Mehr als 60 Selbsthilfegruppen koordiniert die Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfe Leverkusen.
30. GeburtstagSo sieht heute Selbsthilfe in Leverkusen aus

Das Team der Selbsthilfe-Kontaktstelle Leverkusen feiert mit Mitgliedern verschiedener Selbsthilfegruppen 30-jähriges Bestehen der AG Selbsthilfe Leverkusen.
Copyright: Lotta Hosenfeld
Seit 30 Jahren koordiniert die Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfe Leverkusen das vielseitige Selbsthilfeangebot in der Stadt. Am Freitagnachmittag war das im Gartensaal von Schloss Morsbroich Anlass für ein Fest mit Kaffee, Kuchen und einem Trommelworkshop. 1996 gründete sich die AG mit dem Ziel, den Austausch untereinander zu stärken und gemeinsame Aktionen zu organisieren. „Der Sinn von Selbsthilfe ist, dass Betroffene anderen Betroffenen helfen. Das geht von Themen wie Krebs über psychische bis zu Suchterkrankungen“, berichtet Sandra Blackburn, Fachkraft in der Selbsthilfe-Kontaktstelle.
Die Kontaktstelle dient als Anlaufstelle für alle Fragen zur Selbsthilfe. Dort werden Interessierte in bestehende Gruppen vermittelt, neue Gruppen gebildet oder bei der Beantragung von Fördergeldern unterstützt.
Selbsthilfegruppen werden aktiver und kreativer
In den vergangenen 30 Jahren hat sich beim Thema Selbsthilfe einiges geändert. „Die Gesprächsangebote sind aktiver und kreativer geworden. Viele Gruppen sitzen nicht mehr nur im Kreis, wie man das aus Filmen kennt, sondern unternehmen auch Ausflüge oder rufen Projekte ins Leben“, sagt Nicole Stein. In der modernen Selbsthilfegruppe sind außerdem alle Gruppenmitglieder gleichberechtigt – im Gegensatz zu einer Therapiegruppe gibt es keine Leitung.
Claudia Bierdel-Freyer gründete im September vor einem Jahr die Selbsthilfegruppe „Eulen unter Tauben“, in der sich autistische Frauen mit und ohne ADHS treffen und austauschen. „Ich bin selbst Autistin und wollte mich gerne mit anderen darüber unterhalten. In der Gruppe unterstützen wir uns gegenseitig und können auch positive Erfahrungen miteinander teilen, sodass man weitergibt, was man selbst schon gelernt hat“, sagt Claudia Bierdel-Freyer.
Ihre Gruppe ist nur für Frauen, da es beim Autismus auch frauenspezifische Probleme gibt. „Frauen sind anders sozialisiert als Männer und haben dadurch teilweise einen anderen Umgang mit der Störung. Zum Beispiel maskieren sie ihren Autismus häufig stärker als Männer“, sagt die 60-Jährige. Zu den Treffen von „Eulen unter Tauben“ kommen nicht nur Leverkusenerinnen, sondern auch Frauen aus Köln und Umgebung, da Angebote für diese Zielgruppe eher selten sind.
Selbsthilfe als Präventionsmaßnahme
Die Frauen treffen sich einmal im Monat für zwei Stunden. Sie beginnen mit einer Vorstellungsrunde, in denen sie Themen sammeln, die an dem Tag besprochen werden können. Dann entscheiden sie sich gemeinsam für eines oder zwei der Themen und diskutieren sie. In ihrer Telegram-Gruppe schicken die Frauen sich außerdem interessante Literatur oder Websites zum Thema. Finanzielle Unterstützung erhält die Selbsthilfegruppe von der Krankenkasse, da Selbsthilfe als Präventionsmaßnahme verstanden wird.
„Für mich ist das Ausschlaggebende an einer Selbsthilfegruppe, zu wissen, dass ich nicht alleine bin“, sagt Axel Böttger. Der Leverkusener sitzt aufgrund des Post-Polio-Syndroms im Rollstuhl, die Spätfolge einer Kinderlähmung. Seit zehn Jahren ist er Mitglied der Poliogruppe in Leverkusen. „Wir informieren uns gegenseitig über neue medizinische Erkenntnisse oder Alltagstipps im Zusammenhang mit der Krankheit“, sagt er.