aus sehr unterschiedlichen Interessengebieten. Das Schokoladenmuseum: 17,50 Euro für Erwachsene an Werktagen, 19 Euro an Wochenenden und Feiertagen. Das Museum Ludwig: Reguläres Ticket für 19,80 Euro. Eine Stunde Panorama-Schifffahrt mit der Köln-Düsseldorfer auf dem Rhein: 20 Euro.
Eintrittspreis für den Kölner Dom – Domkapitel wirbt um Verständnis
Da sind – das ist die Botschaft – 12 Euro für den Dominnenraum doch wirklich nicht zu viel verlangt. Und beim Komplettpaket zum Gesamtpreis von 24 Euro kommen mit Turmbesteigung und Schatzkammer ja noch zwei Attraktionen hinzu, die anderswo jedenfalls nicht günstiger zu haben wären. Mit solchen Überlegungen versuchen Domrendant, Dombaumeister und Dompropst Guido Assmann als Hausherr aber gar nicht erst aufzutrumpfen. Insgesamt fällt der Tenor ihrer Erläuterungen zum neuen Ticket-System betont defensiv aus – bemüht, um Verständnis zu werben, erwartbare Kritik zu dämpfen und vielfältiges Entgegenkommen zu dokumentieren. Man habe versucht, gut hinzuhören, sagt Assmann.
Dazu hatten seine Mitbrüder und er reichlich Gelegenheit, seit sie vor einem Vierteljahr mit einer „touristischen Besichtigungsgebühr“ für den Dom um die Ecke kamen. Assmann erzählt unter anderem von einem Beitrag aus dem Publikum bei „frank&frei“, der Talkreihe des „Kölner Stadt-Anzeiger“, wo er im April mit Ex-Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner diskutierte: „Denken Sie an die Kinder, denken Sie an die Familien!“, habe ihm ein Vater ans Herz gelegt.
Eintritt Kölner Dom: Welche Ausnahmen gelten
Mission accomplished, Auftrag erfüllt: Kinder bis 13 dürfen auch künftig umsonst in den Dom, und sie haben vom 1. Juli an neuerdings auch den Besuch der Schatzkammer und – für Kinder die ungleich größere Attraktion – die Turmbesteigung frei. Das sei gut für Familien und Alleinerziehende, sagt Assmann und zählt auch Grundschulklassen oder Erstkommuniongruppen auf, die mit ihren Begleitpersonen ohne Bezahlung in den Dom dürfen. „Sozial“ ist einer der Begriffe, den Assmann und seine Mitstreiter bei der Vorstellung des Ticket-Systems am häufigsten verwenden. Halber Preis für Schwerbehinderte – sozial. Halber Preis für Menschen nicht nur aus Köln, sondern aus ganz Nordrhein-Westfalen, die von ihrer Kommune einen Sozialpass ausgestellt bekommen haben – auch das (wie der Name schon sagt) sozial.
Und dann sind da auch noch die Schnäppchen-Tage, die natürlich nicht so heißen, sondern als „liturgisch geprägte Zeiten“ firmieren: Vom 6. Januar, dem Fest der Heiligen Drei Könige, bis zum folgenden Sonntag ist der Eintritt in den Dom für alle frei. Genauso zur Dreikönigswallfahrt im September und zur „langen Nacht der Kirchen“ in Köln. Aber auch am Maifeiertag (1. Mai) und am Tag der deutschen Einheit (3. Oktober) als staatlichen Feiertagen sollen die Menschen nicht nur in den Genuss eines arbeitsfreien Tages kommen, sondern auch den Segen eines kostenlosen Eintritts in den Dom mitnehmen können. Es gebe, sagt Assmann, zu diesen beiden Gelegenheiten kein „ausführliches Gottesdienstangebot“ im Dom. Aber man wisse um die „Ausflugsmöglichkeit“, die beide Tage böten. Wer aus dem Umland nach Köln komme, könne dort ohne Ticket in den Dom. ZDV-Mitglieder ohne Eintrittsgeld
Bleiben noch die Mitglieder des Zentral-Dombau-Vereins (ZDV). 1842 als Bürgerinitiative für die Vollendung des 1248 begonnenen Dombaus gegründet, ist der ZDV bis heute die Institution in Sachen Bauerhalt. 60 Prozent der dafür anfallenden Kosten deckt der von Ex-Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner geführte Verein. „Ohne den ZDV könnten wir einpacken“, sagt Schock-Werners Nachfolger, Dombaumeister Peter Füssenich.
ZDV-Präsidentin Schock-Werner nicht glücklich mit „Flatrate“-Gedanken
An der kategorisch formulierten Bedingung der ZDV-Präsidentin konnte und wollte das Domkapitel nicht vorbei: Freier Zugang zu allen Bereichen des Doms für ZDV-Mitglieder. Schließlich leisteten sie ihren speziellen Beitrag dazu, dass „der Dom uns bleibt“ – uns allen, den Kölnerinnen und Kölnern, den Menschen aus der Region und aus aller Welt. Nur folgerichtig, dass die geringe Jahresgebühr von 20 Euro für die ZDV-Mitgliedschaft zu Rechenspielen Anlass gibt: Zweimal in den Dom zwischen Januar und Dezember – und schon ist das Geld amortisiert. Eigentlich ein nicht zu toppendes Werbe-Argument. Noch bevor das Domkapitel die Ticketpreise festlegte, hat ein Run auf den ZDV eingesetzt – mehrere Tausend Neumitglieder innerhalb von drei Monaten.
Mit dem „Flatrate“-Gedanken ist ZDV-Präsidentin Schock-Werner allerdings nicht vollends glücklich. Denn bisher gaben sehr viele der nach letzten Angaben 21.000 ZDV-Mitglieder mehr als den Mindestbeitrag, mit dem allein der ZDV – auch das ist ein schnelles Rechenexempel – nie und nimmer auf die 4,3 Millionen Euro käme, die Jahr für Jahr an die Dombauhütte fließen. Eine uneingeschränkte „Empfehlung“ für die Mitgliedschaft spricht denn auch Dompropst Assmann aus – aber unabhängig vom Eintrittsgeld für den Dom. „Die 20 Euro sind ein Einstieg.“ Aber der Eintritt zum Mindestbeitrag helfe „weder dem Dom noch dem ZDV“, sondern sei nur Kosmetik für die Mitgliederstatistik.
Ein Herzensanliegen ist den Dom-Gewaltigen nach eigenem Bekunden in der ganzen Diskussion über Eintrittsgelder, Baukosten und Finanzierungslücken, dass der Dom bleibt, was er war und ist: Gotteshaus, Ort des Gebets und der Gottesdienste. Ohne Eintritt ist das im Nordquerhaus weiter möglich. Sorgen, es könnte als frommes Reservat zu klein werden, teilt Assmann nicht. Schließlich sei selbst dieses begrenzte Areal des Doms größer als manche Kirche des Erzbistums.
Im ganzen Dom, hebt Dombaumeister Füssenich hervor, werde es für die zahlenden Besucher kein Wegeleitsystem geben. Alle können sich überall frei bewegen – solange sie wollen. Spezielle Zeit-Slots brauche es nicht . Erstens sei der Dom groß genug. Zweitens wolle man jede museale Anmutung vermeiden. Und überhaupt, sinniert der Dompropst: Wer sagt denn, dass nicht auch Menschen, die für den Zutritt zum Dom bezahlt haben, von der Erhabenheit und Schönheit des Raums ergriffen werden – und übers Staunen ins Beten geraten.
