Der 1200 Tonnen schwere Stahlrost der zweiten Leverkusener Brücke ist am Dienstag fast bis zu seiner endgültigen Position gefahren worden.
Zweites BauwerkArbeiten an Leverkusener Brücke gehen voran – unter der Aufsicht von Baustellenfans
Der 1200 Tonnen schwere Stahlrost der zweiten Leverkusener Brücke ist am Dienstag fast bis zu seiner endgültigen Position gefahren worden. Das Stahlelement wird eingesetzt, wo die A1 im Kreuz Leverkusen-West die A59 überspannt. Weil in der Mitte der A59 kein Pfeiler stehen soll, ist der Stahlrost 66 Meter lang und bei 33 Metern Breite entsprechend schwer.
Wegen des Gewichts und des unsicheren Untergrunds wird zum einsetzen kein Kran genutzt, sondern selbstfahrende Hubwagen mit schwerer Hydraulik, so etwas wie überdimensionale fahrbare Wagenheber. Der Koloss soll am Donnerstag endgültig auf das Leverkusener Widerlager und zwei Stützen abgelegt werden, die in der Rheinaue neben der Fahrbahn der A59 gebaut wurden.

Die Arbeiten gehen voran.
Copyright: Ralf Krieger
Das Geschehen ist nicht nur für Bauleute und Journalisten interessant, an der Fahrradbrücke über dem Autozubringer hat sich eine Gruppe Zaungäste eingefunden, die die Arbeiten von dort, so gut es geht, beobachten und jede Veränderung fotografieren. Es sind alles Männer im Rentenalter. „Wir drängeln hier schon seit gestern, damit wir ein bisschen näher herandürfen“, sagt Thomas Schöneberger, der am Montag und am Dienstag schon in aller Frühe an den Zaun gestellt hatte. Er sagt, er komme mit dem Zug aus Betzdorf nach Leverkusen, um den Einbau zu sehen. Er und die anderen sind Fans spektakulärer Baustellen.
Der Wiesdorfer Ralf-Peter Strauch hat es weniger weit, er kommt am Dienstag gegen Mittag schon zum zweiten Mal, musste zwischendrin mal zu seiner Mutter: „Sowas werden wir hier so schnell nicht noch mal sehen.“ Damit dürfte er recht haben, denn der Ausbau der Stelze liegt noch ein paar Jahre in der Zukunft.

Baustellenfans drücken sich am Bauzaun herum.
Copyright: Ralf Krieger
Leopold Höhl kommt aus Rheindorf. Er richtet seine große Spiegelreflexkamera mit langem Objektiv immer zur Baustelle und macht Bilder. Er ist gewissermaßen Profi, ihm war es erlaubt, öfter beim Bau der Bay-Arena auf der Baustelle zu fotografieren, nicht von außen. Zur Baustelle der Eisenbahnbrücke übers Unstruttal in Sachsen-Anhalt sei er gelegentlich mit dem Wohnmobil gefahren.
Ständiger Gast ist auch Thomas Kerschgens aus Bergisch Gladbach. Er charakterisiert sich so: „Ich bin brückenbekloppt.“ Seine Videos, die er bei seinen Ausflügen zu den Baustellen vorwiegend in Köln macht, stellt er der Kölner Filmerbe-Stiftung von Hermann Rheindorf zur Verfügung, die DVDs mit alten Kölner Aufnahmen produziert – irgendwann wird auch sein Material historisch sein.
Immer wieder stranden am Bauzaun auch andere Neugierige, die von der besonderen Baustelle angezogen werden. Dann kommt eine Mitarbeiterin der Autobahn GmbH und bietet an, die Baustellen-Fans wenigstens mal kurz zu einem anderen Aufnahmestandort zu begleiten. Das Drängeln hat sich gelohnt.
