Die sonntägliche Schallplattenbörse im Forum fand regen Anklang. Der Enthusiasmus für Vinyl ist generationenübergreifend.
SchallplattenbörseBegeisterung für Vinyl kennt in Leverkusen keine Altersgrenze

Viel Betrieb herrscht am Sonntag auf der Schallplattenbörse im Forum.
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Das erste, was man als Besucher wahrnimmt, wenn man am Sonntagmittag die Treppe ins Obergeschoss des Forums am Ende des Foyers nach oben geht, ist ein charakteristisches Knistern oder Rascheln, das entsteht, wenn sich zwei statisch aufgeladene Plastikhüllen voneinander lösen. Es entsteht auf der Empore gleich dutzend- oder hundertfach, weil hier viele Schallplattenfans gleichzeitig die in großen Kästen angebotenen Platten durchsehen – und dabei eben die in den Plastikhüllen steckenden Vinylschätze einen nach dem anderen nach vorne „klappen“.
Das Forum-Obergeschoss ist an diesem ersten Januarsonntag eine halbe Stunde nach Öffnung der Schallplattenbörse schon gut gefüllt. Männer und Frauen zwischen 16 und 76 durchstöbern die großen Kästen mit Schallplatten, die, je nach Stand, nach Bandnamen oder nach Musikgenre sortiert sind. Von Metal über Hardrock, Punk, Jazz, Ska, Reggae, Hiphop, Indie bis Funk, Soul und Pop ist alles vertreten.
Wer sich näher für eine Platte interessiert, zieht sie aus der Hülle und schaut sie sich genau an. Prüfend wird die Oberfläche gegen das Licht gehalten, um eventuelle Defekte wie kleine oder größere Kratzer an den feinen, kreisrunden Rillen zu entdecken.
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Ein junger Mann aus Lettland, der in Düsseldorf arbeitet, ist nach Leverkusen auf der Suche nach Hardrock- oder Metal-Scheiben aus den 70er Jahren gekommen. Er finde es schön, die Platte dabei in der Hand zu haben, wenn er die Musik höre, beschreibt er seine Begeisterung für Schallplatten. Außerdem sei es „aktiver“, Musik auf Vinyl zu hören, als sie sich von einem Streamingdienst abspielen zu lassen.
Das bestätigt auch Paula aus Leverkusen. Die 20-Jährige hat sich gerade bei dem Westerwälder Händler Jens Bartel eine Platte der Deftones gekauft. „Im Februar gehe ich auf ein Konzert mit den Deftones in Dortmund“, erzählt sie. Und da hat sie sich für das neueste Album der Alternative-Metalband entschieden: „Private Music“. „Wenn ich eine Platte auflege, entscheide ich selbst, welchen Song ich hören will, nicht der Algorithmus der Streamingplattform.“
Händler Bartel ist einer von etlichen im Forum, die über die Liebe zum Vinyl zum Beschicker von Plattenbörsen und Flohmärkten geworden sind. „Irgendwann fragt man sich: Brauche ich wirklich jede Maxi von AC/DC?“ Und dann entdecke man, dass man auf Börsen teilweise deutlich mehr für seine Schallplatten erhalte, als man selbst für die neue Platte bezahlt habe. Bartel hat ein klar eingegrenztes Genreportfolio im Angebot: „Metal, Punk, Indie-Rock – da kenne ich mich aus, das höre ich auch selbst.“

Zarko Tubin hat in Waldbröl einen Plattenladen.
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Ein paar Schritte weiter, am Stand von Zarko Tubin aus Waldbröl, stöbert Max aus Köln auf der Suche nach Platten der englischen Progressive Metal-Band „Haken“ durch. Er sei das erste Mal auf einer Plattenbörse und finde es „total geil“, sagt der 41-Jährige. Max hat die Musikanlage seines Vaters geerbt und sei darüber zu Vinyl gekommen. Händler Tubin hat aus seiner Begeisterung für Schallplatten eine kleine Geschäftsidee entwickelt und im August 2025 in der Waldbröler Innenstadt einen Plattenladen aufgemacht. Aber kommen denn viele Leute in seinen Klangraum 33 1/3? „Das könnten natürlich mehr sein“, sagt der Plattenhändler, aber die Kundschaft, die zu ihm finde, kaufe meist auch und: „Es ergeben sich immer interessante Gespräche.“

Helene aus Köln hat am Stand von Gerhard Korte eine Platte mit einem ihrer Lieblingssongs gefunden.
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Helene aus Köln ist am Stand des Leverkuseners Gerhard Korte fündig geworden. Stolz hält sie eine Maxi-Single von Wham in der Hand: „Everything she wants“, sei einer ihrer Lieblingssongs, sagt die 16-Jährige. Ein Freund habe ihr einen Plattenspieler geschenkt. „Seitdem sammele ich selbst.“ Der 77-jährige Korte freut sich. Er habe zur Börse nur das mitgebracht, „was ich weghaben will, was ich nicht mehr brauche“. Wham läuft dann künftig eben auf Helenes Plattenteller und nicht mehr bei Korte.
