Wie arbeitet ein Sinfonieorchester? Die Bayer-Philharmoniker öffnen im Erholungshaus ihre Probe und zeigen, warum am Ende oft die kleinsten Details den größten Unterschied machen.
Offene OrchesterprobeBayer Philharmoniker geben ungewöhnliche Einblicke

Mit Worten, Gesten und manchmal auch gesungenen Melodien vermittelt Chefdirigent Jesús Ortega Martínez den Bayer-Philharmonikern seine musikalischen Vorstellungen.
Copyright: Viktoria Langenhuizen
Es wird gespielt, unterbrochen, noch einmal gespielt. Ein kurzer Hinweis des Dirigenten, dann setzt das Orchester erneut ein. Für die Besucher der offenen Probe der Bayer-Philharmoniker im Erholungshaus wird schnell deutlich: Ein Konzert entsteht nicht erst auf der Bühne, sondern in vielen kleinen Schritten während der Proben. Im Rahmen des Sprungbrettfestivals öffneten die Bayer-Philharmoniker am Montag ihre Türen und ermöglichten einen seltenen Blick hinter die Kulissen. Rund 30 Minuten lang konnten Interessierte verfolgen, wie Chefdirigent Jesús Ortega Martínez gemeinsam mit den rund 60 Musikerinnen und Musikern an Antonín Dvořáks 8. Sinfonie arbeitete. Mit dem Werk eröffnet das Orchester unter anderem am 19. September im Forum Leverkusen seine neue Saison.
Feinarbeit am Klang
Schon nach wenigen Takten stoppt Jesús Ortega Martínez das Orchester. Er spricht über Klangfarben, Dynamik und Balance, summt ein paar Töne vor und fordert die Musiker auf, den musikalischen Gedanken weiterzutragen. „Wir haben das Stück gerade einmal komplett gespielt. Jetzt achten wir auf Kleinigkeiten“, erklärt er den Zuhörern. Denn in einer Probe gehe nicht nur darum, die richtigen Töne zu treffen. Vielmehr entstehe die Interpretation erst durch unzählige kleine Entscheidungen. „Alle versuchen, ein bisschen mehr in sich hineinzuspielen“.
Wie fein die Unterschiede sind, erklärt Jesús Ortega Martínez anschließend den Besuchern. „Vom Dirigentenpult kann man alles viel besser hören. Manchmal sind die Instrumente ein bisschen kälter oder ein bisschen wärmer, man muss ganz genau hinhören.“ Dabei gehe es häufig nur um Nuancen. Eine leicht andere Betonung, ein sanfterer Einsatz oder eine veränderte Balance zwischen den Instrumentengruppen könnten den Charakter einer Passage vollständig verändern. „Die Möglichkeiten sind einfach endlos“, sagt der Chefdirigent. Auch die Sitzordnung eines Orchesters spiele dabei eine Rolle. Sie habe sich im Laufe der Musikgeschichte immer wieder verändert und werde heute häufig dem jeweiligen Werk angepasst. Unterschiedliche Anordnungen der Instrumentengruppen beeinflussten den Gesamtklang erheblich.
Wir versuchen alles vorzubereiten. Aber jedes Konzert ist etwas anders. Es entstehen neue Aspekte, neue Charaktere und neue Farben
Proben sind ein kreativer Prozess
Während der Probe wird deutlich, wie intensiv an Details gearbeitet wird. Einzelne Passagen werden mehrfach wiederholt, bis Ausdruck und Zusammenspiel stimmen. Für Jesús Ortega Martínez ist das ein kreativer Prozess. „Wir versuchen alles vorzubereiten. Aber jedes Konzert ist etwas anders. Es entstehen neue Aspekte, neue Charaktere und neue Farben“, erklärt er.
Nach rund 30 Minuten endet die öffentliche Probe. Sie war Teil des Sprungbrettfestivals, das Kindern und Jugendlichen Kultur näherbringen möchte. Im Erholungshaus nutzten vor allem musikinteressierte Erwachsene die Gelegenheit, den Bayer-Philharmonikern einmal nicht im Konzert, sondern bei ihrer eigentlichen Arbeit zuzusehen.
Barber, Elgar und Dvořák im Eröffnungskonzert
Die Bayer Philharmoniker präsentieren am Samstag, 19. September 2026, um 19:30 Uhr im Forum Großer Saal, Am Büchelter Hof 9, Werke von Samuel Barber, Edward Elgar und Antonín Dvořák. Tickets ab 22 Euro gibt es unter: leverkusen-kultur.reservix.de/events
