Ein Eintrittsgeld für den Kölner Dom von regulär 12 Euro soll ein Millionendefizit im Haushalt der Kathedrale ausgleichen.
„Muss nicht-kommerzielle Räume geben“ZDV-Präsidentin übt Kritik am Eintrittspreis für den Kölner Dom

Blick in den Innenraum des Kölner Doms.
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Für die Besichtigung des Kölner Doms müssen Besucherinnen und Besucher ab dem 1. Juli Eintritt zahlen. Diese Entscheidung des für die Kathedrale verantwortlichen Domkapitels gab Dompropst Guido Assmann am Dienstag, 2. Juni, im Rahmen einer Pressekonferenz bekannt. Das Vollpreisticket soll 12 Euro kosten. Ermäßigten Eintritt zu 6 Euro erhalten Schüler ab 14 Jahren, Auszubildende und Studierende, Begleitpersonen von Schülergruppen sowie alle Inhaber eines in Nordrhein-Westfalen ausgestellten Sozialpasses. Kostenlos bleibt der Zugang für Kinder bis 13, Schwerbehinderte mit je einer Begleitperson sowie die Mitglieder des Zentral-Dombau-Vereins (ZDV). Die Maßnahme sei notwendig, um Erhalt, Pflege, Schutz und laufenden Betrieb zu sichern, erklärte Assmann.
Von der Zahlungspflicht ausgenommen sind Gottesdienstbesucher, Betende und Menschen, die zur Besinnung im Dom verweilen möchten. Für sie ist künftig das zum Hauptbahnhof hin gelegene nördliche Querhaus des Doms reserviert. Dort hat die berühmte Schmuckmadonna ihren Platz, vor der besonders viele Menschen eine Votivkerze anzünden. „Der Dom ist in erster Linie Gotteshaus“, betonte Assmann. Dass die Menschen ihn aufsuchten, um zu beten oder auch nur kurz innezuhalten und eine Kerze anzuzünden, „ist unser eigenes Anliegen. Ich verspreche gern, dass das weiter möglich sein wird, ohne zu zahlen.“ Um Touristen von Menschen mit geistlichem Anliegen zu unterscheiden, werde es – wie bisher – „keine Gesinnungsprüfung“ geben, versicherte Assmann.
Tickets für den Kölner Dom im Online-Verkauf
Der Online-Verkauf der Tickets soll am 15. Juni starten. Die Buchung auf der Webseite des Doms ist drei Monate im Voraus möglich. Pro Vorgang können bis zu neun Tickets erworben werden. Auch vor Ort sind Karten erhältlich. Rund um den Dom sollen QR-Codes zum Scannen mit mobilen Endgeräten angebracht werden. Im Kurienhaus an der Südostecke des Roncalli-Platzes soll in den Räumen der ehemaligen Köselschen Buchhandlung ein stationärer Ticket-Shop entstehen, wie Dombaumeister Peter Füssenich erläuterte. Die Höhe der Einnahmen aus dem Ticketverkauf lasse sich nur schwer vorhersagen, sagte Domrendant (Finanzverwalter) Clemens van de Ven. Auch der Umfang des – zu erwartenden – Rückgangs bei den Besucherzahlen nach der Einführung des Bezahlsystems sei kaum kalkulierbar, so van de Ven.
Bisher verzeichnet der Dom, das am stärksten frequentierte Baudenkmal Deutschlands, eine Besucherzahl von sechs Millionen pro Jahr. Das Preisgefüge sei darauf angelegt, mit den Einnahmen aus dem Eintrittsgeld zunächst das prognostizierte Defizit im Dom-Etat von vier Millionen Euro für 2026 zu decken. Aufs Jahr gerechnet, entspricht das erwarteten Einnahmen von 8 Millionen Euro. Füssenich sagte, er gehe davon aus, dass die meisten Fernreisenden auf Besuch in Köln bereit seien, ein Ticket für den Dom zu kaufen, um ihn dann zur Gänze sehen zu können. Bei den zahlenden Besuchern kalkuliere man mit 40 Prozent Eintrittskarten zum vollen Preis und 60 Prozent ermäßigten Tickets – also einem Durchschnittserlös zwischen 8 und 9 Euro. Daraus wiederum ergibt sich die Erwartung, dass künftig rund 950.000 Personen ein Ticket kaufen werden.
ZDV-Präsidentin übt Kritik an Eintrittsgeld für Kölner Dom
ZDV-Präsidentin Barbara Schock-Werner bewertete die Preisstufung als sehr teuer. „Ich befürchte, dass die Besucherzahlen einbrechen werden“, sagte die Ex-Dombaumeisterin dieser Redaktion. „Auch wenn ich die Zwänge des Domkapitels sehe, bleibe ich bei meiner grundsätzlichen Kritik an einem Eintrittsgeld für den Dom: Es muss nicht-kommerzielle Räume geben.“
Die laufenden Kosten für Bauerhalt und Betrieb des Doms veranschlagt van de Ven mit 16 Millionen Euro im Jahr – oder täglich rund 44.000 Euro. Den Löwenanteil machen Löhne und Gehälter insbesondere für die 170 Beschäftigten aus.
Größter Geldgeber ist der ZDV mit 4,3 Millionen Euro (alle Zahlen: Bilanz 2024). Das Erzbistum steuert für Bauerhalt und Betrieb 2,7 Millionen bei. Vom Land NRW kommen 1,11 Millionen Euro, von der Stadt Köln 200.000 Euro. Der Dom selbst, der formal ein eigener Rechtsträger ist, kommt unter anderem mit Eintrittsgeldern (Turmbesteigung, Schatzkammer), Kollekten, Spenden und Mieterträgen auf 5,6 Millionen Euro. Zwischen Einnahmen und Ausgaben klafft seit Jahren eine Lücke.
