Abo

BundestagsabgeordneteBetrugsaffäre um Caroline Bosbach weitet sich aus

3 min
Caroline Bosbach bei einem Interview.

Caroline Bosbach bei einem Interview. 

Hausdurchsuchung wegen Betrugsverdacht bei Wahlhelferin der CDU-Bundestagsabgeordneten. Anwalt der Politikerin und Wahlhelferin sprechen von einer Verleumdungskampagne. 

Die Betrugsaffäre um die CDU-Bundestagsabgeordnete Caroline Bosbach, 36, weitet sich aus. Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer bestätigte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“, dass gegen eine weitere Beschuldigte aus dem Arbeitsumfeld der Parlamentarierin ermittelt wird. Sie stehe im Verdacht, „im Juli 2025 eine Rechnung über die Ableistung einer Wahlkampfbegleitung erstellt, auf den 03.02.2025 rückdatiert und zur Verfügung gestellt zu haben“.

Die Frage, zu welchem Zweck dies geschehen ist, sei Gegenstand der umfangreichen Ermittlungen, sagte Bremer. Nach Informationen unserer Zeitung hat es deshalb im Dezember vergangenen Jahres bereits eine Hausdurchsuchung bei der Beschuldigten gegeben, die alle Vorwürfe bestreitet. Sie sei „fest davon überzeugt“, dass es sich bei der Angelegenheit lediglich „um eine bösartige Kampagne von dritter Seite gegen Frau Bosbach“ handele, teilte die Frau auf Anfrage unserer Zeitung mit.

Seit Ende vergangenen Jahres wird gegen Bosbach ermittelt

Die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt seit Ende vergangenen Jahres gegen die Bundestagsabgeordnete aus Bergisch Gladbach. Nach Angaben der Behörde geht es dabei um den Anfangsverdacht des gemeinschaftlichen Betrugs. Laut Vorwurf soll die Tochter des langjährigen CDU-Bundestagsabgeordneten Wolfgang Bosbach im Januar 2025 einen ihrer damaligen Wahlhelfer dazu gebracht haben, eine fingierte Rechnung über 2500 Euro beim Kreisverband ihrer Partei im Rheinisch-Bergischen Kreis einzureichen.

Diese Rechnung soll sich auf Social-Media-Dienste bezogen haben, die tatsächlich nicht erbracht worden sein sollen. Die Staatsanwaltschaft prüft weiter, ob Bosbach den Wahlhelfer und damaligen Auszubildenden der CDU in Rhein-Berg dazu gebracht hat, ihr diesen Betrag nach Auszahlung in bar auszuhändigen, um damit anderweitige Ausgaben auszugleichen. Der Mann, der sämtliche Vorwürfe auch gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ eingeräumt hat, hatte sich damals selbst angezeigt.

Ehemaliger Mitarbeiter der CDU in Rhein-Berg zeigte sich selbst an

Er habe ein schlechtes Gewissen, begründete er die Selbstanzeige. „In der Wahlkampfzeit zur Bundestagswahl habe ich ehrenamtlich im Team von Caroline Bosbach gearbeitet“, so seine Ausführungen. „Am 13. Januar 2025 kam sie auf mich zu und bat mich, ihr einen Gefallen zu tun. Da sie offenbar in Geldnöten steckte, sollte ich der CDU Rhein-Berg eine fingierte Rechnung über 2500 Euro schreiben über angebliche Social-Media-Dienste für ihren Wahlkampf. Diese Dienste habe ich aber nie getätigt.“

Drei Tage später habe er die Rechnung an die Partei geschickt, so der Ex-Azubi. Das Geld habe er später in bar abgeholt. Da er kein eigenes Auto gehabt habe, sei er von einem weiteren CDU-Mitarbeiter zu der Politikerin gefahren worden und habe ihr das Geld übergeben. Als Provision will er 50 Euro erhalten haben.

Caroline Bosbach (CDU) und ihr Vater Wolfgang bei einem Geburtstagsempfang im Januar 2023.

Caroline Bosbach (CDU) und ihr Vater Wolfgang bei einem Geburtstagsempfang im Januar 2023.

Auch gegen den Fahrer wird ermittelt. Er war nach eigener Aussage bei der Geldübergabe dabei. Nachdem er Anfang vergangenen Jahres von einem anderen CDU-Job in die Dienste der inzwischen gewählten Bundestagsabgeordneten Bosbach gewechselt war, erhielt er von ihr am 7. April die fristlose Kündigung. Bisher wartet der Ex-Funktionär noch auf seine Vernehmung. Harriet Krüger, seine Verteidigerin, geht zum Angriff über. „Frau Bosbach hat Mitarbeiter im Wahlkampf später als Bauernopfer benutzt, um von Ihren Handlungen abzulenken“, sagte die Juristin auf Anfrage.

Bosbach bestreitet sämtliche Vorwürfe

Caroline Bosbach hatte sämtliche Vorwürfe bereits im Sommer 2025 bestritten. „Ich habe mich nicht bereichert, und der CDU Rhein-Berg ist kein Schaden entstanden“, hatte sie in einem damals veröffentlichten Video gesagt. Die Politikerin sei „aktuell das Ziel einer Verleumdungskampagne“, ergänzte die Medienkanzlei Höcker. „Die Vorwürfe sind falsch. Sie wurden von einem kriminellen, fristlos gekündigten früheren Mitarbeiter der Mandantin als Teil einer perfiden Rachekampagne konstruiert.“

Bezüglich der Ermittlungen gegen die weitere Mitarbeiterin aus ihrem Arbeitsumfeld ließ Bosbach über einen anderen Medienanwalt mitteilen, sie kenne keine gefälschten Rechnungen der Beschuldigten. Die Frau habe für Leistungen im Wahlkampf „einen Betrag von 2088,45 Euro berechnet und erhalten“. Die Rechnung jedoch sei nicht von der CDU, sondern von ihr selbst beglichen worden. Wäre sie überhöht, sei also nicht die Partei, sondern allein sie selbst geschädigt worden.