Zülpichs Trainer David Sasse möchte eine Mannschaft sehen, die jeden Sonntag ihr Herz auf dem Platz lässt.
Helge Hohl trainiert FliestedenDer TuS Zülpich fährt mit Volldampf durch die Saison

Zum Rückrundenstart treten Marlon Große und der TuS Zülpich gegen Brand (hier eine Szene aus dem Hinspiel) an.
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Die etwas älteren Fußballanhänger dürften sich noch an Adolfo Valencia erinnern, der Anfang der 1990er-Jahre vom FC Bayern München verpflichtet wurde und den klangvollen Spitznamen „El Tren“ (der Zug) trug. Obwohl es dem Kolumbianer bei seinem einjährigen Gastspiel in der Bundesliga eher selten gelang, seinem Ruf als eiskalter Torjäger gerecht zu werden, hat das Bild des ebenso furchtlosen wie unaufhaltsamen Sturmtanks die letzten drei Jahrzehnte offensichtlich schadlos überstanden, wie vor wenigen Tagen der TuS Zülpich demonstrierte.
Unter dem Motto „Mit Volldampf durch den Fastelovend“ nahm die Mannschaft als Fußgruppe geschlossen am Rosenmontagszug teil und schoss – selbstverständlich in TuS-Trikots gekleidet und mit Schaffnermützen auf dem Kopf – 1500 rote Bälle in die Menge. „22 von 26 Leuten haben den Spaß mitgemacht und für alle Beteiligten war unser Auftritt ein großes Fest“, schwärmte Trainer David Sasse.
Fußballer gingen im Zülpicher Rosenmontagszug mit
Die Zug-Metapher passte auch deshalb wie die Faust aufs Auge, weil das eigene Team in der Hinrunde mit äußerst temporeichem Offensivfußball durch die Landesliga gerast war, was den Akteuren als Belohnung den dritten Platz in der Tabelle und den Respekt der Konkurrenten einbrachte. Den starken Eindruck aus der ersten Saisonhälfte möchten Sasse und seine Schützlinge in den kommenden dreieinhalb Monaten bestätigen – und verfolgen dabei ein klares Ziel.
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„Wer als Zuschauer Zülpich gucken geht, soll hinterher mit dem Gefühl nach Hause gehen, dass wir unser Herz auf dem Platz gelassen haben. Außerdem gilt nach wie vor die Maxime: Wir gewinnen lieber mit 4:2 als mit 1:0“, verspricht der Coach auch für die Rückrunde ein regelrechtes Angriffsspektakel.
Zülpicher sind in der Offensive eine Klasse für sich
Dass die Rot-Weißen das Toreschießen wie kaum ein Rivale beherrschen, zeigt ein Blick auf das Tableau: Marvin Iskra, Tim Birkenheuer und Co. haben insgesamt sieben Treffer mehr erzielt als der große Titelfavorit FC Hürth; nur der Tabellenzweite aus Breinig versetzte das gegnerische Netz häufiger in Bewegung als die Zülpicher. Um den eigenen Ansprüchen weiterhin gerecht und im Spiel nach vorne noch flexibler zu werden, studierte Sasses Trainerteam mit der Mannschaft in der Vorbereitung ein zusätzliches System ein. Auf die Details wollte der Coach aber natürlich nicht eingehen, man möchte es den nächsten Gegnern schließlich nicht zu einfach machen.
Ein zweiter Schwerpunkt im Rahmen der Warmmachphase lag auf den offensiven Standards. Während dem TuS bei der Verteidigung von Ecken und Freistößen niemand etwas vormachte (nur ein Gegentor), hat der Übungsleiter bei eigenen ruhenden Bällen noch Luft nach oben erkannt – trotz elf geschossener Tore in der Hinserie.

Mit sechs Treffern trug Pascal Schiffer als Neuzugang maßgeblich zum sehr guten Hinrundenergebnis bei.
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Im Gegensatz zu diesem „Luxusproblem“ wiegen die personellen Sorgen derzeit deutlich schwerer und dokumentieren, dass die Verantwortlichen gut daran taten, in der Winterpause für die Defensive noch einmal auf dem Transfermarkt tätig zu werden. Dass Ben Reimann und Marcel Heindrichs aufgrund einer OP beziehungsweise Verletzung nun bereits die zweite Vorbereitung nicht mitmachen konnten, ist dabei noch das geringere Übel.
Hart trifft den Drittplatzierten vor allem der Ausfall von Kapitän Georg Salmon, der mit einem Innenbandriss mindestens bis April ausfällt. Die dadurch entstandene Lücke könnte die Chance für die Neuzugänge Zissis Balatsouras und Gustavo von Aschwege sein, schnell zu einer unverzichtbaren Größe zu avancieren. „Sie stehen nach den jüngsten Eindrücken für mich in der Top 16 und haben damit den Sprung zum Stammspieler bereits geschafft“, erklärt Sasse.
Torhüter Maxi Pütz hat sich einen Bänderriss zugezogen
Die Aussichten auf mehr Spielzeit durch die Verletzung eines Konkurrenten haben sich auch beim neuen Keeper Nico Wirtz verbessert, da sich Maxi Pütz im Testspiel gegen Bornheim einen Bänderriss zugezogen hat und nun ebenfalls mehrere Wochen zum Zuschauen verdammt ist.
Vor Wirtz rangiert allerdings noch Jan Beyers, der vor der Winterpause in elf von vierzehn Partien zwischen den Pfosten stand. Dennoch hatte der Neuzugang von der JSG Erft 01 in einigen Freundschaftsspielen die Gelegenheit, auf sich aufmerksam zu machen.
Diese Spiele verliefen unter dem Strich meist ebenso tor- wie erfolgreich: Während die Nachwuchsteams des 1. FC Düren, der JSG Erft 01 und von Frechen 20 keine große Herausforderung darstellten, waren die Ergebnisse gegen Horrem und Rheinsüd Köln knapper. Richtig gefordert wurde man von Mittelrheinligist Bornheim (1:1) und zuhause gegen Rheinlandligist SG Schneifel (3:4), als man nicht als Gewinner vom Feld ging. „Gegen Bornheim hat der Ertrag gefehlt, gegen Schneifel war der Akku leer“, sagte Sasse vor dem Auftakt auswärts gegen Rasensport Brand.
Helge Hohl trainiert ab sofort den SC Fliesteden
Nach einer längeren Pause kehrt Helge Hohl, ehemaliger Jugendtrainer des Euskirchener TSC, an die Seitenlinie zurück. Der 38-Jährige hat beim SC Fliesteden das Traineramt übernommen – vorerst bis zum Sommer.
„Ich hatte ja sehr lange das Gerichtsverfahren mit Alemannia Aachen, das erst im Sommer 2025 beendet wurde, also quasi schon nach Saisonbeginn“, erklärt Hohl: „Dadurch konnte ich natürlich nicht richtig einsteigen.“ Stattdessen engagierte sich der frühere Regionalliga-Trainer zunächst mit seiner Fußballschule beim SV Schönbach. „Das habe ich etwa ein halbes Jahr lang gemacht“, so Hohl, der vor wenigen Wochen seine Spielsucht öffentlich gemacht hatte und für diesen Schritt viel Zuspruch erfuhr.
Kurz nach dem Aus bei Alemannia Aachen kamen die ersten Anfragen
Bereits kurze Zeit nach seinem Aus bei den Kaiserstädtern habe es erste Anfragen gegeben. „Unter anderem vom SV Eintracht Hohkeppel, der sich kurz vor Saisonstart vom Trainer getrennt hatte“, so Hohl: „Aber das habe ich abgelehnt, weil dort viermal pro Woche Abendtraining angesetzt war – das ließ sich mit Familie und Therapie nicht vereinbaren.“
Auch später blieb das Interesse aus höheren Ligen laut dem gebürtigen Arloffer nicht aus. „Im Oktober kam zum Beispiel eine Anfrage von der SSVg Velbert für die Regionalliga. Das habe ich aus denselben Gründen abgelehnt.“

Helgo Hohl spielte zuletzt in der Reserve des SV Bessenich. Nun kehrt er an die Seitenlinie zurück.
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Vor dem Winter wurde dann Fliesteden zum Thema. „Damals war Ioannis Masmanidis Trainer. Wir haben uns unterhalten, konnten uns aber zunächst nicht einigen. Nachdem er dann nur drei Spiele gemacht hatte, kam die erneute Anfrage – und diesmal haben wir relativ schnell eine Lösung gefunden“, berichtet der Coach.
Ein Grund für Hohls Zusage: persönliche Verbindungen. „Ich kenne einige Spieler, zum Beispiel Aaron Herzog, den ich bei Alemannia Aachen trainiert habe, oder Nils Lück, den ich aus der Zeit beim SV Bergisch Gladbach 09 kenne.“
Fliesteden ist ein aufstrebender Klub, der zweimal hintereinander aufgestiegen ist und sich jetzt in der Landesliga etablieren möchte.
Der Verein selbst ist ambitioniert. „Fliesteden ist ein aufstrebender Klub, der zweimal hintereinander aufgestiegen ist und sich jetzt in der Landesliga etablieren möchte“, sagt Hohl: „Die Hinrunde war turbulent – viele Ausfälle, personelle Probleme, vielleicht auch ein bisschen Unruhe. Jetzt geht es erstmal darum, in der Rückrunde stabiler zu werden.“
Dass er sich für Fliesteden entschieden habe, hänge auch mit seiner privaten Situation zusammen. „Das passt aktuell sehr gut. Wir trainieren zwei- bis dreimal pro Woche, je nach Spielverlauf, plus das Wochenende – so bleibt genug Zeit für Familie und Therapie“, so Hohl.
Das Engagement ist ihm zufolge zunächst bis Sommer befristet, doch die Zeichen stehen bereits auf Verlängerung. „Es gibt von Vereinsseite schon Signale, dass man über den Sommer hinaus mit mir planen möchte“, verrät Hohl: „Aber jetzt konzentrieren wir uns erstmal auf die Rückrunde.“
Langfristig kann sich Hohl auch eine Rückkehr in den Profibereich vorstellen. „Wenn ich wieder stabiler bin und die Kinder etwas älter sind, dann kann ich mir schon vorstellen, noch einmal einen zweiten Anlauf zu wagen – vielleicht auch wieder in der Regionalliga. Aber im Moment passt Fliesteden einfach perfekt zu meiner Lebenssituation.“


