Leverkusen – Das Grundwasser ist in weiten Bereichen unseres Landes in schlechtem Zustand. Der wichtigste Lebensmittelgrundstoff ist in weiten Teilen Nordrhein-Westfalens zu stark mit krebserregendem Nitrat belastet. Zu diesem Ergebnis kommt ein aktueller umfassender Bericht des Landesumweltministeriums.
Seit 1992 sammelt das Land die Ergebnisse aus einer Vielzahl Brunnen und Grundwassermessstellen. 2003 hatte es die letzte derartig groß angelegte Zusammenfassung des Ministeriums gegeben. Das Ergebnis: Die Rechnung für die industrielle Massentierhaltung und Düngung der Felder zahlen die Wasserwerke, denn mit Gülle und Kunstdünger sickern Nitrate bei Regen ins Grundwasser. Besonders die Menschen am Niederrhein können mit ihrer Grundwasserqualität ganz und gar nicht zufrieden sein.
Für Leverkusen gibt es dagegen keinen Grund, etwas anderes als Leitungswasser zu trinken, wenn man die offiziellen Grenzwerte zugrunde legt. Denn was aus den Leitungen fließt, liegt weit unter den Grenzwerten. Zwar liefert auch im großen Leverkusener Wasserwerk Rheindorf einer der beiden Brunnen Wasser mit einem deutlich zu hohen Nitratgehalt, aber die Leverkusener helfen sich mit einem Trick: Sie verdünnen dieses Grundwasser zu einem Drittel mit fast reinem Talsperrenwasser aus der Dhünntalsperre – so wird der Nitratgehalt akzeptabel. Ein bisschen Wasser kauft die EVL auch von der Currenta, die am Hitdorfer Rheinufer mehrere Brunnen mit wenig Nitratgehalt betreibt. Einen Teil des belasteten Wassers aus Rheindorf kauft der Chempark für seine Produktion von der Energieversorgung Leverkusen (EVL).
Mit der Dhünntalsperre hat die Stadt Anteile an einem riesigen, sehr nitratarmen Wasserreservoir. Wiesdorf, Manfort, Schlebusch, Steinbüchel, Lützenkirchen und Bergisch-Neukirchen werden sogar ausschließlich aus der Talsperre bedient, der Rest der Stadt bekommt das gemischte Wasser aus Rheindorf.
In einem 30 Zentimeter dicken Stahlrohr fließt bergisches Talsperrenwasser nach Rheindorf. Gäbe es diesen Wassertausch nicht, hätte Leverkusen ein Nitratproblem. Das Rohr aus dem Bergischen endet in Rheindorf in einer großen Betonzisterne, in der sich das Wasser langsam dreht und vermischt wird. Der Nitratgehalt sinkt auf diese Weise auf 18,8 mg je Liter. Erlaubt wären 50.
Grundwasser in Leverkusen
Am Nitratproblem arbeitet die EVL seit den 1980er-Jahren. Geologe Patrick Rieger setzt sich mit den Landwirten im Einzugsbereich auseinander. Dass etwa vermehrt im Winter Zwischenfrüchte angebaut werden, hat ebenso mit dem Grundwasser zu tun, wie die Förderung von besseren Gülle-Maschinen durch die EVL. Dennoch ist die Prognose im Fachbericht des Ministeriums nicht gut – bis 2021 sei eine Besserung unwahrscheinlich.
