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A1 in LeverkusenMenschenkette mit Fahrrädern als Protest gegen Lkw-Parkplatz

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Im übervollen Gemeindesaal von Sankt Maurinus in Lützenkirchen trug Peter Westmeier die Argumente gegen einen Rastplatz in Leverkusen vor. 

Leverkusen – „Wir werden alles tun, um das zu verhindern!“ Kräftigen Beifall erhielt Oberbürgermeister Uwe Richrath für seine Worte im Gemeindesaal von Sankt Maurinus in Lützenkirchen. Denn seine Ankündigung galt den Plänen des Bundesverkehrsministeriums für den Bau eines Rastplatzes, vor allem für Lkw, beiderseits der A1 auf Leverkusener Stadtgebiet. „Das kann hier nicht stattfinden“, bekräftigte der Vorsitzende des Leverkusener Rates, der bereits einstimmig eine Resolution gegen die Planung verabschiedet hat.

Proppenvoller Saal

An die 250 Besucher waren der Einladung der Bürgerinitiative „Lev kontra Raststätte“ nach Lützenkirchen gefolgt und drängten sich bis vor die Türen des proppenvollen Saales. „Wer war vor fünf Jahren schon dabei?“, fragte Initiativen-Sprecher Peter Westmeier und die meisten Hände flogen nach oben. Vor fünf Jahren hatten Westmeier & Co. schon einmal mobil gemacht gegen die damals geplante Tank- und Rastanlage an der Autobahn Köln – Dortmund. Mit gewissem Erfolg, denn die damaligen Planungen wurden einkassiert – um jetzt in veränderter Form wieder aufzukommen.

Inzwischen plant die Deges, ein Gemeinschaftsunternehmen des Bundes und einiger Bundesländer, und es soll nur noch ein Parkplatz mit Toilettenanlage sein, pro Fahrtrichtung für 50 Lkw und 20 Autos, jeweils 2,5 Hektar groß. „Macht immerhin eine versiegelte Fläche von 50.000 Quadratmetern“, erläuterte Westmeier in betont ruhig-sachlichem Tonfall. Aber dabei muss es nicht bleiben.

Denn bei beiden als geeignet befundenen Standorten auf Leverkusener Stadtgebiet ist das Kriterium „weiterer Ausbau möglich“ ein ausschlaggebender Pluspunkt im Auswahlverfahren. Neben dem östlichen Teil des Bürgerbuschs – also im letzten größeren Waldgebietes innerhalb Leverkusens – ist noch die Freifläche zwischen den Stadtteilen Lützenkirchen und Steinbüchel sowie eine Fläche bei Burscheid-Oberlandscheid in der engeren Auswahl.

„Da fahren Sie von Remscheid her Kilometer um Kilometer an Freiflächen vorbei und dort, wo die Wohnsiedlungen anfangen, im Osten Leverkusens, da soll die Rastanlage gebaut werden“, machte Westmeier die Lage deutlich. Anfang nächsten Jahres erwartet er die endgültige Entscheidung des Bundesverkehrsministeriums, wo der dringend benötigte Lkw-Parkplatz gebaut werden soll.

Ein Zeichen setzen

„Die Zeit drängt jetzt. Wir müssen rausgehen und ein weithin sichtbares Zeichen setzen. Deshalb die Demo noch vor den Ferien!“ Und damit das Zeichen auch außerhalb der Stadt vernommen wird und das Fernsehen berichtet, soll es eine Menschenkette mit Fahrrädern geben, deren Klingelton den Verantwortlichen ein schrilles Wecksignal sein soll (siehe „Mit Fahrradklingel ein deutliches Signal senden“). Auch der Oberbürgermeister will mit demonstrieren und zahlreiche Stadtpolitiker, die ebenfalls zur Versammlung gekommen waren. „Alle in der Stadt sind betroffen“, unterstrich Richrath. „Wir müssen auf die Straße gehen und Aktion zeigen.“

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Er machte aber auch deutlich: „Wir müssen umdenken, weg vom Internethandel, der den Frachtverkehr immer weiter vergrößert, wir müssen zurück zu regionalen Produkten und selbst anders mobil sein als nur mit dem Auto.“ Dennoch darf, ja muss Leverkusen aufbegehren, meinte auch Westmeier. „Sankt Florian zieht in dem Fall nicht.“ Leverkusen wolle nicht seine Last anderen aufbürden, sondern trage bereits unverhältnismäßige Belastungen. Mit drei Autobahnen und drei Bahnlinien quer durchs Stadtgebiet und der Einflugschneise des Flughafens Köln-Bonn darüber habe Leverkusen das Recht zu sagen: „Es reicht! Keine weiteren Belastungen!“

Belastung durch Feinstaub

Das unterstrich aus dem Publikum auch Lungenfacharzt Manfred Thönes: Der beklagte Verkehrslärm sei schon schlimm genug, noch schlimmer aber sei der Feinstaub, der nachweislich Lungen- und Herzkrankheiten sowie Krebs verursache. „Es gibt keine andere Stadt, die so feinstaubbelastet ist wie Leverkusen“, so seine These.

Denn dazu trügen neben den Verbrennungsmotoren der unzähligen Fahrzeuge auch der Feinstaub aus Köln und Partikel aus den rheinischen Braunkohlekraftwerken bei. Und jetzt ein Stück des Bürgerbusch für einen Lkw-Parkplatz abholzen? „Wir sollen irrsinnigerweise gerade das Gebiet abgeben, das die Luft noch ein klein wenig reinigt! Ja, geht’s noch?“ 

Die Zuhörer erfuhren also Gründe genug, am 8. Juli Widerstand zu demonstrieren. 5000 weitere Flyer werden in diesen Tagen von Freiwilligen verteilt, um weitere Teilnehmer zu mobilisieren – und es Ende nächster Woche so richtig klingeln zu lassen.

Mit Fahradklingel ein deutliches Zeichen setzten

Die Menschenkette mit Fahrrädern soll am Samstag, 8. Juli, um 14 Uhr beginnen und um 14.30 Uhr geschlossen sein. Sie soll die beiden ins Auge gefassten Standorte für eine Raststätte im Bürgerbusch und zwischen Lützenkirchen und Steinbüchel miteinander verbinden.

Ordner der Bürgerinitiative werden das Geschehen koordinieren. Die Menschenkette soll dann vom Waldrand an der Straße Blankenburg über die Theodor-Gierath-Straße, die von-Koeringen-Straße hinweg, den Zehntenweg lang, sich dann auf der Bruchhauser Straße zweiteilen und einmal den Hufer Weg in Lützenkirchen und den Fester Weg auf Steinbücheler Seite erreichen. Um 14.30 Uhr soll die Kette geschlossen sein und alle Teilnehmer sollen ihre Fahrradklingel betätigen: „Damit es bei den Verantwortlichen endlich klingelt.“

Zur Erleichterung der Organisation sollen sich Teilnehmer nach Möglichkeit mit Anzahl der Personen und dem gewünschten Standort per E-Mail bei den Veranstaltern anmelden. (ger)

info@lev-kontra-raststaette.de 

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