In der Talkshow „3nach9“ berichtet Bärbel Bas über Politik, ihre Harley und eine etwas zu innige Begegnung mit dem englischen König. Dabei hat die Arbeitsministerin von der SPD freitagabends eigentlich anderes vor.
„Wirst du jetzt erschossen?“ Bärbel Bas berichtet von peinlichem Moment mit König Charles

Als damalige Bundestagspräsidentin durfte Bärbel Bas 2023 dem britischen König Charles III. das deutsche Parlament zeigen. (Bild: 2023 Getty Images/Pool)
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Wenn Bärbel Bas an ihre Schulzeit zurückdenkt, beschleichen sie gemischte Gefühle. Chemie hat sie gehasst, aber Sport konnte sie. Der bekennende Harley-Davidson-Fan spielte gerne Fußball. Heute ist Bärbel Bas Co-Vorsitzende der SPD und Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Viel Freizeit hat die MSV-Duisburg-Anhängerin nicht. An diesem Freitagabend ist sie Gast in der Talkshow „3nach9“ von Radio Bremen.
Auch etwas Besonderes, sagt die 57-jährige Politikerin. Denn eigentlich fährt sie an so einem Abend nach Hause. Zum Glück hat sie einen Fahrer. Selbst zum Autofahren hat sie keine Muße. Sie liest Akten auf ihrem Heimweg. Und auch für ihre Harley hat sie keine Zeit. „Ich hänge sie ab und zu mal an den Strom“, erzählt Bas. Fahren ist im Moment nicht drin, und wenn, dann nur alleine. „Die Harley hat einen Solositz. Selbst wenn ich wollte, könnte ich niemanden mitnehmen.“
Bärbel Bas findet die SPD „stellenweise orientierungslos“
Bärbel Bas ist ein politischer Mensch. Und sie macht sich Sorgen um ihre Partei, die SPD. Die sei im Moment sehr verunsichert, vor allem angesichts der Gefahr schlechter Ergebnisse bei den fünf Landtagswahlen, die sie dieses Jahr zu bewältigen hat. „Stellenweise orientierungslos“ sei die SPD im Moment, sagt Bas. „Ich bin viel unterwegs, und die Wählerinnen und Wähler fragen mich oft, wofür die SPD steht“, erklärt die Politikerin.
Aber sie hat auch wahrgenommen, dass viele Menschen fordern, die Partei müsse wieder zu ihren alten Werten zurückkehren. „Das gilt besonders für die soziale Sicherheit. Wir erleben gerade eine Veränderung, zum Beispiel einen Rollback bei der Gleichstellung. Die haben viele Frauen vor mir in der Arbeiterbewegung erkämpft. Und wir merken gerade, das geht alles zurück.“ Um dagegen zu wirken, brauche es die SPD.

Bärbel Bas sprach bei „3nach9“ über ihren ungewöhnlichen Weg in die Politik. (Bild: Radio Bremen)
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Doch die hat gerade bei den Arbeitern viel Vertrauen verloren, nicht zuletzt durch die Agenda 2010, die sie vor 22 Jahren beschlossen hat. „Als ich für den Bundestag kandidiert habe im Jahr 2009, bin ich dafür viel beschimpft worden, obwohl ich gar nicht dabei war“, erzählt Bärbel Bas. Heute erlebt sie, dass viele Arbeiter der AfD mehr vertrauen als ihrer eigenen Partei.
„Die AfD hat es leicht mit ihren populistischen Forderungen“
„Das macht eine Menge mit mir“, sagt sie, „weil ich auch Angst habe, dass das weiter kippt. Man weiß ja, was diese Partei vorhat. Aber die AfD hat es auch leicht: Sie spaltet, sie definiert Gruppen, die sie für das Übel darstellen kann, und sie hat es leicht mit ihren populistischen Forderungen.“
Bas nennt ein Beispiel: „Wir haben uns in Berlin fast zerlegt bei der Diskussion, ob wir das Rentenniveau bei 48 Prozent lassen oder auf 47 Prozent gehen. Da fordert die AfD einfach 70. Da fragt keiner, ob das finanzierbar ist oder nicht. Aber viele Arbeitnehmer sagen, dass ist richtig, denn die Rente ist eh zu wenig.“
Was in der SPD fehle, seien mehr Politiker, die reden könnten wie das Volk. Verteidigungsminister Boris Pistorius kann das. „Ich auch“, weiß Bärbel Bas. „Aber das kann schwierig sein. Manchmal eckt man damit auch an.“ Damit hat Bärbel Bas ihre Erfahrungen gemacht, zum Beispiel, als sie die Aussagen zur Sozialpolitik von Bundeskanzler Merz mit einem englischsprachigen Kraftausdruck benannte. Leid tue ihr so etwas dann aber nicht, sagt sie bei „3nach9“. Sie habe lediglich eine Situation beschrieben. Bedauern würde sie lediglich, wenn sie jemanden beleidigen würde. Doch davor nimmt sich die Sozialpolitikerin in Acht.
Bas rempelte König Charles III an: „Er hat gelacht, und alle waren wieder beruhigt“
Bärbel Bas hat sich von ganz unten nach ganz oben gekämpft. „Von meinen Freunden konnte sich niemand vorstellen, dass ich einmal die zweite Frau im Staat bin. Und ich auch nicht“, sagt die Politikerin, die es zur Bundestagspräsidentin geschafft hat, obwohl sie als Schülerin gerade mal einen Hauptschulabschluss gemacht hat. Eines ihrer größten Erlebnisse in den letzten Jahren war ihr Treffen mit dem britischen König Charles III.
„Wir haben viel gelacht“, erzählt Bas. Sie habe dem König den Bundestag gezeigt. „Da war es an einigen Stellen sehr eng, auch durch die Sicherheitsbeamten und so. Und dann habe ich ihn aus Versehen kurz angerempelt. Im Protokoll steht aber, man darf den britischen König nicht berühren. Und ich dachte so: Oh, was passiert jetzt? Wirst du jetzt erschossen? Aber er war total locker und hat gelacht, und alle waren wieder beruhigt“, erzählt Bärbel Bas und lacht.
Bärbel Bas ist gerne Politikerin, sagt sie. „Ich habe so viel erlebt in dieser kurzen Zeit. Ja, es ist anstrengend, Aber ich habe immer so tolle Momente, dass ich sagen kann: Auch, wenn ich manchmal beschimpft werde - das Gute überwiegt. Ich habe so viele Tolle Erlebnisse mit Menschen, die ich treffe, ich höre so viele schöne Geschichten. Ich habe sogar Papst Franziskus die Hand geschüttelt. Nein, das würde ich nie missen wollen.“ (tsch)
