Leverkusener KandidatenNur einmal brandet bei der Ditib-Diskussion Applaus auf

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Landtag Lev Diskussion Ditib

Diskutierten (von links): Petra Franke (FDP), Ariane Koepke (SPD), Rüdiger Scholz (CDU), Rupy David (Grüne). Hinten stehen die Moderatoren Dardan Haliti und Rabia Taskesen.

Leverkusen – Ein einziges Mal brandet am Donnerstagabend bei der Kandidatendiskussion der Vereinigung „Unser Leverkusen“ zur Landtagswahl in NRW Applaus auf. Es ist der Moment, in dem Santharupiny „Rupy“ David in den Räumen der türkisch-islamischen Ditib emotional und persönlich über die Erfahrungen ihrer aus Sri Lanka nach Deutschland geflüchteten Familie berichtet.

Moderator Dardan Haliti fragt die Kandidatinnen und Kandidaten Petra Franke (FDP), Ariane Koepke (SPD), Rüdiger Scholz (CDU) und eben Rupy David (Grüne), warum geflüchteten Ukrainerinnen und Ukrainern die Ankunft so leicht gemacht  wird, während die eigene Familie es nach der Migration nach Deutschland so schwer hatte. Er will wissen, warum die Menschen aus der Ukraine schnell arbeiten und auch ohne Nachweis von Abschlüssen an deutschen Universitäten studieren dürfen, warum ihre Berufsabschlüsse unkompliziert anerkannt werden – während die eigenen Mütter trotz guter Ausbildung in Hilfsberufen tätig sein müssen und syrische Architekten auf dem Bau arbeiten, weil ihre Abschlüsse eben nicht anerkannt werden.

Warum hatte es die eigene Familie so schwer?

Um kein falsches Bild zu vermitteln: Dass die vor Russlands Krieg geflüchteten Menschen es so leicht haben, wird hier begrüßt. Es wird nur gewünscht, dass es der eigenen Familie gleichzeitig nicht so schwer gemacht würde.

„Es schmerzt“, sagt daraufhin Rupy David. „Ich bin selber Tochter einer Familie, die vor dem Krieg geflüchtet ist. Mein Vater ist Diplom-Elektroingenieur. Aber hier hat er 35 Jahre lang als Spüler im Hotel gearbeitet, weil sein britischer Abschluss hier nicht anerkannt wurde. Wir haben 15 Jahre auf unseren Aufenthaltsstatus gewartet. 15 Jahre lang kein Zugang zum Arbeitsamt, 15 Jahre lang kein Zugang zum deutschen Sprachkurs. 15 Jahre lang keine Integration. Und 15 Jahre lang Angst, abgeschoben zu werden.“ Und unter diesen Umständen werde von Menschen Leistung erwartet? Werde erwartet, dass sie ihre Talente entwickeln?

„Wir haben gerade zweierlei Maßstäbe“, fährt David fort. Es sei super, dass Ukrainer es leichter hätten, „aber wir machen es noch immer nicht bei Syrern oder Afghanen. Ein Arzt, der Herzchirurg ist und seit 20 Jahren gearbeitet hat, exzellente Arbeit gemacht hat, wird nicht als Arzt anerkannt. Das kann nicht sein. Das ist rassistisch und das geht nicht.“ Das sind Erfahrungen, die das Publikum, das aus knapp 40 Personen besteht, auch gemacht hat, zeigt das laute Klatschen der Menschen.

Die beste Strategie, Bildungslücken zu schließen

Von diesem Moment abgesehen, plätschert die Diskussion, die in weiten Teilen weniger Diskussion als eine Abfrage von Standpunkten ist, über gut eineinhalb Stunden dahin.

Bei der Frage nach der besten Strategie, um Bildungslücken nach zwei Jahren Corona-Unterricht zu füllen, herrscht erst einmal Einigkeit: Das muss schnell und mit großem Engagement seitens des Landes geschehen. Die schwarz-gelben Koalitionäre Rüdiger Scholz und Petra Franke verweisen auf die umfangreichen Nachholprogramme, die die Landesregierung bereits auf den Weg gebracht hat. Ariane Koepke schlägt vor, auch Quereinsteiger in die Nachmittagsbetreuung zu integrieren, woraufhin Scholz widerspricht: „Lücken zu füllen, sollte professionellen Pädagogen überlassen werden.“

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Der CDU-Landtagsabgeordnete übt im gleichen Atemzug Kritik an der einstigen rot-grünen Landesregierung. Diese habe es versäumt, ausreichend Lehrkräfte auszubilden. Die aktuellen Bemühungen von CDU und FDP würden erst 2025 Früchte tragen, schließlich dauere die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern insgesamt sieben Jahre. Rupy David schlägt derweil die Integration von Lehramtsstudierenden in den laufenden Betrieb vor.

Ariane Koepke widerspricht ihrer Partei

Als gefragt wird, warum Nicht-EU-Ausländer in Deutschland nicht wählen dürfen, auch wenn sie hier schon lange leben, kommt es zu einer interessanten Konstellation bei Ariane Koepke: Die SPD-Kandidatin gibt den Standpunkt ihrer Partei wieder, dass der Erhalt der deutschen Staatsangehörigkeit weiter Voraussetzung für eine Teilnahme an Wahlen sein soll – nur um dann zu sagen, wie sie selbst davon abweicht: „Mein Traum wäre: Jeder wählt, wo er seine Steuern zahlt.“

Das hat einen Seitenhieb von Petra Franke zur Folge: „Wir sind ja auch hier, um die Politik unserer Partei zu vertreten und zu erklären.“ Sie plädiert dafür, es Menschen leichter zu machen, die deutsche Staatsangehörigkeit zu erlangen. Aber Nicht-EU-Ausländern Wahlrecht einräumen, das wollen nur die Grünen – FDP, CDU und SPD sind dagegen. 

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