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Demonstration in OverathGemeinsam ein Zeichen gegen Rechts vor AfD-Veranstaltung gesetzt

4 min
Menschen halten Protestplakate auf dem Overather Bahnhofplatz in die Höhe.

Zwischen 200 und 300 Demonstranten waren zur Kundgebung gegen Rechts und gegen die AfD-Veranstaltung in Overath aus dem gesamten Kreisgebiet gekommen.

Musik, Engagement und Kontroversen: Was eine breite demokratische Gemeinschaft dem Overather Ascherfreitag der AfD entgegenzusetzen hatte.

Freitagabend (20.2.) in Overath. Draußen auf dem Bahnhofsvorplatz bunt und laut. Drinnen im Kulturbahnhof Schwarz, Grautöne, dezente Musik, gelassene Stimmung. Auf dem Vorplatz hielten mehr als 200 Demonstrierende, die Veranstalter sprechen von an die 300, der Kälte stand – bis zum Schluss. Zwischen vielen Redebeiträgen spielte die Band „Flying Tornados“. Im Kulturbahnhof beging die Alternative für Deutschland (AfD) ihren traditionellen „Ascherfreitag“.

Im Wahlkampf kam die Familie am AfD-Stand vorbei und die Tochter bekam von einem Wahlkämpfer das ‚Abschiebeticket‘ überreicht.
Hinrich Schippper aus Kürten über das Erlebnis einer befreundeten afrikanische Familie im Bergischen

Alles blieb friedlich. Beide Lager beschränkten sich auf verbale Attacken. Seit 2024, seit der Recherche von „Correctiv“, reißen die Proteste gegen AfD-Pläne nicht mehr ab: gegen die massenhafte Abschiebung Geflüchteter, Asylsuchender, nicht assimilierter Mitbürger. Hinrich Schipper, stellvertretender Landrat, betonte, er sei als Privatperson gekommen – und erzählte eine eindrucksvolle Geschichte. In seinem Freundeskreis lebt eine Familie mit einem afrikanischen Elternteil. Die zwölfjährige Tochter hat eine dunklere Hautfarbe. „Im Wahlkampf kam die Familie am AfD-Stand vorbei und die Tochter bekam von einem Wahlkämpfer das ‚Abschiebeticket‘ überreicht. “ Noch heute ist Schipper fassungslos.

Eine Rednerin steht auf einer Bühne und spricht zu Menschen auf dem Overather Bahnhofplatz.

Mehrere Redner sprachen auf der Kundgebung gegen die AfD-Veranstaltung und gegen Rassismus.

Auf den Schildern der Demonstrierenden steht: „Für Freiheit und Demokratie“ oder „Schön, dass ihr hier seid“. Gruppen aus dem ganzen Rheinisch-Bergischen Kreis haben Stände aufgebaut, Banner aufgehängt. Spürbar: großer Zusammenhalt. In Overath freut man sich über die Unterstützung beim Protest gegen die immer wieder im dortigen Kulturbahnhof stattfindenden AfD-Veranstaltungen: „Aus ‚Overath hält zusammen‘ ist wirklich ein ‚Rhein-Berg hält zusammen‘ geworden“, sagt eine Mitstreiterin gegen Rechts.

Sorge vor der Verbreitung rechtsextremen Gedankenguts

Das Bündnis aus Bürgern, Organisationen, allen demokratischen Parteien im Stadtrat, Kirchen, Vereinen, Unternehmern, Lehrern und Schülern blickt mit Sorge auf die Verbreitung rechtsextremen Gedankenguts in Parteien und anderen Vereinigungen in Deutschland.

Eine Rednerin steht auf einer Bühne und spricht zu Menschen auf dem Overather Bahnhofplatz.

zwischen 200 und 30 Demonstrierende machten auf dem Bahnhofplatz ihrem Unmut gegen Rechts Luft.

Wie agil die Szene ist, zeigt die Organisation: Die Demo stand in wenigen Tagen. Mirko Hellendahl moderierte rasant und freute sich immer wieder über die lautstarke Band. Die „Flying Tornados“ spielten „Hier kommt Alex“, die Hymne gegen Rechts von den Toten Hosen, dazu Stücke von „Nirwana“ im neuen „Blue Grunge“, einer Mischung aus Grunge und „Blue Gras“.

Leiten Sie ein Verbotsverfahren gegen die AfD ein. Die kommende Generation wird es Ihnen danken.
Roland Vossebrecker vom Verein „Bergisch Gladbach für Demokratie und Vielfalt“

Die Kreativität der Band – auch bei den verbalen Attacken gegen die AfD – begeisterte das Publikum. Die Musik so vielfältig wie die Wortbeiträge. Roland Vossebrecker vom Verein „Bergisch Gladbach für Demokratie und Vielfalt“ forderte von der Politik: „Leiten Sie ein Verbotsverfahren gegen die AfD ein. Die kommende Generation wird es Ihnen danken. “ Pfarrerin Angela Pollmann erinnerte daran, dass „Freiheit die Freiheit der anderen ist“ – und daran, das hohe Gut der Meinungsfreiheit zu verteidigen.

Auf einem Pappschild steht: „Das ‚i‘ in AfD steht für Intelligenz“.

„Das ‚i‘ in AfD steht für Intelligenz“ – die Aufschrift auf dem Schild eines Demonstranten passte zum „Populistischen Ascherfreitag“.

„Das ‚i‘ in AfD steht für Intelligenz“ – die Aufschrift auf dem Schild eines Demonstranten passte zum „Populistischen Ascherfreitag“. Drinnen gab man sich betont freundlich. Der Landtagsabgeordnete Sven Tritschler ging durch die Reihen und reichte jedem die Hand. Dr. Helmut Waniczek, Sprecher des AfD-Kreisverbandes, kündigte an, die vier Redner würden mit humoristischem Blick den Alltagswahnsinn in Deutschland beleuchten: Dr. Frank Schnaack, Sven Tritschler, MdL, Christian Zaum, MdB, und Dr. Verena Wester. Aus Sicht der AfD, versteht sich.

AfD arbeitet sich im Kulturbahnhof an einem ihrer Lieblingsthemen, dem Gendern, ab

Er selbst begann mit der Metapher vom „sinkenden linken Piratenschiff“. Gemeint war die Regierung. Die habe sich mit „Cum-Ex“ und „Cum-Cum“ bereichert, nun bohre die eigentlich entlassene Staatsanwältin Löcher in die Schiffswände. Dennoch feierten die Piraten weiter – und merkten nicht, wie sie langsam ersaufen.

Dr. Helmut Waniczek, Sprecher des AfD-Kreisverbandes, steht am rednerpult im Overather Kulturbahnhof.

Dr. Helmut Waniczek, Sprecher des AfD-Kreisverbandes, spricht beim Politischen Ascherfreitag in Overath

Verena Wester nahm sich als erste ein Lieblingsthema der Partei vor: das Gendern. Nach ihrer Darstellung der Eigenheiten des Selbstbestimmungsgesetzes erzählte sie aus der Schullaufbahn ihres Sohnes. In der neunten Klasse habe er einen Text gendergerecht umschreiben müssen. Sie habe ihm geraten, aufzupassen – nicht, dass er schreibe: „Ich besteige die Leiterin. “ Haha. Im Saal hält man das für witzig.

Zum „Populistischen Ascherfreitag“ passt auch eine Anekdote: Im Foyer zog ich meinen Mantel an. Ein älterer Herr sprach mich freundlich auf die Kamera an, die ich abgestellt hatte. Als er erfuhr, dass ich für die Lokalzeitung schreibe, sagte er: „Mit Ihrer Zeitung bin ich durch. Ich singe das Deutschlandlied. So, und jetzt schreiben Sie, dass wir alle Nazis sind.“