Die Klimakonferenz in Scharm el-Scheich gibt dem Bremsenspezialisten Roman Milczarek Anlass, auf eine wichtige Eigenschaft seiner Entwicklung hinzuweisen: Beläge aus Polymeren verteilen praktisch keinen Feinstaub.
BremsbelägeLeverkusener Erfindung könnte die Autoindustrie verändern

Seit 2016 arbeitet Roman Milczarek mit seinem Unternehmen Liqfric an neuartigen Bremsbelägen aus einem Polymer.
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85 Prozent weniger CO₂-Verbrauch bei der Herstellung, kein Feinstaub, jedenfalls im Stadtverkehr: Roman Milczarek hat am Montag darauf hingewiesen, welche Vorteile seine Erfindung für die Umwelt hat. Der frühere Textar-Manager hat das Herstellungsprinzip für Bremsbeläge neu gedacht: Gießen statt Backen, ein Polymer statt Phenolharz. Dem Industriestandard, den natürlich auch TMD Friction millionenfach anwendet, will Milczarek mit seinem Start-up Liqfric eine neue Methode zur Seite stellen.
Dass sie nicht nur theoretisch machbar ist, hat der promovierte Chemiker mit seinem Team längst bewiesen. BMW hat Beläge aus der Garage in der Fixheide – übrigens gar nicht weit vom alten Textar-Werk – in einen potenten 550er eingebaut und getestet.
Inzwischen sei man „in der Phase der Vorserien-Entwicklung für Erstausstatter angelangt“, um bald Serienlösungen anzubieten, berichtet Milczarek. Ab 2025 oder '26 sollen kleinere bis mittlere Produktionschargen für Erstausstatter und den Ersatzteilmarkt bereitstehen. Mit Blick auf die gerade laufende Welt-Klimakonferenz hebt der Manager nicht nur hervor, dass die Guss-Methode bis zu 85 Prozent weniger Energie erfordert. Weil die Beläge auch auf kleineren Maschinen herstellbar sind, sei eine dezentrale Fertigung möglich. Dadurch „werden Transportkosten und die Abhängigkeit von internationalen Märkten reduziert“.
Wir sind in der Phase der Vorserien-Entwicklung für Erstausstatter angelangt
Bei Liqfric – das ist die Abkürzung für „Liquid intelligence friction compund“ – hat man aber auch an die bestehenden Hersteller gedacht und ein alternatives Fertigungskonzept entworfen. Damit könnten schon jetzt „Beläge auf den industrieweit installierten Pressen hergestellt werden und damit bereits kurzfristig auf bewährten bestehenden Fertigungsanlagen markante energetische Verbesserungen erzielt werden“, sagt Milczarek. Allerdings könne man so weniger Energie einsparen als bei der pressfreien Methode.
Indes sind die Liqfric-Beläge nicht nur umweltfreundlicher bei der Herstellung und emittieren wegen ihrer anderen chemischen Zusammensetzung weniger Feinstaub. Sie bieten auch technologische Vorteile: Weil sie mit einer geringen Temperatur gegossen werden, können auch Sensoren in die Beläge eingebaut werden. So fließen wichtige Daten von der Bremse in den Bordrechner des Autos. Was unter anderem ermöglicht, die Beläge dünner und leichter zu machen.
Finanzierungsrunde wird vorbereitet
2016 hat Milczarek, der Jahrzehnte bei der früheren Textar in leitenden Funktionen gearbeitet hat, Liqfric gegründet. Im Februar setzte sich der spätberufene Gründer gegen rund 120 Konkurrenten durch, Liqfric wurde als eines von acht Technik-Start-ups aus Europa und Amerika ins „Tech-Founder“-Programm aufgenommen. Es wird getragen von Konzernen wie Hewlett-Packard, Datev, Miele und Knorr-Bremse und ermöglicht den Start-ups, sich ein knappes halbes Jahr darauf vorzubereiten, Geld einzusammeln.
In Finanzierungsrunden trennt sich oft die Spreu vom Weizen; nur tragfähig erscheinende Geschäftsideen werden mit Kapital ausgestattet. Geld einsammeln, das ist auch der nächste Programmpunkt auf der Agenda von Roman Milczarek.
