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Kampagne gestartetSo wirbt Leverkusen für die Olympiabewerbung

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Stefan Pausch, Stefan Hebbel und Steffi Nerius machen Werbung für Leverkusens Olympiabewerbung.

Stefan Pausch, Stefan Hebbel und Steffi Nerius machen Werbung für Leverkusens Olympiabewerbung.

Als lokale Identifikationsfigur hat die Stadt die olympische Silbermedaillengewinnerin Steffi Nerius gewonnen.

Das „Ja“ von Steffi Nerius kommt aus vollstem Herzen. So wünschen die Verantwortlichen sich das am liebsten von allen Leverkusener Bürgerinnen und Bürgern über 16 Jahre, wenn sie zwischen 9. März und 19. April per Briefwahlschein die Frage beantworten sollen: „Soll Leverkusen sich an einer Bewerbung um Olympische Spiele für die Jahre 2036, 2040 oder 2044 beteiligen?“

„Marc Adomat hat mich angerufen und gesagt, dass er einen ‚Local Hero‘ für die Kampagne sucht“, berichtet Nerius. Eine lokale Identifikationsfigur als Gesicht der Olympiabewerbung für Leverkusen im Bündnis „Köln.Rhein.Ruhr“. Der Sportdezernent habe kaum ausgesprochen, da habe sie geantwortet: „Ich bin dabei!“ Nerius weiß, wovon sie spricht, wenn sie von der besonderen Stimmung von Olympischen Spielen berichtet: Viermal war sie als Speerwerferin selbst dabei, aus Athen brachte sie 2004 die Silbermedaille mit nach Hause. Außerdem hat sie sechs Paralympische Spiele als Trainerin besucht. „Der sportliche Spirit, der da abgeht, würde unserer Stadt und unserem Bundesland gut tun“, ist sich die Leiterin des Leverkusener Sportinternats sicher.

Olympia als Heimspiel

Davon sind alle überzeugt, die sich zum Start der Werbekampagne „Ja! zu Olympia“ in der Ostermann-Arena versammelt haben. Adomat nennt die Spiele ein „Wahnsinnsereignis“, Oberbürgermeister Stefan Hebbel kündigt für den Erfolgsfall den Ausbau von öffentlichem Nahverkehr und Wohnungsbau an. „Olympia kann für Leverkusen ein Heimspiel sein, weil wir Sport und Wirtschaft können“, sagt Christian Zöller von der Wirtschaftsförderung. Der Stadtsportbund will sich mit vielen Aktionen in Vereinen, Schulen und Kitas beteiligen, etwa kleine Olympische Spiele in den Einrichtungen. „Wir wollen so mehr Bewegungsangebote für Kinder schaffen und gleichzeitig den Breitensport ausbauen“, erklärt Stefan Pausch. In der Gesamtbewerbung ist Leverkusen mit der Bay-Arena als Austragungsort für olympische Fußballspiele vorgesehen.

Aber zunächst einmal müssen die Leverkusener „Ja“ zu Olympia sagen. Dafür startet ab sofort die Werbekampagne der Stadt über alle Kanäle von Social Media und der städtischen Website, über Bildschirme von der Leverkugel bis zum Calevornia bis hin zur Bandenwerbung in der BayArena. Auch bei diversen Events sollen die Bürger heiß auf Olympia gemacht werden, etwa bei „Olympiaspieltag“ in der Bay-Arena, der zum Topspiel gegen Bayern München am 14. März geplant ist.

In der Bay-Arena sollen olympische Fußballspiele stattfinden, hoffen die Unterstützer der Bewerbung.

In der Bay-Arena sollen olympische Fußballspiele stattfinden, hoffen die Unterstützer der Bewerbung.

Nerius zweifelt nicht daran, dass das gelingen wird. „Wir in Leverkusen lieben den Sport, nicht nur den Fußball.“ Völlig unklar sind allerdings die finanziellen Auswirkungen der Bewerbung auf die Stadtkasse. Einzig die Kosten für den Bürgerentscheid stehen fest: Von den 400.000 Euro übernimmt 85 Prozent das Land, 60.000 Euro müssen aus der Stadtkasse bezahlt werden. Die Werbekampagne sei für die Stadtkasse kostenneutral, sie wird mit vorhandenem Personal durchgeführt und von der Staatskanzlei unterstützt.

Kosten sind völlig unklar

Was genau auf die Stadt zukommt, falls sich der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) im September dieses Jahres dafür entscheidet, mit „Köln.Rhein.Ruhr“ in das internationale Bewerberverfahren zu ziehen und es dann tatsächlich einen Zuschlag für die Spiele 2036, 2040 oder 2044 gibt, wissen die Stadtverantwortlichen nicht. „Klar ist, wir werden keine Positionen aus dem Haushalt streichen, um Olympia zu finanzieren“, sagt Hebbel. Optimistisch ist er auch, dass keine Großbaustelle an der Stelzenautobahn letztlich Spiele in der Bay-Arena behindern könnte. „Die Bewerbung wird durch die NRW-Staatskanzlei mitgetragen, ich gehe davon aus, dass sie im Erfolgsfall dafür sorgen werden, dass die Baustelle dann abgeschlossen ist.“ Vielleicht sogar schneller als ohne olympischen Zeitdruck, hofft er.

Berechnungen der Staatskanzlei gehen davon aus, dass der wirtschaftliche Nutzen der Spiele höher wäre als die Kosten. „Aber letztlich ist für mich nicht der wirtschaftliche Faktor ausschlaggebend“, ergänzt der Oberbürgermeister. „Sondern die Chance, die Olympischen Spiele einmal in der eigenen Stadt zu erleben.“


Der Zeitplan

Bis zum 23. Februar sollen alle Ratsfraktionen, Gruppen, Einzelvertreter und der Oberbürgermeister zu dem Thema Stellung nehmen und eine Abstimmungsempfehlung aussprechen. Danach wird ein Wählerverzeichnis erstellt, an alle Wahlberechtigten wird ein Wahlschein per Brief verschickt, der zwischen 9. März und 19. April, 16 Uhr, beantwortet werden kann. Am Abend des 19. April wird das Ergebnis festgestellt.

Wenn mehr Ja- als Nein-Stimmen eingehen, ist der Bürgerentscheid gewonnen. Alle 17 beteiligten Kommunen in Nordrhein-Westfalen mit Köln als „Leading City“ führen einen Bürgerentscheid durch, ein durchweg positives Ergebnis würde die Bewerbung im Konkurrenzkampf mit München, Berlin und Hamburg stärken, hoffen die Organisatoren.

Im September entscheidet der DOSB, mit welcher Bewerbung er in die internationale Vergabe geht. Die finale Entscheidung trifft das IOC, einen festen Termin dafür gibt es nicht. Die deutsche Bewerbung soll für die Spiele 2036, 2040 und 2044 eingereicht werden. Bereits vergeben sind die Spiele 2028 in Los Angeles/USA und 2032 in Brisbane/Australien. (stes)