Die WGL lässt darüber abstimmen, ob ein Baum auf ihrem Grundstück in einer Nachbarschaft eher erwünscht ist oder seine Samen, sein Schatten und Laub die Nachbarschaft eher stören.
Bürriger NachbarschaftLeverkusener Wohnungsgesellschaft lässt über einen Ahorn abstimmen

Um einen Spitzahorn in einem WGL-Garten gibt es Streitigkeiten. Es gibt Bewohner im Viertel, die würden ihn gerne als Kleinholz sehen.
Copyright: Ralf Krieger
Der sich spätestens jetzt anbahnende Streit in einem Wohngebiet im nördlichen Bürrig dreht sich mal wieder um Bäume: Die einen wollen Schatten, Kühle und Frischluft erhalten, andere stören sich am „Dreck“, an Samen und Blättern, die Bäume je nach Art in unterschiedlichen Mengen in Gärten anderer abwerfen.
Es geht um einen großen alten, mehrstämmigen Spitzahorn, der auf einem langen Grundstück steht, das zu einer WGL-Wohnung gehört. Also ist auch der Baum Eigentum der Leverkusener Wohnungsgesellschaft. Der Innenraum wird von drei Reihenhaus-Riegeln eingefasst, die einzelnen Häuser haben jeweils einen kleinen Handtuch-Garten nach innen. Auf engem Raum stehen 22 Reihenhäuser. Zwei davon gehören der WGL.
Laut der übereinstimmenden Mitteilung zweier Eigentümer im Viertel, die sich in der Redaktion gemeldet haben, sollen zwei oder drei Bewohner das Ziel verfolgen, dass der WGL-Ahorn gefällt wird. Unabhängig bestätigen lässt sich das nicht. Insbesondere einer der Hausinhaber im Karree soll demnach daran arbeiten. Die WGL schreibt auf Anfrage: „In den vergangenen Monaten kam es innerhalb der Nachbarschaft zu unterschiedlichen Auffassungen über den zukünftigen Umgang mit diesem Baum.“
Umfragezettel im Viertel verteilt
Von uns kontaktiert, lehnte der betreffende Mann ein Gespräch ab, er habe damit nichts zu tun.
Anscheinend wirkt der Druck auf die WGL: Am letzten Freitag vor den Ferien verteilte das Wohnungsunternehmen Umfragezettel im Viertel. Ziel dieser Befragung sei keineswegs die Vorbereitung einer bereits feststehenden Entscheidung, sondern die Ermittlung eines möglichst umfassenden und objektiven Meinungsbildes, schreibt der WGL-Chef Gerald Hochkamer.
Einzig Nachbar Frank Pathe war bereit, seinen Namen im Zusammenhang mit dem Baum-Streit zu nennen. Der Ökologe war in der vergangenen Ratsperiode Mitglied im Umweltausschuss. Eine andere Nachbarin, die sich zuerst in der Redaktion gemeldet hatte, hatte Angst, ihren Namen öffentlich zu nennen. Als Grund gab sie an, sie wisse, dass der Nachbar im kommunalen Vollzugsdienst angestellt sei. Sie befürchtet, dass er ihr deshalb Probleme machen könne. Ihr Name ist der Redaktion bekannt. In der Sache sei es zu heftigen Streitigkeiten gekommen, sie habe sich beleidigt gefühlt. Sie wirkt gestresst und sagt: „Dabei war hier früher Bullerbü.“
Diplom-Ökologe Frank Pathe wies im Gespräch am Telefon darauf hin, wie wertvoll der Ahorn fürs Kleinklima in der Siedlung sei. Den Baum schätzt Pathe auf 70 Jahre; er könne gut 200 Jahre alt werden: „Den muss man in heutiger Zeit stehen lassen.“ Früher hätten mehr große Bäume im Karree gestanden, seit die weg seien, sei es heißer geworden. Tatsächlich sind auf den Dächern der Siedlung vereinzelt Klimaanlagen zu sehen. Ein anderer Nachbar sagt, dass die WGL jetzt eine Umfrage zu dem Baum starte, sei nicht o. k., die sei manipulierbar.
Was wird nun? WGL-Chef Hochkamer schreibt: „Eine abschließende Entscheidung ist offen. Neben den Rückmeldungen aus der Nachbarschaft werden dabei auch fachliche Gesichtspunkte berücksichtigt.“
Die WGL unterstütze die Ziele einer nachhaltigen und klimaangepassten Stadtentwicklung. Die Funktion des Baumes als Schattenspender und sein Beitrag zum lokalen Mikroklima seien wichtige Aspekte; die würden in die Bewertung und Entscheidung einfließen.
