Abo

Wupsi in LeverkusenZuverlässiges Helferlein der Werkstatt

3 min

Für Tim Porschke ist der fast 30 Jahre alte MAN als Werkstatt- und Abschleppwagen unverzichtbar im Wupsi-Fuhrpark.

Leverkusen – Aus dem gewöhnlichen Liniendienst ist „LEV - WU 109“ längst ausgeschieden. Das heißt aber nicht, dass der fast 30 Jahre alte Omnibus der Wupsi nicht weiterhin wertvolle Dienste leistet – als Werkstatt- und Abschleppwagen. „Der springt immer an, hat keine Elektronik und kein Automatikgetriebe“, rühmt Tim Porschke, Leiter der Wartungsabteilung, die Vorzüge des Oldtimers gegenüber seinen offenbar etwas anfälligeren Nachfolgern.

400 000 Kilometer

Wann der MAN SL 200, Baujahr 1985, zum unkaputtbaren Helferlein der Wupsi-Werkstatt wurde, weiß auch Porschke nicht so ganz genau, „aber meist nehmen wir unsere Busse bei rund 400 000 Kilometern aus dem Dienst“. Der Tacho von LEV - WU 109 zeigt knapp 460 000 Kilometer, was aber nur bedeutet, dass der Wagen in seiner zweiten Karriere nicht mehr allzu viel Strecke machen musste – „höchstens 1500 Kilometer pro Jahr“, schätzt Porschke.

Dass der MAN einer völlig anderen Zeit entstammt, zeigt sich beispielsweise an den um die Ecke gebogenen Scheiben beidseits der Rückbank und der vom Fahrer handzukurbelnden Fahrzielanzeige, vor allem aber an der Jägermeister-Reklame an seinen Flanken. Schon seit etlichen Jahren wirbt kein Busunternehmen mehr für alkoholische Getränke, obwohl deren Genuss ein guter Grund ist, den eigenen Pkw stehenzulassen. Bei dem Wupsi-Oldtimer gehört der Likör-Schriftzug jedoch genauso zur Patina wie das originale Kennzeichen, das noch die alte Schrift und den Trennstrich trägt, und die „Glotzaugen“-Scheinwerfer. Aus der Flotte der modernen Wupsi-Busse sticht LEV - WU 109 damit hervor wie eine Eiche im Palmenhain. Fahrgäste würden sich in seinem Inneren heute allerdings nicht mehr besonders wohl fühlen. Die 38 Sitzplätze sind zwar noch vorhanden, aber ansonsten gleicht der Bus mehr einem rollenden Lager.

Ersatzräder liegen da neben schweren Abschleppstangen, Säcken mit Sand und Bindemittel, einem Radkreuz und einem Wagenheber, jeweils im XXL-Format, allerlei Werkzeug, einem Pressluftschrauber und anderen Pannen-Utensilien. Modern sind an diesem MAN nur zwei nachträglich installierte Sicherheitsvorrichtungen: eine Kamera, die dem Fahrer auf einem Monitor zeigt, was sich unmittelbar hinter dem Fahrzeug tut – Porschke: „sehr hilfreich beim Abschleppen“ – und eine Freisprecheinrichtung fürs Handy. Die alte Sprechfunkanlage ist nämlich schon längst ausgebaut worden, weil sie mit der digitalisierten Wupsi-Zentrale ohnehin nicht mehr kommunizieren könnte.

Nicht neuzeitlich, aber immerhin vor fünf Jahren überholt ist der Zwölfliter-Sechszylinder im Heck, der 200 PS leistet und schon so manch jüngerem Kollegen im Liniendienst aus der Patsche geholfen hat. Porschke lobt in diesem Zusammenhang vor allem das handgeschaltete Vierganggetriebe: „Wo Automatikbusse an einer verschneiten Steigung liegenbleiben, gibt der MAN mit etwas Gefühl im Kupplungsfuß noch lange nicht auf.“ Merke: Früher war zwar nicht alles bequemer, aber doch manches besser.