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Alter BeschlussIn Leverkusen dürfen Parkplätze auf Radweg gebaut werden

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Abgesperrt ist der Weg schon: Die WGL lässt ihre Parkplätze auf dem Rad- und Fußweg zwischen der Zentrale und dem Europaring bauen.   Bild: Ralf Krieger

Ab sofort ist der Weg dauerhaft geschlossen: Die WGL lässt Parkplätze auf dem Rad- und Fußweg zwischen der Zentrale links und dem Europaring (rechts) bauen.

In Wiesdorf ist ein Fußweg ab sofort dauerhaft geschlossen.

Beschlossen wurde die Sache schon vor langem, jetzt hat die Wohnungsgesellschaft Leverkusen (WGL) damit begonnen, ihre Parkplätze auf der Rückseite ihres Gebäudes auf dem Rad- und Fußweg anzulegen.

Der unangenehme Nebeneffekt ist, dass die Wegeverbindung zwischen der Rialto-Brücke und der Manforter Straße wegen der Parkplätze dauerhaft geschlossen bleiben wird: Fußgänger müssen einmal um das WGL-Gebäude herumgehen und Radfahrer, die von Süden in die City wollen, müssen jetzt den Umweg über die von Bussen und Pkw viel befahrene Heinrich-von-Stephan-Straße nehmen.

Zwar ist der Bereich zwischen dem WGL-Gebäude und dem Europaring inzwischen mit einem Bauzaun abgesperrt, der wurde aber wieder geöffnet, wahrscheinlich weil jemand den Umweg nicht gehen wollte. An den Abdrücken im Schnee ist auch ablesbar, dass sich viele nicht von der Absperrung abschrecken ließen.

Der Grund für den Verlust an Fußweginfrastruktur liegt in einer Idee im Planfeststellungsbeschluss für die RRX-Strecke: Für das neue Gleis musste Platz geschaffen werden, die Heinrich-von-Stephan-Straße wurde ein Stück in Richtung Innenstadt verlegt und es fielen Parkplätze der WGL weg. Um diese zu kompensieren, legte man später fest, dass die WGL sie auf dem Radweg wieder anlegen kann, was jetzt gemacht wird.

Entscheidung fiel 2016 im Leverkusener Rat

Der umfassende Beschluss zum Bau der Eisenbahn-Erweiterung wurde 2012 verhandelt, der eigentliche Beschluss fiel 2018. Kleine, aber heute schmerzhafte Details sind jetzt nicht mehr anzufechten: Das hätte damals geschehen müssen. Das eigentliche O.K. zum Bau der Parkplätze auf dem Radweg hat der Leverkusener Rat 2016 in einem Rutsch mit dem Baubeschluss zum gesamten Busbahnhof gegeben. In dem Beschluss wurde der Wegfall des Rad- und Fußwegs als positiv dargestellt: „Durch die Verlegung der Hauptradwegachse auf die Ostseite des Busbahnhofs kann die problematische Kreuzung des Radwegs mit den Fußgängerströmen vor dem Rialto-Boulevard aufgelöst werden“, heißt es da.

Abgesperrt ist der Weg schon: Die WGL lässt ihre Parkplätze auf dem Rad- und Fußweg zwischen der Zentrale und dem Europaring bauen.   Bild: Ralf Krieger

Ab sofort ist der Weg geschlossen. Hintergrund: Rialto-Boulevard

WGL-Geschäftsführer Gerald Hochkamer bestätigt, dass der Durchgang ab sofort dauerhaft geschlossen bleiben soll, es soll auch kein Trampelpfad offengehalten werden. Man will auf den Parkplätzen keinen Fußverkehr, wegen der Sicherheit, sagt Hochkamer. Die Ecke am Rialto-Boulevard werde mit einem Stabgitterzaun geschlossen.

Im Gespräch wird deutlich, dass auch der WGL-Chef das Problem sieht, dass die Verbindung nun abgeschnitten wird; es wirkt entschuldigend, wenn er sagt, dass er zur Zeit der Entscheidung noch nicht Geschäftsführer gewesen sei.

20 Stellplätze baut die WGL auf dem Radweg. Bäume sollen dafür nicht abgesägt werden. Zunächst kann die WGL alle Stellplätze selbst nutzen, muss aber später sechs davon an Nutzer des erst noch zu planenden und zu bauenden Bahnhofsgebäudes abtreten. Auch für dieses Gebäude will man Stellplätze in der Nähe anbieten.

Radfahrer und Fußgänger können kaum zufrieden sein mit dem erneuten Wegfall einer zentralen Verbindung. Die Pflicht, Stellplätze zur Verfügung stellen zu müssen, selbst wenn eine Firma fußläufig zu einer der größten Tiefgaragen liegt, wiegt offenbar mehr als der Verlust an Infrastruktur.