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„Shadow“ in WiesdorfLeverkusens letzte Disco bangt um Existenz

3 min
Seit 2000 gibt es den unterirdischen Club auf dem Platz vor dem Rialto-Boulevard.

Seit 2000 gibt es den unterirdischen Club auf dem Platz vor dem Rialto-Boulevard.

Seit 2000 gibt es den unterirdischen Club auf dem Platz vor dem Rialto-Boulevard.

26 Jahre ist das „Shadow“ in Wiesdorf inzwischen geöffnet. Sozusagen im Untergrund vor dem Rialto-Boulevard ist die letzte Leverkusener Disco seit Langem ein Anlaufpunkt für die „schwarze Szene“ in der Stadt – also für Anhängerinnen und Anhänger von Gothic, Metal und anderer, eher alternativer Rockkultur. Aber die Disco bangt um ihre Existenz.

Rund drei Jahre ist es her, dass Marcel König den Betrieb des „Shadow“ in Wiesdorf übernommen hat. König führt den Laden mit einem elfköpfigen Team nebenberuflich, eigentlich arbeitet er in der Pflege. Als die vormalige Betreiberin den Club 2023 aufgab, entschied sich der ehemalige Mitarbeiter, das „Shadow“ weiterzuführen.

Marcel König hat das Shadow im Herbst 2023 übernommen.

Marcel König hat das Shadow im Herbst 2023 übernommen.

Und an Gästen mangele es nicht, sagt er. Aber: Der Verzehr gehe massiv zurück. „Es fehlen die, die Geld ausgeben“, sagt er. Für Getränke vor allem. Wenn Besucherinnen und Besucher eine 20-Euro-Verzehrkarte kauften, ließen sie sich beim Verlassen der Disco davon 14 wieder auszahlen, schildert er beispielhaft. Darüber habe er mit vielen Gästen Gespräche geführt. Und der Grund sei klar: „Die Leute haben kein Geld mehr. Alle müssen sparen.“

Seit einem Dreivierteljahr etwa beobachtet Marcel König das. Ein weiteres Beispiel: Wenn Leute zum Konzert kämen, gingen sie danach häufig nach Hause. Die Einnahmen von der After-Show-Party fehlen dem „Shadow“ dann in der Kasse. Zuletzt habe er 130 Karten für ein Konzert gekauft. Der Getränkeumsatz – nicht der Gewinn – habe nach der After-Show-Party bei 600 Euro gelegen. „Wenn man dann den Getränkeeinkauf und die Personalkosten dagegen rechnet, zahle ich eher 600 Euro drauf“, sagt er.

Das Jahresziel kann ich nicht mehr erreichen, nicht mal mit Anlauf.
Marcel König, Betreiber „Shadow“

Den schwindenden Einnahmen stehen steigende Kosten gegenüber. Eine Kiste Desperados, ein im „Shadow“ beliebtes Getränk, habe vor vier Monaten noch 26 Euro brutto gekostet, heute liege der Preis bei 39 Euro. Und das auf die Gäste umzulegen, mache natürlich alles noch schlimmer, weiß Marcel König. Er sagt: „Das Jahresziel kann ich nicht mehr erreichen, nicht mal mit Anlauf.“

Hinzu komme, dass die Kommunikation mit dem Immobilienverwalter, der im Auftrag der Eigentümerin Leverkusener Immobiliengesellschaft handelt, sehr schlecht laufe. Und mit der Levi auch nicht besonders. Es tropfe von der Decke, er müsse Mitarbeiter damit beschäftigen, Eimer zu leeren. Und vieles habe er, der gerade erst aus der Reha nach schwerer Krankheit kommt, in der Vergangenheit selbst repariert.

„Es kommt einfach sehr viel gerade zusammen“, sagt er. Klar ist jedenfalls, dass es ernst ist. Deshalb gibt es inzwischen eine Spendenaktion mit dem Titel „Gemeinsam fürs Shadow – 25 Jahre schwarze Szene in Leverkusen“. Die Initiatoren hoffen, 5000 Euro im Monat zusammenzubekommen, die dann der letzten Leverkusener Disko zugute kommen. Die erste Spende habe ihm auch schon Luft verschafft, sagt König.

Die Soforthilfe soll die erste Phase bei der Unterstützung des „Shadow“ sein. Mittelfristig soll der gemeinnützige „Förderverein Kultur im Shadow Leverkusen“ gegründet werden. Das hätte laut Marcel König zum Beispiel den Vorteil, dass ein Verein als Ausrichter von Konzerten keine Gema zahlen müsse. Ihn kosten das jedes Mal rund 600 Euro. Acht bis zehn Veranstaltungen im Monat gibt es im „Shadow“, eine oder zwei davon sind Konzerte.