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„Ich leide richtig darunter“Ex-Dombaumeisterin Schock-Werner nennt Alternativen zu Kirchen-Eintritt

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Die Spitzen des Doms vor bewölktem Himmel. Frühlingswetter. (Symbolbild)

Die Spitzen des Doms vor bewölktem Himmel. Frühlingswetter. (Symbolbild)

Bei „frank&frei“ diskutierten Guido Assmann und Barbara Schock-Werner über die geplante Eintrittsgebühr für den Dom.

In der Diskussion darüber, dass für den Kölner Dom eine „touristische Eintrittsgebühr“ eingeführt werden soll, hat die Präsidentin des Zentral-Dombau-Vereins (ZDV), Barbara Schock-Werner, eine neue Idee ins Spiel gebracht: All diejenigen, die wie etwa die Hotellerie am Tourismus in der Stadt verdienen, könnten einen finanziellen Beitrag für die Kathedrale leisten. Schließlich kämen Touristen in der Regel wegen des Doms nach Köln, sagte Schock-Werner am Montag in der Talkreihe „frank & frei“ in der Karl-Rahner-Akademie. „Eintritt für den Dom – muss das sein?“, lautete die Frage, zu der sich die ehemalige Dombaumeisterin und Dompropst Guido Assmann äußerten. Ihre Idee nannte Schock-Werner eine „Grundüberlegung“.

Klar ist, dass der Dom mehr Geld braucht, weil die Ausgaben längst die Einnahmen überschreiten. Das Domkapitel glich das Defizit wiederholt durch Rücklagen aus. Die Einnahmen stammen vom Erzbistum (rund 4,7 Millionen Euro), dem ZDV (annähernd vier Millionen Euro), dem Land NRW (circa 1,2 Millionen Euro) und der Stadt (200.000 Euro). Hinzu kommt, was der Dom selbst erwirtschaftet, etwa Eintrittsgelder für Turm und Schatzkammer sowie Spenden.

Erhalt und Betrieb des Kölner Doms kosten pro Tag 44.000 Euro

Der Finanzbericht von 2024 weist ein Defizit von 240.000 Euro aus. Im laufenden Jahr, für das mit zwölf Millionen Euro an Einnahmen gerechnet werde, würden 16 Millionen Euro gebraucht, sagte Assmann. Mittlerweile kosteten Erhalt und Betrieb des Doms pro Tag 44.000 Euro. Gestiegen seien unter anderem die Personalkosten; 170 Mitarbeiter müssten bezahlt werden. Die Sparmaßnahmen reichten nicht aus. So habe man frei gewordene Stellen nicht nachbesetzt und die Preise für Turmbesteigung und Schatzkammerbesuch erhöht.

Dompropst Guido Assmann, Moderator Joachim Frank und die Präsidentin des Zentral-Dombau-Vereins (ZDV), Barbara Schock-Werner bei einer Podiumsdiskussion über die Eintrittsgebühr für den Dom im Rahmen der Talkreihe „frank & frei“.

Dompropst Guido Assmann, Moderator Joachim Frank und die Präsidentin des Zentral-Dombau-Vereins (ZDV), Barbara Schock-Werner bei einer Podiumsdiskussion über die Eintrittsgebühr für den Dom im Rahmen der Talkreihe „frank & frei“.

Auf die Frage von Moderator Joachim Frank, Chefkorrespondent des „Kölner Stadt-Anzeiger“, ob das Erzbistum sich stärker beteiligen könne, sagte der Dompropst, der zugleich Generalvikar ist, die Diözese zahle „verlässlich“ ihre 4,7 Millionen Euro und werde es in den nächsten Jahren weiter tun. Mit den Kirchensteuern müssten rund 1000 Kirchen, Seelsorge, Caritas und Bildungsangebote finanziert werden. Zwar seien die Kirchensteuer-Einnahmen noch stabil, aber in dem Maße, wie die Babyboomer in Rente gehen, würden sie sinken.

Das Domkapitel erarbeitet laut Assmann zurzeit ein Konzept zur Erhebung der Gebühr. Die Höhe stehe noch nicht fest, nur so viel: „Es muss sozialverträglich sein.“ Der Dom werde in zwei Bereiche aufgeteilt. Für einen von ihnen bleibe der Eintritt frei; dort könnten Menschen zum Beispiel beten und Kerzen aufstellen. Darüber hinaus könne jeder und jede wie gehabt kostenlos an den Gottesdiensten teilnehmen. Die Gebühr werde lediglich beim Besuch des anderen Bereichs fällig. Das Bezahlmodell ändere nichts am Wesen der Kathedrale. Sie bleibe ein dazu bestimmter Ort, „Gott die Ehre zu geben“. Sicher würden weniger Leute in den Dom kommen, sagte Assmann. Das sei zwar nicht der Zweck der Neuerung, habe aber den „Nebeneffekt“, dass der Dom „beruhigt“ werde. Bislang kommen im Schnitt täglich 20.000 Besucher und Besucherinnen.

Mitglieder des ZDV sollen uneingeschränkten kostenlosen Zugang zum Kölner Dom behalten

Schock-Werner zeigte Verständnis für die Finanzsorgen des Domkapitels. Doch in einer „Welt, in der man für alles bezahlt“, müsse es auch „nicht-kommerzielle Räume“ geben. „Ich leide richtig darunter, dass der Dom nicht mehr jeden willkommen heißen wird.“ Dass Touristen aus anderen Ländern Eintritt zahlen sollen, „tut keinem weh“, wohl aber, dass dies Gäste aus Deutschland und besonders dem Umland treffe. Oft habe sie von Leuten gehört: „Immer, wenn ich nach Köln komme, gehe ich in den Dom.“ Dies seien „die wahren Freunde des Doms“.

Geplant ist, dass Mitglieder des ZDV uneingeschränkten kostenlosen Zugang haben. Das hat zu einer Eintrittswelle geführt. Nicht nur zur Freude der Präsidentin, denn die Neumitglieder wollten nicht mehr als den Mindestbeitrag von 20 Euro im Jahr zahlen. „Wenn das so bleibt, sind wir unterfinanziert.“ Es müsse eine „Volksbewegung zur Erhaltung des Doms“ geben, sagte ein Mann aus dem Publikum, und ein dreifacher Vater bat: „Lassen Sie es für Kinder kostenlos.“