Leverkusener Tageseltern, die für ein kindgerechtes und virenarmes Raumklima sorgen wollen, fürchten sich vor hohen Nebenkostennachzahlungen.
Angst vor NachzahlungenLeverkusener Tageseltern fordern Energie-Zuschuss

Eine Großtagespflege in Leverkusen.
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Sie sollen alle 30 Minuten lüften, aber die Raumtemperatur soll für Kleinkinder nicht unter 21 bis 22 Grad liegen. Diese Vorgaben bedeuten für Leverkusener Kindertagespflegen: Heizen, heizen, heizen. Und das mit Erlaubnis von hoher Instanz: Der Bundeswirtschaftsminister ruft zwar Wirtschaft und Privatpersonen zum Energiesparen auf – explizit ausgenommen davon sind aber Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Schulen und Kitas. Also überall dort, wo die höhere Raumtemperatur für die „Gesundheit der sich dort aufhaltenden Personen“ wichtig ist.
Vergütungssatz pro Kind
Der Verein Kindertagespflege Lev e. V. fordert deswegen einen Energie- beziehungsweise Heizkostenzuschuss für alle Kindertagespflegepersonen mit Pflegeerlaubnis der Stadt Leverkusen. Denn anders als in städtischen Kitas, wo die Energiekosten von der Stadt getragen werden, bekommen Tageseltern einen pauschalen Vergütungssatz pro Kind. Viele betreuen im eigenen Haushalt, wo zusätzliche Zimmer geheizt und beleuchtet werden müssen, andere in eigens angemieteten Räumen. „Die Preisexplosion bedeutet für uns nicht nur hohe Nachzahlungen, sondern auch enorm gestiegene laufende Unterhaltskosten“, schreibt der Verein in einem Antrag, der stellvertretend von der CDU in die zuständigen Gremien eingebracht wird.
Ein zweiter Kostenfaktor sind die vom Bund empfohlenen Luftfilteranlagen. „Wer keine fest installierten einbauen lassen konnte, hat sich häufig mit mobilen Geräten beholfen, die ganztägig für ein virenfreies Raumklima sorgen“, erklären die Vereinsvorsitzenden. Allerdings auch für einen deutlich erhöhten Stromverbrauch. So sind die Kinderpflegerinnen zerrissen zwischen Infektionsschutz, Energiesparen und kindgerechtem Raumklima.
Der von der Stadt festgelegte Sachaufwand ist für eine solche Preiseskalation nicht ausgelegt
Wer alles will, muss also mit einer heftigen Nebenkostennachzahlung rechnen. Die Eltern um einen Zuschuss zur Kasse zu bitten, damit ihre Kinder es schön warm und virenfrei haben, dürfen die Tagesmütter per Kinderbildungsgesetz nicht. Im von der Kommune erhobenen Elternbeitrag ist aber kein Heiz- und Energiekostenabschlag einberechnet. „Der von der Stadt festgelegte Sachaufwand ist für eine solche Preiseskalation nicht ausgelegt“, klagen die Tageseltern. Sie zahlen drauf. Und das werde eventuell zu Schließungen und Verlust von Betreuungsplätzen führen – in einer Stadt, der ohnehin mehr als 1000 Betreuungsplätze fehlen.
Höhe nicht genannt
Wie hoch der Zuschuss sein soll, lassen die Tageseltern offen. Im Antrag ist von einem „monatlichen Zuschuss entsprechend der derzeitigen Kostensteigerung“ die Rede. Dieser solle pro bewilligtem Pflegeplatz zunächst für die Heizperiode von Oktober 2022 bis Ende April 2023 gezahlt werden.
Der Antrag wird zunächst im Kinder- und Jugendhilfeausschuss am 10. November, 17 Uhr, im Verwaltungsgebäude Goetheplatz behandelt. Die Sitzung ist öffentlich. Danach geht er am 28. November in den Finanzausschuss, eine Entscheidung kann der Stadtrat am 12. Dezember treffen.
