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PortätLeitplanken fürs Leben

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Dr. Jürgen Zumbé als Roter Funke im Kölner Rosenmontagszug. (Bild: Worring)

Leverkusen – Zwei Männer in Irland. Sie sitzen im Nieselregen am „Cashel Castle“ und genießen lange und schweigend die Faszination dieses Ortes: ein Felsblock, gekrönt von einer mittelalterlichen Burganlage, um die sich Sagen und Legenden ranken. Vor 40 Jahren waren sie schon einmal hier. Es hat sich kaum etwas verändert seit damals, nur ihre Bärte sind grauer geworden. Plötzlich wird klar, wie schnell und unbemerkt die Zeit vergangen ist, während sich ihre Freundschaft mehr und mehr vertiefte.

Jürgen Zumbé und sein Freund Peter haben in den 40 Jahren gemeinsam berufliche Pläne geschmiedet, nächtelang die Köpfe heiß diskutiert, viel Spaß zusammen gehabt, manches Kölsch getrunken und einander blind verstanden. Peter war auch derjenige, der Zumbés Sohn Jonathan als Hoffnungsträger für die Boxbranche entdeckte.

Drei männliche, gute Freunde haben das Leben des Chefs der Leverkusener Klinik für Urologie, Dr. Jürgen Zumbé, mitgeprägt, zwei sind schon gestorben. Zumbé: „Männerfreundschaften sind von einer besonderen Verbundenheit geprägt.“ Er versucht zu beschreiben, was er empfindet: „Männerfreundschaften sind sensibler, stiller. Tiefer als das, was man über Frauenfreundschaften sagt. Wenn ein guter Freund stirbt, bricht für einen Mann oft alles zusammen. Selbstzerstörung und Suizid kommen als Folge häufiger vor als bei Frauen.“

Zum Feiern gehört auch Trauern

Möglicherweise erklärt sich so auch sein Beitritt in den Karnevalsverein der Kölner „Roten Funken“. Da treffen dann gleich geschätzte 350 Männer aufeinander. Dies zu Hundertschaften in „Knubbeln“, der Fokus richte sich auf viele Gesprächspartner gleichzeitig. Seit 2006 war der 59-Jährige dort erst Hospitant, dann Rekrut, zwei Jahre später Mitglied. Es sei zwar ein Karnevalsverein, aber auch eine Gruppe von Männern, denen bewusst gemacht werde, dass zum Feiern auch Trauern gehöre. „Jedes Jahr, vor dem Beginn der Session am Elften im Elften, besuchen alle den zuletzt verstorbenen Präsidenten auf dem Südfriedhof, und gedenken auch der anderen Roten Funken, die nicht mehr dabei sein können. So weiß ich, dass sie auch an mich denken werden, wenn ich selbst mal vom Stengel falle.“

Zumbé ist ein Kölner Südstadtkind, beschreibt den Verein inzwischen als eine seiner Lebensleitplanken, die ausgeprägte Kameradschaft als für ihn wichtiges Gut. „Wir treffen uns das ganze Jahr und erleben Gemeinschaft, neue Freundschaften entstehen. Ein Netzwerk ist entstanden, man hilft einander, tröstet einander und ist füreinander da.“ Der Begriff „bester Freund“ sei allerdings irgendwie geschützt, da gehe er besonders sorgfältig mit um.

Jürgen Zumbé musste sich nach dem Abitur zwischen entscheiden, ob er Arzt oder Lehrer wird, auf jeden Fall wollte er etwas soziales machen. Der Mensch sei für ihn etwas Schönes. Letztlich wählte er den Weg der Wissenschaft. Er ist Vater von Johanna (21), Jacob (19), Jonathan (17) und Ehemann von Jutta. Er mag die Musik der 60er-Jahre, liebt die klassische Musik, ist Wagner-Fan und Festspielbesucher, spielt selbst Klavier und nahm einst Gesangsunterricht.

Natürlich ist er FC-Köln-Anhänger und wünscht dem Verein nichts mehr als eine neue Meisterschaft. Sport ist Zumbé wichtig, das Gefühl, den eigenen Körper zu spüren. Das Marathonlaufen hat er aufgehört. „Dafür laufe ich ja jetzt den Rosenmontagszug“, sagt er schmunzelnd. Denn da gebe es obendrein ja noch die Zusatzdisziplin „Bützen“.