Verrammelte Türen am Kölner Dom sind ein fatales Symbol, sagt die Präsidentin des Zentral-Dombau-Vereins, Barbara Schock-Werner.
„Erinnert an ein Museum“Barbara Schock-Werner kritisiert Dom-Eintritt und verkürzte Öffnungszeiten

Ticket für die Besichtigung des Kölner Doms
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Nach Einführung des Bezahlsystems mit Eintrittsgeld für den Kölner Dom übt die Präsidentin des Zentral-Dombau-Vereins (ZDV), Barbara Schock-Werner, Kritik an den im selben Zug deutlich verkürzten Öffnungszeiten. „Damit erinnert der Dom noch mehr an ein Museum“, sagt die frühere Dombaumeisterin im Gespräch mit dieser Redaktion. So manches Museum habe sogar länger geöffnet als die Kathedrale, die zum Preis von 12 Euro (ermäßigt 6 Euro) seit dem 1. Juli von 10 bis 18 Uhr besichtigt werden kann.
„Bisher signalisierte das Hauptportal des Doms von frühmorgens um sechs bis abends um halb acht allen Menschen: Ihr seid willkommen. Die Tore der Kirchen stehen euch offen“, so Schock-Werner. „Jetzt bleiben die Türen an der Schauseite des Doms für viele Stunden verrammelt – auch und gerade zu den Tageszeiten, an denen ungezählte Menschen um den Dom herum unterwegs sind, insbesondere Einheimische und Pendler auf ihrem Weg zur Arbeit oder nach Hause.“

Die Kölner Dombaumeisterin a.D. Barbara Schock-Werner, Präsidentin des Zentral-Dombau-Vereins
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Was das für den Dom und das Verhältnis der Menschen zum Dom bedeute, sei ihr erst in den letzten Tagen so richtig klar geworden, so Schock-Werner. „Hier geht es um mehr als ums Geld. Deutlicher könnte man gar nicht ausdrücken, dass Freunde und Gäste nicht willkommen sind. Verschlossene Türen sind nun mal ein Zeichen. Der Dom wirkt abweisend. Das ist ein fatales Symbol, und ich finde das ganz furchtbar.“
„Für viele Kölner und Pendler war es gute Sitte, vor der Arbeit oder nach Feierabend in den Dom zu gehen und kurz innezuhalten. Der Gedanke daran, dass es Wichtigeres und Größeres gibt als den Ärger des Alltags, konnte bei diesen Kurzbesuchen Raum gewinnen. Das ist jetzt nicht mehr möglich. Welch ein trauriger Verlust! Auch für die Mitglieder des ZDV, denn von ihrem freien Eintritt in den Dom haben sie natürlich nur etwas zu den Öffnungszeiten“, kritisiert die ehemalige Dombaumeisterin.
Das Gewühle hat aufgehört.
Positiv vermerkt Schock-Werner, dass die Atmosphäre im Inneren des Doms neuerdings „sehr viel angenehmer“ sei. „Das Gewühle hat aufgehört, es scheinen jetzt nur noch die wirklich Interessierten zu kommen.“
Kölner Dom: Schwieriger Zugang für Betende
Allerdings werde es denjenigen, die den Dom zu Andacht und Gebet aufsuchen wollten, unnötig schwer gemacht, findet Schock-Werner. „Der Hinweis, dass ihnen die Nordseite des Doms auch über die Besichtigungszeiten hinaus offensteht, hilft nicht viel. Denn die Wege sind lang und kompliziert.“
Wegen der Baustelle auf der Domplatte müssten die Menschen jetzt den gesamten Vorplatz überqueren, die Treppe zur Trankgasse heruntersteigen, zum Bahnhofsvorplatz gehen und von dort die hohe Treppe zum Nordquerhaus erklimmen. „Eine Zumutung! Als ob die Verantwortlichen gar nicht wollten, dass Menschen zum Beten in den Dom kommen. Nach meinen Beobachtungen in den ersten Tagen hat auch deren Zahl stark abgenommen, auch beim Mittagsgebet, das bislang immer im Mittelschiff des Doms stattfand.“
Besser wäre nach Schock-Werners Ansicht eine Wegeführung nach rechts um den mittelalterlichen Domchor herum bis zum Eingang im Norden auf der Bahnhof-Seite.
Angesichts eines Mitglieder-Ansturms auf den ZDV bekräftigt die Präsidentin ihren Willen, vorerst am Mindestjahresbeitrag von 20 Euro festzuhalten. „Eine Erhöhung zum gegenwärtigen Zeitpunkt kommt für uns nicht infrage. Das wäre ausgesprochen undiplomatisch“, sagt Schock-Werner.
Die inzwischen mehr als 25.000 Mitglieder des ZDV, der 1842 als überkonfessioneller Bürgerverein für den Weiterbau der unvollendeten gotischen Kathedrale gegründet wurde, geben heute jährlich 4,3 Millionen Euro an den Dom – rund 60 Prozent der Kosten für den Bauerhalt. Wegen dieses finanziellen Beitrags zum Betrieb des Doms sind die ZDV-Mitglieder vom Eintrittsgeld ausgenommen. „Wir hoffen, dass diejenigen, die nur den Mindestbeitrag zahlen, weniger werden“, sagt Schock-Werner. „Mit 20 Euro ist in Wahrheit weder dem Dom noch dem ZDV geholfen.“ Schock-Werners Empfehlung an Neu- und Altmitglieder: 50 Euro pro Jahr, mindestens.
