Abo

LeverkusenSo steht es um die Tarifverhandlungen bei der IG Chemie

2 min
leverkusen-stadt-und-bayer-ALF_0349 (1)

Symbolbild.

Leverkusen – Seit dem 30. Mai laufen die Tarifverhandlungen für die Chemiebranche, und nächsten Dienstag steht in Hannover das erste Treffen der Gewerkschaft mit den Arbeitgebern auf Bundesebene an. Der richtige Zeitpunkt für Bezirksleiter Frank Werth, den Verhandlungsführer der IG Chemie, Peter Hausmann, zu einer Tarifkonferenz mit den Leverkusener Vertrauensleuten einzuladen. In der Wiesdorfer Bürgerhalle erstattete Hausmann am Dienstagabend vor zahlreichen Gewerkschaftern ausführlich Bericht über den Stand der Dinge.

Neuer Ansprechpartner

Positiv wertete Hausmann dabei zunächst einmal die Auswechslung seines Ansprechpartners: Georg Müller, Bayer-Personalchef für Deutschland und stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbands der Chemiearbeitgeber, pflege einen deutlich moderateren Ton als sein Vorgänger. Die angenehme Gesprächsatmosphäre dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Tarifpartner in der Sache „meilenweit auseinander“ lägen und keine Bewegung erkennbar sei. Landesbezirksleiter Frank Löllgen, der Anfang Juni eine vorbereitende Verhandlung für den Bezirk Nordrhein geführt hatte, warnte in diesem Zusammenhang davor, „dass wir uns vor lauter Nettigkeiten nicht einlullen lassen“.

Fünf Prozent mehr Lohn will die Gewerkschaft bei einer Laufzeit von zwölf Monaten, was bei genauer Betrachtung deutlich über dem Abschluss der Metaller liege, wie Hausmann betonte. Die Arbeitgeber weisen diese Forderung mit Verweis auf die niedrige Inflationsrate und sinkende Umsätze zurück. Hausmann bezeichnete diese Argumentation in der Bürgerhalle als irreführend. Denn der von manchen – „längst nicht allen“ – Unternehmen beklagte Umsatzrückgang sei vor allem auf merklich gesunkene Rohstoffpreise zurückzuführen, während die Gewinne kräftig sprudelten.

Die niedrige Inflation sei außerdem hauptsächlich dem historischen Zinstief zu verdanken, was den Betrieben wiederum erhebliche Einsparungen bei den Kapitalkosten beschere. „Es kann nicht angehen“, erklärte Hausmann unter tosendem Beifall, „dass von dieser Entwicklung bei gleichzeitig guten Zukunftsprognosen allein die Aktionäre durch steigende Dividenden profitieren und diejenigen leer ausgehen, die die Rekordgewinne von Bayer und vielen anderen Unternehmen erarbeitet haben.“

Weniger Lehrlinge

Nicht nur im Sinne der sozialen Gerechtigkeit, sondern auch aus eigenem Interesse sollte den Arbeitgebern an zufriedenen und motivierten Mitarbeitern gelegen sein. Und geradezu haarsträubend sei es, dass die Betriebe aktuell weniger Lehrlinge statt mehr ausbilden und „sehenden Auges in die Demografiefalle laufen“. Hausmann: „Damit schaden sie sich selbst und nehmen jungen Menschen die Zukunftsperspektive“.