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„Von Christus selbst übertragen“Kölner Kardinal Woelki bleibt bei Ablehnung des Synodalen Wegs

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Der Synodale Weg ist in der katholischen Kirche umstritten (Symbolbild).

Der Synodale Weg ist in der katholischen Kirche umstritten (Symbolbild).

Was der Kölner Kardinal Rainer Woelki gegen ein Beratungsgremium auf nationaler Ebene hat. Ein Blick auf den Synodalen Weg.

Holprig ging es von Anfang an zu auf dem „Synodalen Weg“. Impuls für den sechsjährigen Reformprozess der katholischen Kirche in Deutschland war die Flucht nach vorn. Das 2018 in der sogenannten MHG-Studie zutage getretene Ausmaß sexuellen Missbrauchs in der Kirche führte die Bischöfe zu der erklärten Absicht, strukturelle Ursachen und Risikofaktoren zu bekämpfen – zusammen mit den Laien vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). Vier Themenkreise wurden ausgemacht, zu denen die rund 230 Synodalen Veränderungsvorschläge entwickeln sollten: Macht und Gewaltenteilung, die katholische Sexualmoral, das Priesterbild und die Stellung der Frau.

Schon die erste Synodalversammlung in Frankfurt 2020, wenige Tage vor Beginn der Corona-Pandemie, machte deutlich: Dieser Weg wird kein leichter sein. Kölns Erzbischof, Kardinal Rainer Woelki, als Galionsfigur der konservativen Minderheit mokierte sich über den gemeinsamen Einzug aller Synodalen zum Eröffnungsgottesdienst und die alphabetische Sitzordnung bei den Beratungen: Hier werde die hierarchisch-ständische Ordnung der Kirche mit dem Unterschied zwischen Klerikern und Laien symbolisch aufgehoben.

Machtfrage zentraler Konfliktherd

Die Machtfrage sollte beim Synodalen Weg der zentrale Konfliktherd bleiben. Mehrfach schalteten sich der Vatikan und Papst Franziskus höchstpersönlich in den laufenden Prozess ein und warnten vor Kompetenzüberschreitungen und elitären Attitüden einer Funktionärselite. Die Reformkräfte um den Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Georg Bätzing (Limburg), überspielten oder überhörten die Skepsis des Papstes gegenüber einem „typisch deutschen“ Herangehen das Synodalen Wegs: zu viel Papier, zu viel Prozedur, zu viel „Parlamentarismus“. Die schärfste Attacke aus päpstlichem Mund mit einem unzweifelhaften Misstrauensvotum gegen den Synodalen Weg kam im Juni 2022: Es brauche in Deutschland keine zwei evangelische Kirchen, sagte Franziskus damals.

Unter Berufung auf ihr Gehorsamsversprechen gegenüber dem Papst verweigerten Woelki und drei weitere der 27 Bischöfe ihre Beteiligung am Aufbau eines neuen Beratungsgremiums auf nationaler Ebene und blockierten dafür eine gemeinsame Finanzierung. Der neue Papst Leo XIV. und seine Behörden hingegen ließen die Reformer um den Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Georg Bätzing, gewähren und stellten zuletzt die Anerkennung der Statuten für eine künftige „Synodalkonferenz“ in Aussicht.

Woelki: Entscheidungsgewalt „von Christus selbst übertragen“

Der vorerst letzten Synodalversammlung vom 29. bis 31. Januar in Stuttgart wird Woelki dennoch fernbleiben – genau wie seine drei Weihbischöfe Ansgar Puff, Dominikus Schwaderlapp und Rolf Steinhäuser. Der Synodale Weg sei für ihn bereits abgeschlossen, sagte Woelki seinem Haussender „domradio“. Für eine von den Bischöfen vereinbarte Evaluierung des Prozesses und seiner Ergebnisse in der Synodalversammlung fehle dem Gremium das Mandat. Dem Mitspracherecht von Laien in einer Synodalkonferenz auf Bundesebene hielt Woelki entgegen, jedem Bischof sei die Entscheidungsgewalt für sein Bistum „von Christus selbst übertragen“. Deswegen tue er sich „schwer mit dem Gedanken“, Teil eines solchen Gremiums zu sein.

Während der Diözesanrat, die Laienvertretung im Erzbistum, Woelkis „Ausstieg“ auf Anfrage „zur Kenntnis“ nahm und schmallippig ankündigte, man werde „im Gespräch bleiben“, sprach die Kölner Synodale Claudia Lücking-Michel von einer bedauerlichen, unsolidarischen und unklugen Entscheidung ihrer Bischöfe. „Es täte auch dem Erzbistum gut, vernetzt zu sein, Impulse mitzunehmen und die Zukunft der Kirche in Deutschland aktiv mitzugestalten“, sagte die ehemalige ZdK-Vizepräsidentin dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller, der – trotz erklärter Vorbehalte gegen den Synodalen Weg als einem „kirchenrechtlichen Nullum“ – seit Ende 2023 an der Verstetigung des Prozesses mitwirkt, nennt Woelkis Auffassung von Amtsautorität „strukturell häretisch“. Ein Bischof sei kein absolutistischer Herrscher nach dem Motto „La foi cest moi – Der Glaube, das bin ich“, sagte Schüller. „Ein Bischof ohne Volk ist – nichts.“