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Buchpremiere „Unser Schnütgen“Hohe Theologie sogar beim Kämmen

3 min
Kamm des heiligen Heribert um 870 aus dem Schnütgen Museum

Foto: Csaba Peter Rakoczy

Der Kamm des heiligen Heribert im Kölner Museum Schnütgen

Barbara Schock-Werner und Joachim Frank stellen Meisterwerke aus dem Kölner Museum Schnütgen vor.

Für die Feier des Gottesdienstes brauchen katholische Geistliche eine ganze Reihe von Utensilien. Vor der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962 bis 1965) waren es noch sehr viel mehr. Einen liturgischen Kamm würde man heute jedenfalls vergeblich suchen.

Tatsächlich gab es solche Geräte. Nach der Ankleidung mit den liturgischen Gewändern nutzten die Kleriker sie, um ihre Frisur wieder in Form zu bringen. Ein Priester oder Bischof wollte ja nicht verstruwwelt vor Gottes Altar und vor die gläubige Gemeinde treten. Es ging aber auch und vor allem darum, vor Beginn der Messe symbolisch die Gedanken zu ordnen. Daraus erklärt sich, dass die erhaltenen liturgischen Kämme keine schnöden Gebrauchsgegenstände sind, sondern kleine Kunstwerke.

Erzieher und Kanzler Kaiser Ottos III.

Das Museum Schnütgen bewahrt den sogenannten Kamm des heiligen Heribert auf. Auch der stammt natürlich nicht aus dem Badezimmer oder vom Ankleidetisch des Erzbischofs, der das Erzbistum vom Jahr 999 oder 1000 bis zu seinem Tod 1021 leitete. Um ehrlich zu sein: Ob er den Kamm je verwendet hat, ist ungewiss. Von der Entstehung im 9. Jahrhundert her gesehen, wäre es möglich. Aber die Zuschreibung stammt erst aus dem 16. Jahrhundert: Der Kölner Geistliche und Stadtgeschichtsschreiber Aegidius Gelenius (1595 bis 1656) berichtet, man habe den Kamm dem Schrein des heiligen Heribert entnommen.

Heribert, geboren um 970, war Erzieher und zeitweilig auch Kanzler Kaiser Ottos III. (980 bis 1002). Nach dessen frühem Tod überführte Heribert den Leichnam des Kaisers von Italien nach Aachen. Er selbst kehrte anschließend nach Köln zurück. Mit Ottos Nachfolger, Kaiser Heinrich II. (973 bis 1024) aus einer Seitenlinie des Adelsgeschlechts der Ottonen, hatte Heribert nicht mehr viel im Sinn. In Köln war er aktiv im Kirchenbau, zum Beispiel gründete er die Abtei in Deutz, wo er später begraben wurde. Als Verdienste werden ihm auch die Fürsorge für die Armen und die Verbreitung des Glaubens zugerechnet.

Ausgesprochen luxuriöses Utensil

Sein Kamm aus Elfenbein ist ein ausgesprochen luxuriöses Utensil. Oberhalb eines Halbrunds mit den filigranen, meisterhaft herausgesägten Zinken ist auf einer geschlossenen dreieckigen Fläche eine Kreuzigungsszene dargestellt, die von zwei Medaillons mit den Büsten von Frau Mond (Luna) und Herrn Sonne (Sol) abgeschlossen wird. Auf gleicher Höhe befinden sich rechts und links zwei durchbrochene Rosetten, von denen sich kniende Engel hinunterbeugen und auf das Kreuz deuten.

Kamm des heiligen Heribert um 870 aus dem Schnütgen Museum

Foto: Csaba Peter Rakoczy

Der Kamm des heiligen Heribert - Detail

Ihre Flügel wiederum weisen vom Rücken nach oben und schließen sich – auf der linken Seite besonders gut zu sehen – mit einem reichen Rankenwerk zusammen, das auch die gesamte Rückseite überzieht. Hier ist es der Paradiesbaum im Garten mit seiner üppigen Vegetation – als symbolischer Verweis auf die Heilstat Christi, der durch seinen Tod und seine Auferstehung die ganze Schöpfung erlöst. 

Ganz schön viel hohe Theologie fürs Frisieren, nicht wahr? In Gebrauch war der Kamm offenbar. Jedenfalls deutet die bräunliche Verfärbung der Zinken im unteren Bereich darauf hin.

Diesen Text veröffentlichen wir mit freundlicher Genehmigung des Greven-Verlags als Vorabdruck aus dem Buch „Unser Schnütgen“. Es erscheint am 19. August. Die öffentliche Premiere (siehe unten) findet am folgenden Tag statt.


Buchpremiere

Unser Schnütgen Buchcover

Unser Schnütgen Buchcover

Barbara Schock-Werner und Joachim Frank: Unser Schnütgen. Ein persönlicher Blick auf 51 Meisterwerke, Greven-Verlag Köln, 192 Seiten mit 97 Abbildungen, 25 Euro.

In der Buchpremiere nehmen die Autoren, Dombaumeisterin a.D. Barbara Schock-Werner und DuMont-Chefkorrespondent Joachim Frank, die Gäste mit auf ihre persönliche Entdeckungstour in einem der weltweit bedeutendsten Museen mittelalterlicher Kunst. Sie erzählen von Meisterwerken, verborgenen Perlen und eigens für das Buch aus dem Depot geholten Schätzen. Unter allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern verlosen wir eine exklusive Führung für zehn Personen mit der Dombaumeisterin a.D. durch das Museum Schnütgen. Im Anschluss sind die Gäste zu Getränken und Gebäck eingeladen.

„Unser Schnütgen“, Donnerstag, 20. August, in der Workstage des „Kölner Stadt-Anzeiger“, Amsterdamer Str. 192, 50735 Köln.
Tickets zu 12 Euro (zzgl. VVK) gibt es unter:
www.rausgegangen.de