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TischkulturGute Manieren nach Knigge

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Über Fehler hüllte Benimmtrainer Oliver Höflich (rechts) mitnichten den Deckmantel des Schweigens.

Langenfeld – Sein Name ist Programm, und als sich Oliver Höflich dafür entschied, Erwachsenen Kurse im guten Benehmen zu geben, habe er selbst schmunzeln müssen, sagt er. Aber der Schritt schien nicht abwegig. Denn als Koch und Restaurantfachmann war Höflich schon früh mit den Gepflogenheiten der Tischkultur vertraut. Für den Kirchenkreis Leverkusen bot er jetzt im Rahmen der Erwachsenenbildung und Frauenarbeit ein Seminar im Gemeindehaus der Johanneskirche in Langenfeld an.

Angelesen habe er sich vieles, den Freiherrn von Knigge studiert. Aber die Beobachtung habe ihn am besten geschult, sagt der Benimmtrainer. Und so wirkt sein Auftreten niemals hölzern, eine gesunde Distanz stellt sich sofort ein. Und dass Höflich ein guter Lehrer ist, merkt der Teilnehmer daran, dass er sich schon bald selbst zu beobachten beginnt. Körperhaltung, Blickkontakt, Stimmlage – nicht aufdringlich sein und dennoch keine graue Maus, das will wohl ausbalanciert sein. „Zum guten Benehmen gehören Selbstdisziplin und Contenance. Jemand, der sich zu benehmen weiß, ist niemals laut oder beleidigend“, sagt er. Sich gegen etwas zu verwahren oder deutlich zu werden, schließe das aber nicht aus.

Höflich hat für den Kursus einige Übungen vorbereitet, die ein bisschen an Kapitel aus dem Französisch oder Englischbuch erinnern. Es sind scheinbar einfache Dinge, wie die erste Konversation mit einem noch Unbekannten. „Ich habe einen Grafen unter meinen Kunden, wie spreche ich den eigentlich an?“, wollte ein Teilnehmer wissen. „Ich würde ihn so auch ansprechen“, riet Höflich. In der Regel zeige sich schnell, ob das so gewünscht sei. Ansonsten gebe der Titelträger zu verstehen, dass ihm das zu überkandidelt sei.

Trainingsbedarf Restaurantbesuch

Trainingsbedarf bestand beim Kapitel Restaurantbesuch. Wie man einer Dame aus dem Mantel oder wieder hinein hilft, das will gelernt sein. Aber Übung mache den Meister und es stelle sich mit der Zeit eine Leichtigkeit von selbst ein, tröstete Höflich. Formvollendet gehe der Mann vor, mache die Tür auf, lasse die Frau kurz voraus gehen, gehe an ihr wieder vorbei und betrete somit als erster das Restaurant. Geschuldet ist diese Umgangsform den Zeiten wilder Prügeleien in Wirtshäusern. Die Höflichkeit gebietet den Vortritt, aber um die Dame zu schützen solle man sie nicht ins offene Messer rennen lassen. „Die Italiener wiederum wollen der Frau ihren Auftritt nicht nehmen und laufen immer hintendrein.“

Höflich schränkt ein, dass es Damen gibt, die unwirsch werden, wenn sich jemand als Kavalier versuche. „Das sollte man tolerieren und nicht diskutieren.“ Unfein sei es, in einem Restaurant vom Teller des anderen zu probieren, oder gar die Reste, die der Partner nicht mehr schaffe, aufzuessen. „Wir leben in einem freien Land. Da muss sich keiner dran halten. Aber die meisten Benimmregeln ergaben einmal Sinn, darauf hat man sich geeinigt.“ Dass Höflich sein Handwerk versteht, zeigt sich auch daran, dass er aus wenig etwas macht. Teller, Besteck und Weingläser aus der Küche des Gemeindezentrums sind einfach. Aber die Handhaltung ist gekonnt, die Ordnung der Dinge beherrscht der Trainer blindlings. Eine Spitze der Serviette wird umgelegt und der Mund mit dem nach innen geschlagenen Teil abgewischt. „Der Suppenlöffel sollte niemals oben liegen, sondern rechts neben den Messern“, weiß Höflich.

Brot und Salat würden von links gereicht, alles andere von rechts. Brot werde gebrochen oder abgerissen und niemals am Tisch geschnitten. Und Salat? Auch der sollte nicht geschnitten werden. Mit dieser Ausnahme: „Haben der Koch oder die Kaltmamsell das aber nicht gemacht, dann muss man über die Regel hinwegsehen und eben doch zum Messer greifen.“