Abo

Leverkusener HilfsvereinKleine Auszeit für junge Mütter

3 min

Beatrix Hundenborn (links) von Wellcome und Corinna Becker mit ihrer Tochter Johanna.

Leverkusen – Einmal die Woche kommt Beatrix Hundenborn zu Familie Becker und geht mit der kleinen Johanna eine große Runde spazieren. Dann hat Mama Corinna das Haus, ihre Hände und Gedanken einmal ganz für sich. Eine Auszeit von der 24-Stunden-Verfügbarkeit. „Ein Kind ist ein enormer Einschnitt in das Leben“, sagt Corinna Becker.

Die Fremdbestimmung, das Schlafdefizit, der eingeschränkte Kontakt zu anderen Erwachsenen – das zehrt an den Nerven. Eine Zeit lang hat sie sich Gedanken darüber gemacht, ob es ein Defizit ist, sich Hilfe von außen zu holen. Und ob es falsch ist, sich durch sein Kind manchmal eingeschränkt und isoliert zu fühlen. Dann hat sie beschlossen: Nein, ist es nicht. Und bei Wellcome-Leverkusen angerufen, einem Projekt des Deutschen Kinderschutzbundes.

Krisen abwenden

„Das ist eine wunderbare Einstellung“, sagt Roswitha Rheinbay, Hebamme und Teamkoordinatorin des Projekts in Leverkusen. Dass Eltern sich Unterstützung holen, bevor aus kleinen Krisen große werden und Hilfe einfach annehmen. Und zwischen Hundenborn und Becker hätte die Chemie direkt gestimmt, das freut sie dann besonders.

Beatrix Hundenborn kennt die Gefühle einer jungen Mutter nur zu gut: „Ich war Leistungssportlerin und voll im Berufsleben, als ich meinen Sohn bekommen habe. Dann war ich auf einmal in sämtlichen Freiräumen eingeschränkt.“ Jetzt freut sich die ehemalige Finanzprüferin, wenn sie einer Mutter berichten kann, dass ihre Ängste und Sorgen ganz normal sind und dass auch wieder Nächte ohne Geschrei kommen werden. Und ihr die sechs Monate alte Johanna auch mal abnehmen kann. „Ich habe mich direkt auf den ersten Blick in Johanna verliebt“, schwärmt Hundenborn.

Und Mama Becker erzählt, was sie mit ihrer „geschenkten Zeit“ macht: „Manchmal gehe ich dann einfach schlafen. Oder in Ruhe duschen oder etwas essen.“ Aber auch Rechnungen bezahlen geht besser, wenn das Kind nicht in der Nähe ist.

„Irgendwie ist eine Gehirnhälfte dann immer beim Kind: Geht es ihm gut, braucht es etwas? Wenn Frau Hundenborn da ist, weiß ich, dass Johanna gut versorgt ist und habe eine innerliche Ruhe um mich um anderes zu kümmern.“ Oder eben einfach mal um sich selbst. „Davon profitiert unser ganzes Familienleben, mein Mann freut sich auch, wenn er nach Hause kommt und eine ausgeglichene Frau vorfindet statt einer mit dicken Augenringen“, sagt Becker.

Zumal die Familie ohnehin mit einem Schicksalsschlag zu kämpfen hat. Vor Johanna hatten die Beckers einen Sohn, der kurz nach der Geburt gestorben ist. Umso größer waren die Sorgen in der neuen Schwangerschaft. „Das waren 39 Wochen voller Untersuchungen und Angst, dass das wieder passieren könnte“, berichtet Becker. „Das hat so viel Energie gekostet, die fehlt mir jetzt manchmal.“ Und Johanna dagegen hat reichlich Energie, auch wenn sie zumeist ein sehr ausgeglichenes Baby ist.

Es braucht aber keine dramatischen Umstände, damit man sich bei Wellcome melden darf, betont Rheinbay: „Das Programm ist für jede Familie offen, egal wie die Umstände sind“. Denn eine kleine Auszeit tut jeder Mutter gut – und ein Spaziergang mit Kinderlachen den Ehrenamtlerinnen.

www.wellcome-online.de