Drei Geschäfte schließenSo kämpft die Rathaus-Galerie Leverkusen gegen den Ausverkauf

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Gruppe von Cheerleaderinnen tanzen vor Publikum

Die Cheerleader der Bayer Giants sorgen für Aufmerksamkeit auf der Aktionsfläche

Ein Lichtblick: Eine große Kette testet derzeit, ob sich ein fester Betrieb in Leverkusen für sie lohnt.

„Heute sind hier so viele Leute, wie es sie vorher einmal gebraucht hätte“, sagt eine Verkäuferin im Schuhladen „DC-69“ in der Leverkusener Rathaus-Galerie. Denn dann würde jetzt vor dem Laden vielleicht kein Countdown auf einem Schild die Tage bis zum Schließtag am kommenden Dienstag runterzählen. Ob der Laden am Samstag so gut besucht ist, weil die Basketballer und Cheerleader der Bayer Giants an diesem Tag die Einkaufsmeile aufmischen? „Nein, die Leute sind wegen des Ausverkaufs hier“, ist sich die Verkäuferin sicher.

Alles-muss-raus-Schilder vor einem Schuhladen

Der Schuhladen „DC-69“ schließt am Dienstag.

Überhaupt: Von der Aktion mit den Sportlerinnen und Sportlern habe sie im Vorfeld gar nichts mitbekommen. „Und ich arbeite hier.“ Im Unterton ist rauszuhören: Wenn die Verantwortlichen die Geschäfte hier in der Galerie halten wollten, müssten sie auch irgendwie dafür sorgen, dass auch mehr Menschen kommen.

Gegenseitige Hilfe

Am Samstag versuchten eben genau das die Bayer Giants. „Wir sind hier, um der Rathaus-Galerie zu helfen, mehr Menschen anzulocken“, sagt Omar Rahim, der seit Oktober Vertriebsleiter der Basketballer ist. „Und natürlich wollen wir dabei auch auf uns aufmerksam machen.“ Eigentlich ist Leverkusen ja immer eine basketballbegeisterte Stadt gewesen. Schließlich sind die Giants mit 14 Titeln nach wie vor Rekordmeister der Basketball-Bundesliga. Nachdem der Bayer-Konzern die Förderung 2008 massiv zurückgefahren hatte, spielt die Mannschaft zwar nicht mehr um Meistertitel. „Manche haben aber ganz vergessen, dass wir noch da sind“, sagt Rahim. Und zwar immerhin in der ProA, der Zweiten Bundesliga. Noch – denn aktuell kämpft das Team um den Klassenerhalt und kann jede Unterstützung gebrauchen.

Blick auf die Ladenzeile mit geschlossenen Geschäften.

Gerry Weber schließt am 15. März, Lieblingsplatz rechts daneben ist schon zu.

Ebenso wie die Rathaus-Galerie. Vor allem im oberen Stockwerk zeigt sich ein trauriges Bild: Der Bekleidungsladen „Lieblingsplatz“ hat die lange angekündigte Schließung vollzogen. Der Laden rechts daneben – „Comma“ – hat an diesem Tag seinen letzten Verkaufstag. Links daneben ist „Gerry Weber“ – und schließt am kommenden Mittwoch. Im Erdgeschoss ist das Ladenlokal abgeklebt, in dem früher „S’Oliver“ Kleidung verkaufte. Nebenan ist seit Monaten der Stand von „Frooters“ verwaist.

Kunden vor einem Pop-up-Store von Dunkin' Donuts

Dunkin' Donuts testet derzeit, wie das süße Gebäck in Leverkusen ankommt.

Daneben jedoch ist Neues zu entdecken: ein Pop-up-Store von „Dunkin’ Donuts“. „Wir stehen seit Montag hier, vermutlich für drei Wochen“, sagt ein Mitarbeiter. Es solle getestet werden, wie hoch die Nachfrage nach dem süßen, bunt verzierten Gebäck in Leverkusen ist. „Wenn das gut läuft, wollen wir eventuell fest einziehen.“ Und zwar in den Espresso-Laden auf der Ecke zur Fußgängerzone, der ebenfalls abgeschlossen ist. Hierzu r stehe man aber noch in Verhandlungen, sagt der Mitarbeiter. Dennoch: Es ist zumindest ein Hoffnungsschimmer im „Wir-schließen“-Schilderwald.

Die Brüder Louay (vorne) und Rayan Ban Ackcha werfen Körbe

Spaß beim Basketball: Die Brüder Louay (vorne) und Rayan Ban Ackcha.

Und was bringt nun eine Aktion wie die der Giants? Zumindest viel Aufmerksamkeit bei den Anwesenden: Kinder und Erwachsene freuen sich über Fotos mit dem umherlaufenden Maskottchen Lionel. Bei den Tanzeinlagen der Cheerleader füllen sich die Emporen drumherum. Louay (11) und Rayan (5) Ben Akcha werfen derweil begeistert kleine Basketbälle in die bereitgestellten Körbe.

„Wir sind eine sportbegeisterte Familie, die Jungs schauen und spielen Fußball – und manchmal eben auch Basketball“, sagt der Vater. Die Familie ist extra wegen der Aktion gekommen. „Wir haben uns sogar gestern erst Basketball-Outfits gekauft.“ Zwar nicht in der Rathaus-Galerie. Aber vielleicht erstehen sie hier auch noch etwas – wo sie schon einmal da sind.

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