Leverkusen – Mit großem Bedauern und auch Verärgerung hat der Leverkusener Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach am Sonntag auf den Rücktritt von Andrea Nahles von den Ämtern der SPD-Parteivorsitzenden und der Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion reagiert. Lauterbach, der abseits der parteipolitischen Zusammenarbeit auch persönlich mit Nahles befreundet ist, spricht von einem völlig undankbaren Verhalten zahlreicher Parteigenossen.
Er selbst schätze Andrea Nahles sehr, sagte er im Gespräch mit dem »Leverkusener Anzeiger«. Sie habe in den vergangenen Jahren sehr wichtige Arbeit speziell in der Sozialgesetzgebung geleistet und großen Anteil daran, dass einige soziale Härten abgebaut wurden.
Natürlich habe Nahles auch Fehler gemacht, „jeder macht Fehler“. Aber: „Was in den letzten Tagen in der Partei und in der Fraktion stattgefunden hat, war von einer solchen Brutalität und Rohheit, dass wir uns in der Partei wirklich Gedanken machen müssen. So kann die Partei nicht weitermachen.“
Frauenfeindliches Verhalten
Wie manche in den Gremien über die Vorsitzende hergefallen seien, dass sei völlig indiskutabel gewesen „und das hatte auch ein deutlich frauenfeindliches Element.“ Hinter verschlossenen Türen sei es in den Sitzungen tatsächlich so hemmungslos feindlich zur Sache gegangen, wie es in manchen Medienveröffentlichungen zu lesen gewesen sei.
Sowohl in der Partei als auch in der Fraktion müsse nun eine personelle Übergangslösung gefunden werden, ehe die Nachfolge einigermaßen in Ruhe geregelt werden könne. Die kommissarische Leitung in der Partei soll wohl Malu Dreyer aus Rheinland-Pfalz übernehmen bis ein Bundesparteitag der Vorsitz neu bestimmt. In der Bundestagsfraktion, Lauterbach ist dort ein stellvertretender Vorsitzender, könne wohl „der Dienstälteste im Vorstand“ kommissarisch die Geschäfte führen, in diesem Fall wäre das der Kölner Abgeordnete Rolf Mützenich.
Warnung vor Schnellschüssen
„Wir müssen jetzt erst einmal Ruhe reinbringen“, sagte Lauterbach am Mittag in Köln, ehe er sich wieder auf den Weg nach Berlin machte, wo am Abend die Parteigremien tagen. „Wir können nun auf keinen Fall irgendwelche Schnellschüsse gebrauchen. Daher werde ich mich auch nicht an irgendwelchen Spekulationen in der Öffentlichkeit beteiligen.“
Ehe es um eine Postenvergabe gehe, müssten einige Grundsatzfragen diskutiert und entschieden werden. „Dazu gehört natürlich auch, ob wir in der Groko bleiben.“
