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„Weisser Ring“Opfer von Kriminalität haben in Leverkusen wieder eine Anlaufstelle

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Dagmar Drösser (v. l.), Michael Potschka und Marion Paufler gehören zum Team der Leverkusener Außenstelle des „Weissen Rings“.

Dagmar Drösser (v. l.), Michael Potschka und Marion Paufler gehören zum Team der Leverkusener Außenstelle des „Weissen Rings“.

15 Jahre lang hatte der Verein, den es seit 50 Jahren gibt, keine Außenstelle in der Stadt.

Michael Potschka weiß genau, wovon er spricht. Diesen Eindruck vermittelt der ehemalige Polizist. „Das Opfer war ein Zeuge.“ Als er in den 80er- und 90er-Jahren in Leverkusen als Streifenbeamter unterwegs war, habe man sich um das Opfer eigentlich nicht gekümmert, sagt er ehrlich. „Man hat das Opfer bei der Anzeigenaufnahme gesehen. Und dann hat man es eigentlich nicht mehr gesehen.“

Daran, dass sich das ändert, dass Opfer von Kriminaltaten mehr Aufmerksamkeit und Begleitung bekommen, wirkt Potschka aktiv mit und wird sein ehrenamtliches Engagement sogar noch verstärken: Stellvertretender Landesvorsitzender ist er schon, seit Donnerstagvormittag leitet Michael Potschka auch die wieder eingerichtete Leverkusener Außenstelle des Opferschutzvereins „Weisser Ring“. Ihm zur Seite stehen Dagmar Drösser und Marion Paufler.

Den Verein gibt es seit 1976, also in diesem Jahr seit 50 Jahren. Mitgründer war der TV-Moderator Eduard Zimmermann („Aktenzeichen XY“). In Leverkusen gab es in den vergangenen 15 Jahren keine Außenstelle, weil sich kein Personal dafür gefunden hatte. Denn der Verein wird komplett von Ehrenamtlichen getragen. In den vergangenen 15 Jahren hatte sich das Team von Helgard Grosseschallau aus Köln mit um Leverkusen gekümmert. Jetzt gibt es wieder eine eigene Außenstelle.

Friedrich Ohst, Landesvorsitzender Weisser Ring, ernennt Michael Potschka offiziell zum Leiter der Außenstelle.

Friedrich Ohst, Landesvorsitzender des „Weissen Rings“, ernennt Michael Potschka offiziell zum Leiter der Außenstelle.

Dass in der Öffentlichkeit häufig eher die Täter als die Opfer im Vordergrund stünden, betonten auch OB Stefan Hebbel, Sparkassen-Chef Markus Grawe und CDU-Landtagsmitglied Rüdiger Scholz in ihren Grußworten. Friedrich Ohst, Landesvorsitzender des „Weissen Rings“, der Potschka die Leitung der Außenstelle offiziell übergab, betonte aber auch, dass sich das in den vergangenen Jahrzehnten verbessert habe, auch bei der Polizei: Er nennt als Belege dafür zum Beispiel die Fußfessel bei häuslicher Gewalt, um Femizide zu verhindern, oder eine soziale Prozessbetreuung an den Landgerichten.

Wie schlimm eine Straftat für die Opfer sein kann, auch wenn augenscheinlich nicht viel passiert ist, machte Ohst an einem Beispiel deutlich: Wenn bei jemandem eingebrochen werde, aber niemand verletzt würde, sagten viele, dass man das vielleicht schnell abhake. Seine Erfahrungen sind aber andere: „Die Leute verbrennen danach ihre Unterwäsche.“ So ein Einbruch sei ein Eindringen in die absolute Privatsphäre.

Wir gehen nicht zu tief in die Straftat. Die Opfer müssen das nicht noch mal nacherzählen.
Michael Potschka, Leiter Außenstelle Leverkusen

Der „Weisse Ring“ arbeitet vornehmlich als „Lotse“, wie Potschka das nennt. Sein Team bestehe also nicht aus Psychotherapeuten oder Sozialarbeitern. Aber es könne Betroffene an kompetente Stellen vermitteln. Deshalb sei ein Netzwerk in der Stadt für ihn so wichtig. Zum Beispiel mit Frauenhilfen, denn vorwiegend gehe es um sexualisierte und häusliche Gewalt. Aber auch die Zusammenarbeit mit der Polizei sei für seine und die Arbeit seiner Mitstreiterinnen wichtig. Und auch da kümmere man sich immer mehr um die Opfer, leiste Präventionsarbeit, aber auch Nachsorge.

An den „Weissen Ring“ kann sich aber nicht nur wenden, wer infolge eines Kriminaldeliktes emotionale Probleme hat. Hilfe gibt es auch bei rechtlichen Fragen. Das Team helfe beim Kontakt mit der Staatsanwaltschaft, mit Gerichten oder anderen Behörden, wie OB Stefan Hebbel erklärte. Insgesamt, so hatte der OB recherchiert, habe der „Weisse Ring“ in seinen 50 Jahren rund 274 Millionen Euro für den Opferschutz ausgegeben. Und der Verein sei auf Spenden angewiesen.

Friedrich Ohst sagte, dass der Charakter von Straftaten zum Teil anders sei – Stichwort digitale Kriminalität. Die Auswirkungen für die Opfer seien aber im Grunde dieselben. Er zitiert einen Mitarbeiter aus einer anderen Außenstelle, der über Personen, die unter Traumata infolge einer Straftat litten, Folgendes sagte: „Das sind ältere Menschen – die haben nicht gelebt, sondern nur geatmet.“

Wenn jemand über die Internetseite Kontakt mit Michael Potschka und seinem Team aufnimmt, gibt es ein erstes Gespräch. Er sagt ganz klar: „Wir gehen nicht zu tief in die Straftat. Die Opfer müssen das nicht noch mal nacherzählen.“ Es gehe eher darum, gemeinsam zu entwickeln, was das Opfer brauche. Aber auch dafür gelte: „Wir drängen zu nichts.“

Potschka, Drösser und Paufler könnten noch Unterstützung gebrauchen. Wer Interesse hat, zu helfen, kann auch über die Daten auf der Internetseite Kontakt aufnehmen. Etwa ein halbes Jahr werde man für den Einsatz ausgebildet – inklusive Hospitationen und Seminaren. Denn die Arbeit, die der „Weisse Ring“ betreibt, ist professionell, wenn auch ehrenamtlich gestemmt: 3000 Menschen engagieren sich in Deutschland für die Opferhilfe.

https://leverkusen-nrw-rheinland.weisser-ring.de/