Leverkusen – Die Opposition im Rat sprach vor fast einem Jahr von „Entmachtung“, als Oberbürgermeister Reinhard Buchhorn seiner zentralen Leiterin im Bauamt, Lena Zlonicky, die Bauaufsicht wegnahm. Jetzt gibt sie freiwillig auch noch die Abteilung Stadtplanung ab: Sie wechselt in die Kölner Bauverwaltung. Zlonicky: „Ich tue das mit Bedauern, weil mir die Stadt Leverkusen am Herzen liegt.“ In Köln wird sie zwar – formal gesehen – eine Stufe in der Hierarchie nach unten rutschen, die neue Aufgabe sei aber hochinteressant, wie sie sagt. Im Frühjahr 2015 tritt sie im Bauamt ihrer Wahlheimat als Abteilungsleiterin für den Bereich Innenstadt an: mit Dom-Umgebung, Rhein und Hauptbahnhof. Zlonicky legt Wert auf die Feststellung, dass ihr Weggang keine Entscheidung gegen die Stadt Leverkusen sei, sondern dass „persönliche und emotionale Gründe ausschlaggebend für den Wechsel“ gewesen seien. Nach 17 Jahren in der Leverkusener Bauverwaltung habe sie über neue Aufgaben nachgedacht, dann habe sich diese Chance in Köln geboten. Zlonicky sagt, sie habe schon früher öfter Angebote aus anderen Kommunen bekommen, diese aber immer abgelehnt. Die Kölner Stelle war offenbar keine Abwerbe-Aktion. Sie sei von Kollegen darauf aufmerksam gemacht worden.
Ganz unerwartet kommt der Weggang nicht. Am Dienstag hatte der OB mitgeteilt, wie die von ihm betriebene Aufspaltung der von Zlonicky bis dahin komplett geleiteten Bauverwaltung aussehen wird. Am 1. November übernimmt der jetzige Leiter des Büros Baudezernat, Alfred Görlich, den neuerdings aus Zlonickys Verantwortung herausgetrennten Fachbereich Bauaufsicht und Denkmalpflege – zunächst kommissarisch, denn ursprünglich wollte der OB die Stelle extern besetzen.
Mit der Personalie Zlonicky hatte Buchhorn heftigen Widerspruch der Opposition geerntet – nicht nur von der SPD, deren Parteibuch die nach Baudezernentin Andrea Deppe einflussreichste Frau im Rathaus besitzt. Heftig wurde kritisiert, dass der OB die Leistung von Zlonickys Amt öffentlich herabgesetzt hatte. In einer Vorlage war die Rede von einer „Vielzahl nicht aufhörender Beschwerden von Dritten wegen Bearbeitungszeiträumen, nicht zeitgemäßen Verfahren und fehlerhafter Bearbeitung“. Die Bauaufsicht müsse aber dem „qualitativen und quantitativen Anspruch einer modernen Verwaltung“ gerecht werden. Fortan war mit Blick auf Buchhorn von Verletzung der Loyalitätsregeln gegenüber einer Amtsleiterin die Rede. Zlonicky sagt heute dazu, das alles habe bei ihrer Entscheidung für den Wechsel nach Köln keine Rolle gespielt. Aber auch: „Klar war ich getroffen.“ Die öffentliche Kritik des OB löste eine Diskussion über dessen Umgangston gegenüber Angestellten und seinen Führungsstil aus: Buchhorn war gemeint, als die Gewerkschaft Verdi schrieb: „Die Verrohung der Führung im Umgang mit den städtischen Mitarbeitern ist überall in der Belegschaft spürbar.“ Auch in der folgenden Personalversammlung war der Fall Zlonicky und seine Folgen ein bestimmendes Themen. Buchhorn bot Mitarbeitergespräche an.
Ein Beschäftigter der Bauverwaltung, der anonym bleiben will, sagte, Zlonicky habe dort den Ruf einer „kompetenten Fachfrau“, die sich auskenne. Reinhard Buchhorn, der Zlonicky eine „exzellente Planerin“ nannte, soll ihren Weggang sehr bedauert haben.
