Leverkusen – "Das ist ja wie bei Ebay", sagt eine jüngere Frau halb aufgeregt, halb amüsiert. Man könnte es vielleicht eher umgekehrt ableiten: Ebay hat's sich von solchen Veranstaltungen abgeguckt. Von Versteigerungen. Was es bei Ebay aber nicht gibt, sind launige Versteigerer. Und so was wie den Menschen mit Blaumann, der die Fahrräder dem Publikum präsentiert. Auf dem Hof hinterm Verwaltungsgebäude an der Miselohestraße werden gefundene Drahtesel versteigert - solche, die innerhalb der gesetzlichen Frist von sechs Monaten nicht vom Eigentümer abgeholt wurden.
Manche der Gefährte sind vielleicht auch eher Draht-Rennpferde oder Draht-Zirkusponys: Kleine BMX-Räder sind dabei, schnittige Mountainbikes, klassische Hollandräder und Kinderfahrräder. Neben einem Lastwagen sitzen zwei Männer an einem kleinen Tisch mit einer Geldkassette drauf; auf der Ladefläche des Lastwagens stehen Versteigerer Horst Fortkort und der Mann im Blaumann, Peter Orth: erstes Fahrrad nach vorn geschoben, los geht's. Etwa 60 bis 70 Leute verfolgen die Auktion. Menschen jeden Alters sind da, Männer und Frauen, unterschiedliche Einkommensgruppen und verschiedene Herkunftsländer. Fortkort ermahnt: "Erst in die Tasche gucken, ob Sie genug Bargeld dabeihaben!" Mit zwei Euro geht's los, nach zwei, drei Minuten ist das erste Fahrrad für 55 Euro verkauft.
Für den Großvater
Ursula Behrendt ist mit ihrem Mann und den beiden Söhnen ganz gezielt hierher gekommen. "Wir sind viel mit dem Rad unterwegs." Ein eher klassisches Herrenrad hat die Familie gerade ersteigert, das soll für den Großvater sein. Aber die beiden Jungs haben das Fahrrad irgendwie schon adoptiert, auch wenn es einen platten Hinterreifen hat. Na, ob das Rad noch beim eigentlichen Adressaten ankommen wird? "Machen Sie mal ein anständiges Angebot", fordert Horst Fortkort derweil sein Publikum auf. Mit seiner launigen Art hält er die potenziellen Kunden bei Laune - selbst, wenn sich bei einem der Objekte der Lenker löst. Eine Regel gilt hier: Keine Chance auf Einspruch, gekauft wie gesehen.
Bei der Wärme zieht Fortkort auch gern mal das Tempo an: "Ein Euro zum Ersten, Zweiten, Dritten." Verkauft. Manche der Neueigentümer drehen schon unsichere Runden auf dem Hof. Für 80 Euro wechselt ein Fahrrad mit tiefem Einstieg und Sattelfederung den Besitzer, das ist bis jetzt der höchste erzielte Erlös. Beim nächsten Rad klemmt ein Putzlappen auf dem Gepäckträger. "Das ist bestimmt ein gepflegtes Fahrrad", präsentiert Fortkort. Eine Frau mittleren Alters schiebt schnell ein Rad zur Seite, um direkt wieder mitsteigern zu können. "Meins hat man mir geklaut. Jetzt hole ich zwei, damit ich immer eins in Reserve habe."
