Entweder beten, zahlen oder die Domcard 20 buchen. Seit Mittwoch führen drei Wege in den Kölner Dom.
Satirischer WochenrückblickDamit der Dom uns bleibt


Das Eintrittsticket für den Dom. Seit Mittwoch ist der Besuch der Kathedrale nicht mehr kostenlos.
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Ja, wo steckt er denn, der Mitgliedsausweis des Dombauvereins? Ich kann mich nicht erinnern, ihn jemals gebraucht zu haben. Seit dieser Woche ist das anders. Mal eben in die Hohe Domkirche, weil sich zwischen zwei Terminen eine Lücke ergeben hat oder man einfach mal zur Ruhe kommen will. Das geht nur noch im Nordquerhaus.
Wenn ich ihn finde, wird er in mein Portemonnaie eingewiesen. Zwischen Personalausweis, Krankenkassenkarte und Führerschein. Oder doch besser in die Fächerleiste mit den Kreditkarten, also in die Abteilung schnöder Mammon?
Egal. Er wird das nicht lange überleben, dieser dünne Streifen Papier mit zwei Mini-Gutscheinen für einen Besuch in der Domschatzkammer und eine Turmbesteigung pro Jahr, die mit der Schere abgeschnitten werden müssen. Keine Plastikkarte – sondern Handarbeit. Ich sehe sie vor mir, die ehemalige Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner, wie sie in ihrem neuen Amt als Chefin des Dombauvereins einen DIN A4-Bogen in sechs Mitgliedsausweise verwandelt. Mit der Papierschere. Unermüdlich. Bogen für Bogen.
So einfach wie der Ausweis war der Zugang zur Kathedrale. Bis zum 1. Juli, dem ersten Tag in der 800 Jahre alten Geschichte des Doms, an dem Besucher Eintritt zahlen mussten. Wenn sie nicht beten oder in einen Gottesdienst wollen. Oder so tun, als wollten sie beten oder in einen Gottesdienst und schon an der Pforte ein falsches Zeugnis ablegen. Oder, wenn sie die Mitgliedskarte des Dombauvereins vergessen haben, die ihnen das Privileg verschafft, jederzeit und kostenlos durch das Gotteshaus zu schreiten. Das darf man getrost historisch nennen.
Tipps in den Reiseforen: So kommt man in den Dom für lau
Historisch ist auch der erste Hüpfer einer Frau über die hüfthohe Balustrade aus dem kostenlosen Andachtsbereich im Nordquerhaus in den Touristenteil der Kathedrale. Mich hat das sofort an den Sprung des Volkspolizisten über den Stacheldrahtzaun am Tag des Mauerbaus in Berlin erinnert. Ein Foto, das um die Welt ging.
Was können die Domschweizer bei dieser Dreistigkeit mehr machen, als vom Glauben abfallen? Bauzäune aufstellen? Ich sehe schon die besten Tipps in den weltweiten Reiseforen vor mir: So kommst du auch ohne Eintritt am besten in den Kölner Dom.
Über das Für und Wider der neuen Regelung haben viele kluge Köpfe viele schlaue Dinge geschrieben und gesagt. Da gibt es keinen Nachholbedarf. Mein Gefühl aber sagt mir, dass seit dieser Woche irgendetwas anders ist. Der Dom ist nicht mehr barrierefrei. Ob mit oder ohne Mitgliedschaft im Dombauverein.
Mal abwarten, wie lange die Domcard 20, das ist der Mindestbeitrag pro Jahr, für die gesamte Kathedrale gilt. „Damit der Dom uns bleibt“, steht auf meinem Mitgliedsausweis. Mir ist in dieser Woche leider ein gutes Stück von ihm verloren gegangen. Die Freiheit, ihn jederzeit besuchen zu können. Ohne Eintritt. Und ohne Ausweis.