In ihrer Kolumne „Auf den Punkt“ freut sich Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner über eine sichtbare Verbesserung in der Kölner City – und lobt die Stadt.
Museum für Angewandte Kunst KölnDer Zaun ist weg – endlich!

Petra Hesse (links), Direktorin des Museums für Angewandte Kunst Köln (MAKK), und Dombaumeisterin a.D. Barbara Schock-Werner vor der Museumsfassade. Anfang Juni wurden Sperrgitter und ein Sicherheitsdach über dem Eingang entfernt.
Copyright: Arton Krasniqi
Der Zaun ist weg. Ja, wirklich! Als ich Anfang der Woche nach Rückkehr von einer Spanien-Reise des Zentral-Dombau-Vereins morgens am Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK) vorbeispazierte, war ich doch sehr erstaunt: Seit Montag steht die Fassade des Baus von Architekt Rudolf Schwarz (1897 bis 1961) frei, die furchtbaren Sperrgitter und das Schutzdach über dem Eingang sind beseitigt, der Platz vor dem Museum liegt offen und unverstellt da. Eine Wohltat nach dem jahrelangen Chaos mit Baucontainern und Versorgungsleitungen zur Baustelle des Domhotels am Roncalliplatz, über das ich mich in dieser Kolumne mehrfach beschwert habe – zuletzt im März. Jetzt sieht man wieder, wie schön es trotz dichter Bebauung und eines Sammelsuriums an Stilformen in der Innenstadt sein kann.
Ganz beglückt habe ich mich direkt bei MAKK-Direktorin Petra Hesse erkundigt, wie es dazu kam. Sie sprach von einer „doppelten Punktlandung“ und lobte den Einsatz von Oberbürgermeister Torsten Burmester, aber auch des Amts für Gebäudewirtschaft und des Grünflächenamts, das die Gelegenheit genutzt habe, die Anlagen rund um das Museum in einen annehmbaren Zustand zu bringen.
„Befreiung“ für Kölner Museum
Anfang April sei der OB vorbeigekommen, habe sich alles angeschaut und versprochen: Bis Ende des Monats sind die Container weg. „Und so kam es auch.“ Punktlandung Nummer eins. Genauso wichtig für das MAKK, sei aber auch die „alternative Dachsicherung“. Konkret geht es um den Schutz von Museumsbesuchern und Passanten vor Bauteilen, die von den maroden Dächern herunterzufallen drohen. Was bisher Sperrgitter und Schutzdach besorgen sollten, leisten jetzt Sicherungsnetze, die – von unten unsichtbar - über die Dachflächen gespannt sind. Man kennt das sonst von bröckelnden Fassaden. Ein gängiges Verfahren – und eine elegante Lösung. „Wir hatten das Amt für Gebäudewirtschaft sofort darum gebeten, eine solche Alternative zu planen, als die Museumsfront umzäunt wurde“, berichtet Petra Hesse.

Die Fassade des Museums für Angewandte Kunst Köln (MAKK) und der Vorplatz sind freigelegt.
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Jetzt ging es innerhalb einer Woche. Als „Befreiung“ empfinde sie das, sagt Hesse. Das Baustellen-Chaos vor dem eigenen Haus sei schon deprimierend gewesen, „eine Riesenbelastung über die ganze Zeit“. Natürlich auch für den Museumsbetrieb. Schließlich war das ganze Ambiente so abschreckend, dass man Besucherinnen und Besuchern, die trotzdem den Weg ins MAKK fanden, fast schon eine Tapferkeitsmedaille hätte verleihen müssen.
Neue Chance für Café-Betrieb im Innenhof
Besonders toll: Mit der jetzt vorgenommenen Sicherung des Dachs kann auch der wunderbare Innenhof kann wieder genutzt werden. Schon in Kürze findet hier das traditionelle Open-Air-Kino statt. Und Hesse denkt mit ihrem Team sogar darüber nach, den Café-Betrieb wiederzubeleben, der das MAKK – nicht nur für mich – zu einem Geheimtipp gemacht hatte: als Oase im Gewimmel der Stadt. Vollkommen wäre das Glück, wenn das Gebäude nicht nur gesichert, sondern bald auch saniert würde. Dafür gibt es zwar nach Auskunft der Stadt noch kein Konzept. Aber Wünschen und Hoffen darf man ja.

Freude bei MAKK-Direktorin Petra Hesse (links) und Dombaumeisterin a.D. Barbara Schock-Werner
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Die besagte Punktlandung verbindet sich für Hesse mit einer Sonderausstellung im MAKK. Just an diesem Donnerstag, dem 11. Juni, beginnt die Werkschau des Fotografen Hans Georg (H.G.) Esch, berühmt vor allem für seine Architekturaufnahmen. Wie passend! Auch das MAKK, diese moderne Kathedrale der Kunst, hat der 1964 in Neuwied geborene Fotokünstler großartig in Szene gesetzt.
Ein echtes Erlebnis
Rudolf Schwarz‘ Bau, ursprünglich für das Wallraf-Richartz-Museum bestimmt, gehört zu den bedeutendsten Schöpfungen der Nachkriegszeit in Köln. Die Fassade erinnert mit ihrer seriellen Gliederung an Industriearchitektur, vermeidet alles Pompöse. In einem Zweitentwurf ergänzte Schwarz zur Hervorhebung des Eingangs das Vordach, das jetzt wieder gut sichtbar ist. Im Inneren durchquert man zunächst ein bewusst niedriges Foyer in den Ausstellungsbereich, der dann überraschend kühn in die Höhe geht. Ein echtes Erlebnis. Und tatsächlich eine Anleihe bei der Ästhetik mittelalterlicher Kathedralen genommen hat, von denen eine bekanntlich ganz in der Nähe des MAKK steht.
Es wird – wie komme ich jetzt bloß darauf? – in Köln ja derzeit viel über Eintritt für bedeutende Baudenkmäler geredet. Ich erwähne nur beiläufig, dass der Besuch der Dauerausstellung im MAKK – zurzeit in Kombination mit der sehenswerten Schau „7000 Jahre Schmuckkunst“ – gerade mal 6 Euro (ermäßigt 3,50 Euro) kostet, bei freiem Eintritt für alle Kölnerinnen und Kölner an jedem ersten Donnerstag im Monat.
Natürlich wird niemand das MAKK mit dem Dom vergleichen wollen. Ich schon gar nicht. Das wäre nun wirklich Unfug. Ein Museum ist keine Kirche – und umgekehrt. Aber trotzdem halte ich die Frage für erlaubt, in welcher Höhe Ticketpreise noch einladend sind oder schon abschreckend wirken.
Ich weiß noch, dass in meiner Heimat Baden-Württemberg früher alle Museen gratis waren. Da bin ich als Studentin sonntags regelmäßig von Ausstellung zu Ausstellung gepilgert. Irgendwann war’s auch im reich gesegneten „Ländle“ vorbei mit der Kostenlos-Kultur, und man musste fortan bezahlen. Mit dem Ergebnis, dass die Besucherzahlen drastisch zurückgingen. Es helfe nichts, sagt Petra Hesse vom MAKK, „wir brauchen die Eintrittsgelder, andernfalls könnten wir viele unserer Projekte nicht stemmen“. Und sie bestätigt die Überlegung, auf die alle kommen, die Kultur mit einem Preisschild versehen: Was nichts kostet, ist auch nichts wert.
Sonderausstellung im MAKK
„Hans Georg Esch. Der architektonische Blick – epochal, global“ als Werkschau des in Hennef ansässigen Architekturfotografen zeigt von diesem Donnerstag, 11. Juni, bis zum 27. September großformatige Aufnahmen und Serien von Bauwerken aus aller Welt und über einen Zeitraum von mehreren Jahrtausenden hinweg. Die Ausstellung ist dialogisch angelegt. So trifft zum Beispiel der Kölner Dom auf das New Yorker Chrysler Building oder antike Lehmbauten im Jemen auf moderne Wohnblöcke in chinesischen Mega-Citys. (ksta)
Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK), An der Rechtschule 7, 50667 Köln. Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr (montags geschlossen). Öffnung am ersten Donnerstag des Monats von 10 bis 22 Uhr.Eintritt: 6 Euro, ermäßigt 3 Euro.