Der Konzern hat mittlerweile ein anderes Verständnis von Kultur und Kulturförderung.
Rückblick 2025Wie Bayer sich in Leverkusen von Kunstwerken verabschiedete

Seit Jahren ein wiederkehrendes Bild: Markus Eisenbeis vom Auktionshaus Van Ham versteigert Kunstwerke aus Bestand der Bayer AG.
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Die Zeiten, in der man es an der Spitze des Konzerns mit der Kunst hatte, neigen sich dem Ende zu. Im Sommer ließ Bayer weitere Teile seiner umfänglichen Sammlung versteigern, trennte sich über das Auktionshaus Van Ham von rund 3000 Werken und erlöste rund 5,6 Millionen Euro. Unter anderem wurden das „Porträt einer Frau (nach Cranach)“ und „Nastassja Kinski“ von Andy Warhol versteigert, ersteres für 815.000 und zweiteres für 435.000 Euro.
Eine weitere Versteigerung kam weitaus demokratischer daher: „Kunst für alle“ war für Van-Ham-Auktionator Markus Eisenbeis eine Premiere. Wer dabei sein wollte, musste für 50 Euro ein Ticket kaufen, konnte aber auch garantiert in Werk mit nach Hause nehmen. „Verscherbelt“, so betonten es der Auktionator und Thomas Helfrich, Chef von Bayers Kulturabteilung, habe man die Kunstwerke nicht. Aus ihrer Sicht war die Aktion ein Erfolg, fast 2000 Werke sind allein im Rahmen von „Kunst für alle“ abgegeben worden. Der Erlös belief sich auf rund 64.000 Euro. Dieses Geld hat der Konzern dem Pallilev, dem Leverkusener Hospiz in Steinbüchel, gespendet. Auch der Erlös aus der Versteigerung der teuren Werke will Bayer nach eigenen Angaben nicht behalten, sondern in die Kulturförderung stecken.
Nächste Auktion in Berlin
Im kommenden Jahr will Bayer in Berlin weitere Kunstwerke unter den Hammer bringen. Es bleiben nach Angaben Helfrichs 1000 bis 1500 Werke, die auch im Bestand bleiben sollen, weil sie einen direkten Bezug zum Unternehmen hätten. Darunter seien auch Arbeiten jüngerer Künstler, die man in den vergangenen Jahren gekauft habe. Die werde man nicht „einfach auf den Markt werfen“, wenn sie bei eigenen Ausstellungen dafür mehr Geld bekommen hätten.
Von den Bronzen, die über Jahrzehnte im japanischen Garten, also im Schatten der Konzernzentrale an der Kaiser-Wilhelm-Allee, standen, hat sich Bayer allerdings ebenfalls getrennt. Unter dem Titel „Der Skulpturen-Garten von Carl Duisberg (1861 – 1935) Sammlung Bayer AG“ wurden fast alle bekannten Statuen versteigert, oft für erstaunlich niedrige Preise. Der knubbelige Kraftprotz, der mit dem Hammer eine Nuss knackt, wechselte indes für mehr als 35.000 Euro den Besitzer. Der betende Mönch, dem Fans eigentlich täglich frische Blüten in die Hand legten, war schon 2021 versteigert worden – für ein Zehntel des Preises. Insgesamt brachte die Auktion dem Unternehmen knapp 140.000 Euro brutto.
Auch die Bronzen kamen weg
Schon lange hatte das Unternehmen die meisten Bronzen aus dem Japanischen Garten geräumt. Denn im Januar 2013 und danach ein weiteres Mal hatten Metalldiebe im Park gnadenlos zugeschlagen: Viele Statuen wurden gestohlen; die Exemplare im Japanischen Garten blieben offenbar nur deshalb da, weil es dort Bewegungsmelder gibt. Eine Sicherheitseinrichtung, die das Unternehmen dann allen wenigen verbliebenen Bronzen spendierte.
Dem Japanischen Garten hat der Verlust nicht gutgetan. Und dann gibt Bayer auch noch das Erholungshaus auf.

