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ArtenschutzLuchskatze aus Leverkusen ist Teil von europaweitem Netzwerk

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Die Luchskatze Missy im Wildpark Reuschenberg

Die Luchskatze Missy im Wildpark Reuschenberg

Der Wildpark Reuschenberg hat Luchskatze Missy an den Zoo in Wuppertal abgegeben. Wenn sie dort Junge bekommt, könnten die ausgewildert werden.

Vor gut einem Monat ist Luchskatze Missy vom Wildpark Reuschenberg in den Zoo nach Wuppertal umgezogen. Dort soll sie den Luchskater Viktor kennenlernen, der ebenfalls erst seit Kurzem in Wuppertal lebt. Die beiden können sich schon sehen und riechen, sind aber noch in getrennten Außengehegen untergebracht.

Falls es klappt, sie zueinander passen und Missy dann irgendwann in näherer Zukunft trächtig wird, könnten ihre Jungen eine wichtige Rolle bei der Wiederansiedlung des Luchses in Nordrhein-Westfalen und weit darüber hinaus spielen. Wir haben mit Sabine Honnef von der Leitung des Wildparks über Missys Umzug und wie es jetzt im Wildpark weitergeht, gesprochen.

Wie kam es zu Missys Umzug nach Wuppertal?

Der Luchs soll in Nordrhein-Westfalen wieder dauerhaft angesiedelt werden. Bisher gibt es in NRW nur durchstreifende Individuen. Die Ansiedlung in NRW soll auch dazu dienen, bisher isoliert voneinander östlich und westlich von NRW lebende Luchspopulationen miteinander zu verknüpfen. Das könnte einen genetischen Austausch zwischen den Populationen ermöglichen und so auch der Gefahr der Inzucht vorbeugen. Denn alle Luchspopulationen in Deutschland und Westeuropa sind zahlenmäßig klein.

Luchskatze Missy im Zoo Wuppertal

Luchskatze Missy ist vor einem Monat aus dem Wildpark Reuschenberg in Leverkusen für die Zucht in den Zoo nach Wuppertal gekommen.

Welche Rolle spielt Missy dabei?

Die Luchskatze Missy ist sechs Jahre alt und lebte im Wildpark mit Luchskater Felix zusammen. Nur Junge bekamen die beiden nie. Ob das am fortgeschrittenen Alter von Felix, er ist 13 Jahre alt, liegt oder einen anderen Grund hat, kann Sabine Honnef nicht sagen. „Luchse nachzuziehen funktioniert normalerweise ganz gut“, sagt sie. In Wuppertal könnte Missy von Luchskater Viktor trächtig werden. Die Jungen der beiden sollen dann eventuell ausgewildert werden. Oder aber zur Zucht im Zoo bleiben. Ziel von BUND und NRW-Stiftung ist aber, innerhalb von fünf Jahren einen ersten Luchs in NRW auszuwildern. Als Lebensraum kommen zum Beispiel das Egge- oder das Rothaargebirge infrage.

Wem gehört Missy?

Missy ist Eigentum der European Association of Zoos and Aquaria (EAZA), einem europaweiten Verbund von Zoos und Aquarien, genauso wie Luchskater Felix. Missy kam aus Magdeburg nach Leverkusen. Die EAZA steht auch hinter dem Programm „Linking Lynx“, zu Deutsch etwa: „Den Luchs vernetzen“, der europaweiten Anstrengung, den Luchs wieder in Ländern und Gegenden anzusiedeln, wo er ausgerottet wurde, und diese Populationen zu vernetzen. Letztlich ist das Projekt von BUND und NRW-Stiftung auch Teil von Linking Lynx.

Was passiert jetzt mit Felix?

Felix bleibt in Leverkusen für den Rest seines Lebens. Da die Tiere in freier Wildbahn Einzelgänger sind, macht es Felix nichts aus, allein in dem Luchsgehege zu leben. Wie es nach seinem Tod weitergeht, ist offen. Sabine Honnef: „Entweder schaffen wir es, das Gehege zu vergrößern, oder wir verabschieden uns von der Art.“

Warum müsste das Gehege vergrößert werden?

„Das Gehege“, betont Honnef, „entspricht den Mindestanforderungen, aber auch nur denen“. Aus tierpflegerischer Sicht sollte es aber größer sein, so Honnef. Es misst derzeit etwa 300 Quadratmeter. Gut wären 2000 Quadratmeter. Einen Anlauf, das Gehege zu vergrößern, gab es im Sommer 2018. Damals scheiterte das am Geld, denn eine solche Vergrößerung schlüge mit einem sechsstelligen Betrag zu Buche. Geld, das der Wildpark nicht hat. Er finanziert sich aus städtischen Zuschüssen, Einnahmen des Bistros, Eintritten und Zuwendungen von Sponsoren.

Wie ist es für die Wildpark-Leiterin, die Luchskatze Missy abgegeben zu haben?

„Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Man möchte das Tier einerseits behalten und auf der anderen Seite sind wir stolz, dass Missy Teil dieses Wiederansiedlungsprojektes ist.“

Seit der Wolf erfolgreich auch in NRW wieder angesiedelt ist, gibt es ständig Streit zwischen Nutztierhaltern, deren Tiere vom Wolf gerissen werden, und Tierschützern. Ist Ähnliches mit Blick auf den Luchs zu befürchten?

„Der Luchs ist schwieriger in der Ansiedlung als der Wolf, aber er ist auch viel heimlicher unterwegs als der Wolf“, sagt Sabine Honnef. Soll heißen: Bis auch nur einige Luchse in NRW wieder sesshaft angesiedelt sind, kann es noch etliche Jahre dauern. Ausgerottet wurde er auf dem Territorium des heutigen Bundeslandes vor 280 Jahren.

Andererseits gibt es immer wieder durchreisende Tiere. So ein Luchs nutzte im Jahr 2020 in Köln die Zeit des ersten Corona-Lockdowns, als die Straßen leergefegt waren und die Leute aus Angst vor Ansteckung zu Hause blieben. Das Tier wurde von einer Fotofalle in Stammheim aufgenommen, als es sich nachts aus einem Gehege eine Ente griff. Die Halterin, erzählt Honnef, habe im Wildpark Reuschenberg angerufen, weil sie wissen wollte, ob vielleicht eines der Tiere dort ausgebrochen sei. Das war aber nicht der Fall. In Leverkusen sei ihres Wissens in jüngerer Vergangenheit kein durchwandernder Luchs gesehen worden. Wenn Luchse Nutztiere schlagen, nehmen sie sich – anders als Wölfe, die oft mehrere Tiere töten – jeweils ein Tier.